29.06.06

Eidgenosse

Ich wunderte mich ein wenig, als ich unter diesem Gesellen hindurch zur Ausgangstür ging. Ich dachte: Sie sind schon lustig aber auch eigenartig, die Berner Spässe.
Erst im Nachinein sah ich, dass ich im Zunfthaus zu Metzgern war.

25.06.06

Wie ich schlagartig erwachte, oder warum man die Wirkung aufgehängter Bilder nicht unterschätzen sollte.

Wenn man Teewasser mit einem elektrischen Wasserkocher auf dem Gasherd heiss macht, und einem erst dann langsam dämmert, dass etwas falsch ist, wenn es nach verbranntem Plastik riecht und dunkler, schwarzer Rauch über den Stichflammen aufsteigt, dann ist man definitiv noch nicht wach.

Es gibt aber für alles immer noch eine andere Erklärung. Mindestens eine.
Als ich nämlich den brennenden Wasserkocher rasch vom Gasherd nahm und mich in der Küche umsah, wohin ich das schmelzende Teil schmeissen könnte, fiel mein Blick sofort auf das Poster an der Wand.
Sie!
Mein Besuch aus Berlin hatte mir dieses Plakat mitgebracht, eine Ausstellung von Sterling Ruby in Milano. Meine Freunde hatten an mich gedacht, als sie das Bild gesehen hatten: Eine muskulöse Frau mit einem komischen Kerzenständer. Ein seltsames Bild. Und warum an mich gedacht? Manchmal lösen sich Rätsel, wenn man die Dinge wirken lässt und nicht viel daran rumstudiert. Ich hängte das Bild in der Küche auf.
Der Wasserkocher wurde langsam heiss in der Hand und pechschwarze Tropfen fielen auf meinen Afghanischen Teppich. Während ich sie betrachtete, wie sie mit ihren breiten Armen und dem Gesicht im Dunkeln wie eine unheilvolle Türsteherin über die Geschehnisse wachte, wurde ich schlagartig wach. Ich bin ja nicht abergläubisch. Ganz und gar nicht. Aber mir wurde sofort klar, wer an diesem sonderbaren Unglück schuld war.

23.06.06

Rebellinnen begegnen sich

Eine Frau fragte mich, was mutines heisst, als ich vor der Bibliothek das Foto machte.
"Rebellinnen", sagte ich. Sie lächelte. Sie trug ein Le Tigre T-Shirt. Sie sah irre gut darin aus. Ich sagte es ihr. "Es ist auch eine irre gute Band", sagte sie. Ich kannte die Band nicht.

22.06.06

Prioritäten

Ich habe keine Zeit für die Fussball WM. Ich frage mich jeden Tag, woher die Leute all die Zeit zum Schauen nehmen. Ich habe nicht einmal für mein alltägliches Leben genug Zeit. Nicht genug für meinen Liebhaber, nicht genug für meine Freunde.
Es ist eine Frage der Prioritäten. Tragen mich meine eigenen Beine durch das Leben, oder lebe ich dafür, den tribbelnden kleinen Männchen auf dem Rasen zuzuschauen?
Das Angebot an abendfüllender Unterhaltung ist überpräsent und günstig wie selten.
Ich lasse mich auch gerne unterhalten. Es sieht aber ganz danach aus, als müsste ich mir meine Prioritäten teuer erkaufen.
Zum Beispiel mit Season of the Horse im Kellerkino.
Das Unterhaltsame beim Kino beginnt schon beim Billetkauf, wenn der rothaarige Student sich verrechnet und man ihm den richtigen Preis vorschlägt. Satte 51 Franken für drei Billete immerhin. Und während er laut nachrechnet und Zahlen wie Würfelaugen zu blinzeln beginnen, Summen sich überschlagen, schlägt man ihm vor, dass man eigentlich genauso gut um den Preis würfeln könnte. Dann lacht er zustimmend, und man merkt, dass er jeden Leichtsinn in Erwägung ziehen würde, der ihn aus diesem Kinobilletverkaufsschalterhäuschen spicken würde.

Das spannende am Kellerkino ist, dass der Student in der Pause die riesigen Filmrollen wechselt und danach die Zuschauer mit einer kleinen Glocke an ihre Plätze zurückmahnt.
Es erinnert mich an unsere Jeune-filles. So hiessen die Kindermädchen, die aus der Deutschen Schweiz ins Welschland kamen, um Französisch zu lernen. Jeune-filles klingt mit Deutschem Accent so: Schön-fies.
Sie klingelten jedenfalls auch mit einer Handglocke. Immer mittags und abends läuteten sie uns Kinder und die Pensionäre, die in den oberen Stockwerken im Haus wohnten aus den Zimmern an den Esstisch.
Zurück ins Kellerkino. Der Film war ergreifend.
Es geht um den Zerfall des Nomadentums. Der Regisseur Nin Cai hat das Drehbuch geschrieben und spielt selber die Hauptrolle. Er rechnet nebenbei mit den Künstlern, den Beamten, den Städtern, den Händlern und den Werbefritzen ab.
Ich habe vom Anfang bis zum Ende des Filmes geheult. Es ist meine eigene Geschichte, die vor meinen Augen ablief, und es rührte mich zu Tränen, das zu sehen.
Werde ich mich jemals an die Sesshaftigkeit gewöhnen?
Mais c’est une solution foutue d’être nomade aujourd’hui.
In der Mongolei haben die Nomaden die Dürre am Hals.
Hast du nicht die Dürre, hast du die Grünen an der Backe. Das sage ich jetzt lachend. Und wenn ich wüsste, wie man hier die Wörter streicht, würde ich die Grünen streichen und die Tierschützer schreiben. Streichen. Die EU. Streichen. Das Hochwasser. Die Seuchen. Auf jeden Fall hast du nichts zu lachen.
Es ist ein Film, der im ersten Moment harmlos scheint, aber er zeigt weit mehr als man verstehen oder sehen kann.

20.06.06

Holunderblütenwein

Ich habe neulich den ganzen Nachmittag die Holunderblüten sorgfältig von den Stängeln getrennt.
Ein Kilogramm Blüten.
Fünfzehn Liter Wasser. Quellwasser vom Glasbrunnen, welches scheinbar vom Jungfraugebiet stammt und tief unter der Erde die lange Strecke bis in den Bremgartenwald ausgesucht hat.
Reinhefe. Ein Löffelchen in ein Glas Apfelsaft, zwei Tage zuvor angesetzt.
Vier Kilo Zucker und hundert Gramm Zitronensäure.
Ich habe alles in einen Glasballon gefüllt und eine Handvoll Rosinen dazu gegeben für die goldene Farbe, Gärverschluss drauf. Fertig.
Täglich sanft schwenken. Sanft.
Nun blubbert der Holunderblütenwein gelassen vor sich hin.
Er gärt.
Wie mein Leben. Im Moment.
Am besten lässt man den Wein in Ruhe gären. Es braucht geduld. Er blubbert und schmeckt grauenvoll. Unausstehlich.

Aber man kann davon ausgehen, dass es ein guter Jahrgang wird.
Man sollte ihn jung trinken, zum Beispiel an einem milden Spätsommerabend.
Dummerweise heissen die Tage dann Altweibertage, fällt mir gerade ein. Aber so ist das jetzt nicht gemeint. Das mit dem alt wollte ich à tout prix vermeiden. Jedenfalls sollte man den Holunderblütenwein nicht zu lange im Keller rumstehen lassen. So.

18.06.06

Marqués De Murrieta crianza 2002

Und wenn so eine arme Frau wie ich nach Feierabend durch die Ladenregale hastet um sich vor Ladenschluss noch einen Genuss zu gönnen... was findet sie dann?


Natürlich konnte ich einer solchen Weinanpreisung nicht widerstehen!

Frage mich, in welcher Stimmung der Texter (oder war es doch eher eine Texterin) wohl gewesen sein muss um auf diese Formulierung zu kommen.

Das erstaunliche an der ganzen Sache ist: Er war vorzüglich.

17.06.06

Übername

Bonjour Tibaut. Ich hatte den Namen noch nie gehört und vergass ihn gleich wieder. Im Laufe unseres Gespräches versuchte ich mich zu erinnern und nannte ihn leichtsinnig Tijoli. Er lächelte. Ich verbesserte mich aber gleich: Toubeau.
Gegen Morgen, als ich der Verlockung nicht mehr widerstehen konnte und den Drachen an seinem Gürtel, der wie ein Hüter seinen Schatz bewachte, überwunden hatte, nannte ich ihn schwärmerisch und etwas nachdringlicher Thibeauté,
Gibt es das Wort nachdringlich überhaupt? Oder ist es eine meiner beliebten Wortmischungen aus - nachdrücklich und aufdringlich?
Au revoir Beauté, sagte ich ihm, als er ging.

...

Les histoires d'amour finissent mal,
en général
Yeah yé yé yé wâouh

13.06.06

12.06.06

Komplimentieren Sie bitte!

Komplimente sind wie Dünger. Man kann förmlich zusehen, wie die Menschen aufblühen.

08.06.06

Frühlingsdüfte

An frisch gemähten Wiesen entlang gehen
Den Geruch von wildem Salbei deutlich erkennen aber vergeblich danach suchen.

Am Rauch eines Feuers erkennen, welches Holz verbrannt wird.

Nach der Unterführung plötzlich Holunderblüten atmen, als lauerte der Holunder genau dort darauf, mich mit seinem Duft zu überfallen.



In einem Tannenwald stehen, besessen von genau diesem Duft

Rire ou pleurer

Wenn Weinen die Seele reinigt, dann habe ich jetzt wochenlang gründlichen Frühlingsputz gemacht.
Wobei Lachen die Seele vermutlich genauso hätte durchputzen können.
Eine Frage des Putzmittels also

07.06.06

Vom Schneckenhonig, oder warum Holunder wie Geisterpisse riecht

Auf meinem Abendspaziergang wurde ich vom Duft der Holunderblüten überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Holunder schon soweit ist. Ich brach ein paar Blütendolden für eine Limonade ab. Der etwas herbe Geruch des Holunders erinnert mich immer an Geisterpisse.
Und das hat einen guten Grund:
Als Kind habe ich die Holunderblüten immer von den Bäumen bei den Ställen auf den Rinderweiden gesammelt. Dort konnte ich auf das Stalldach klettern und an die prächtigsten Blütendolden gelangen, die ja beim Holunder immer zuoberst im Baum wachsen. Ein alter Bauer hatte mir einmal erklärt, dass um die Ställe herum die Kräuter am besten gedeihen, weil der Boden so gut gedüngt ist. Die Sauerampfer, der gute Heinrich und die Brunnenkresse. Und natürlich der Holunder. Der alte Mann sagte auch, dass die Geister dort wohnen, wo der Holunder wächst. Die guten Geister. Darum lässt man den Holunder immer bei Ställen stehen, obwohl er manchmal so dicht an der Stallwand wächst, dass er mit der Zeit die Bretter der Stallwand eindrückt.
Von da an wusste ich, warum der Holunder so eigenartig herb riecht. Er wird von den Geistern gedüngt. Mir war auf einmal sonnenklar: Holunder riecht nach Geisterpisse. Da es gute Geister sind, ist der Duft zwar etwas unheimlich, aber nicht unangenehm.
Wenn ich an den alten Mann denke, fällt mir auch die Geschichte mit den Schnecken ein:
Derselbe alte Bauer kam zwanzig Jahre später des Weges, inzwischen war er uralt geworden, mit einer Plastiktüte in der Hand. Es war Herbst und ich hütete die Schafe an der Bergstrasse. Er blieb neben mir stehen und wir schauten eine Weile zusammen stumm über die weidenden Schafe. Weil er nach einer weiteren Weile immer noch nichts sagte, fragte ich ihn, wohin er unterwegs sei.
„Zu dir!“, sagte er, und streckte mir die Tüte hin. „Ich habe Schnecken für dich mitgebracht.“
„Schnecken?“ rief ich erschrocken. Mir wurde bei dem Gedanken, eine riesige Schüssel voller Schnecken aufzuessen ein wenig mulmig im Magen. Oder brachte mir der Irre etwa eine Tüte voller Gartenschnecken? Ich traute ihm alles zu.
Ein alter Bergamasker Schäfer hatte mir einmal selbst gemachten Hustensirup in einem Einmachglas angeboten. Es waren in Zucker aufgelöste Schnecken. Süsser Schneckenschleim wirkt Wunder, raunte er mir zu, während er seinen knorrigen Finger tief im braunen Zuckerschleim herumdrehte und rasch in den Mund führte.
Ich nahm dem alten Schneckensammler die Tüte ab. „So viele Schnecken?“, fügte ich erstaunt hinzu, aber meine Stimme klang sehr beunruhigt.
Jetzt lachte der Alte herzhaft: „Zwetschgen!“, sagte er, „es sind Zwetschgen, nicht Schnecken. Ich habe dich jetzt schön erschreckt, nicht wahr?“, und er strahlte vergnügt bis über beide Ohren.

31.05.06

24.05.06

Fussball

Ich mochte noch nie Fussball. Und ich mag Männer nicht, die Fussball mögen. Ich ging ihnen bisher vermutlich unbewusst aus dem Weg. Natürlich machte ich Ausnahmen, weil die meisten Männer - auch wenn sie keinen Hut tragen - irgendwo doch etwas mit Fussball am Hut haben. Und ich mag schliesslich Männer. Einmal war ich sogar bereit mich mit einem Mann einzulassen, der in seiner Küche eine St.Pauli Fahne an der Wand hängen hatte. Aber es wurde doch nichts mit uns, weil er Beatles hörte. Nichts gegen die Beatles jetzt. Aber irgendwann ist die Toleranzgrenze überschritten... Ach, was ich eigentlich erzählen will, hat sowieso nichts damit zu tun.
Der Grund, warum ich keinen Fussball mag ist nicht etwa, weil ich eine Frau bin. So einfach ist das mit der Genderfrage auch hier nicht. Aber ich schweife jetzt besser nicht schon wieder ab.
Es hat mit einer Fussballverletzung zu tun.
Es war so:
Ich war acht und er hiess Didier.
Ich fand ihn nett und wollte mit ihm am See Schwäne füttern. Ich zeigte ihm meine Tüte mit getrocknetem Brot für die Schwäne, was ihn aber nicht beeindruckte. Er fand mich doof und wollte Fussball spielen. Dann wollte ich eben auch mitspielen. Die anderen Jungs nahmen mich in die Mannschaft auf. Ich rannte die ganze Zeit mit meiner erwartungsvoll knisternden Tüte voll Brot für die Schwäne in der Hand hinter dem Ball her. Didier versuchte mir den Ball wegzunehmen. Wir bückten uns beide über den Ball, als er plötzlich hochschnellte und mir mit seinem Kopf einen Kinnhaken verpasste. Versehentlich. Ich fiel in Ohnmacht. Als ich zu mir kam blutete ich aus dem Mund. Ich dachte ich würde vielleicht sterben, weil ich von irgendwoher wusste, dass man aus dem Mund blutet, wenn man stirbt.
Zum Glück war nur ein Schneidezahn gestorben. Aber je pupertierender ich wurde, desto dunkler wurde der tote Zahn. Ich hasste meinen schwarzen Schneidezahn. Wobei ich ja noch Glück hatte: Mein Nachbar Raoul hatte vorne einen Silberzahn. Ich fand, dass es bescheuert aussah. Aber Raoul war immer guter Laune und lachte die ganze Zeit. Mit seinem Silberzahn.
Ich jedenfalls beschloss nicht mehr zu lachen, bis ich zwanzig würde. So würde niemand meinen schwarzen Zahn sehen. Mit zwanzig Jahren, versprach man mir, würde ich einen neuen, ganz weissen Zahn bekommen. Dann würde ich wieder lachen können.
Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anderes erzählen. Worauf ich nämlich hinaus will ist folgendes:

Ich spiele neuerdings Fussball.
Meine Nachbarin hat mich dazu gebracht. Es sind Leute aus ihrem Bekanntenkreis, eine gemischte Gruppe, Männer und Frauen, was mir am Anfang etwas problematisch vorkam. Ich befürchtete, die Männer würden uns Frauen keine Chancen lassen, oder aus übermässiger Rücksicht nicht richtig spielen. Aber am meisten fürchtete ich mich vor Verletzungen. Nicht blaue Flecken am Schienbein, ich spreche von zertrümmerten Knien, Bänderrissen, von meinem gestorbenen Schneidezahn, solchen Geschichten.
Oder noch schlimmer: Von inneren Verletzungen, wie Eifersucht und solchen Szenen.
Die Männer in der Gruppe spielen aber sehr fair. Gerade so brutal, dass wir Frauen sie noch für richtige Fussball Helden halten, und so zuvorkommend und verständnisvoll, dass wir sie nicht als Weicheier einstufen. Ihr Spiel ist eine Gradwanderung zwischen Egoismus und Anerkennung.
Wie im richtigen Leben.
Gefährlich sind eher die Frauen.
Die Frauen in der Mannschaft spielen den Ball grundsätzlich in die Luft hinauf und schwingen dabei den Fuss so hoch wie möglich hinterher. Dabei geraten sie schon auch mal versehentlich an ein Schienbein oder an eine Rippe. Es spielt eigentlich gar keine Rolle, wohin sie den Ball schiessen. Hauptsache weg. Ich bekam einmal den Ball mit voller Wucht in den Bauch, aber man lernt schnell, sich reflexartig geduckt abzuwenden sobald eine Frau am Ball ist, dann bleibt auch der Kopf verschont.

Es macht trotzdem Spass Fussball zu spielen. Wirklich. Einigermassen bedenklich finde ich den Spass aber seit heute, als mir meine Nachbarin ihre neu gekauften Fussballschuhe gezeigt hat, mit Noppen.
Ja. Noppen.
Sie kennen doch die Bilder von Egon Schiele. Ich fand immer, dass Schieles Frauen so grün und blau geschlagen aussehen.
Das fällt mir gerade ein, wenn ich meinen grünblau gefleckten Körper betrachte.
Ich wage es gar nicht mir auszumalen, wie meine blaugrünen Flecken mit zusätzlich dunkelrot genoppten Blutergüssen aussehen.
Schielesk.

23.05.06

Déjà-vu-Gefühl

Das kommt mir bekannt vor. Vom Gefühl her. Möchte die Ausstellung unbedingt sehen.

22.05.06

Marillenlikör

Samstag:
im Dialekt des Alkoholgeistes gesungen:

Heut sammer blau
und morgen, wer weiss das genau
wie d’Vögel so leicht
oder im Grab drunten vielleicht

du bist der Prinz von Sansibar
und ich die Mauretanierin an der Bar

Wie’n Drosselei sammer so blau
und morgen, wer weiss das genau
von’nem radioaktiven Regen ’bleicht
oder vom Intercity den Schienen an’gleicht

du bist der Prinz von Sansibar
und ich die Mauretanierin an der Bar

...


Sonntag:
leicht angegleicht
Der Kater vom Likör ist nichts dagegen. Ich hab einen ganzen Streichelzoo im Kopf.

19.05.06

Der Reiz des Aufsparens

Meine Freundin Zhu sagte noch: Minka, du musst den Braten essen, wenn er heiss ist.
Man kann sich aber auch die Zunge verbrennen, wenn man zu gierig isst, dachte ich.
Ich wollte ihn mir lieber für später aufsparen. Für nachher. Wenn es mit dem jungen Liebhaber zu Ende ist.
Doch manchmal, wenn man sich zu lange etwas aufspart, verschwindet es plötzlich. Oder man verliert es. Es kann auch bedeutungslos werden. Oder völlig aus der Mode kommen, wie das seidene Kleid, das ich vor zwanzig Jahren in Paris gekauft hatte. Ich nannte es mein Chagall-Kleid, weil es wie das Blau der Chagall-Fenster im Zürcher Fraumünster leuchtete. Ich sparte es für eine ganz besondere Gelegenheit auf, die aber nie kam. Dann, als es plötzlich besondere Gelegenheiten gab, war es démodé.
Ich sparte mir als Kind auch das Ei auf dem Teller bis zuletzt auf, und ass zuerst tapfer die Kartoffeln und den Spinat. Dann kam immer das beste am Schluss. Damit kann man erstmal weiterleben. Aufsparen hat eben schon seinen Reiz. Ich könnte sogar ganz genau sagen, was für ein herrlicher Reiz im Aufsparen liegt. Aber der Reiz hat es gerade mit mir verspielt. Es kann eben auch daneben gehen.
Und nun ist er weg, er, den ich mir für später aufsparen wollte. Verschwunden.

Garcia Marquez schreibt irgendwo - wenn ich mich recht erinnere - dass es im Leben nur eine begrenzte Anzahl an Fickmöglichkeiten gibt. Nimmt man sie nicht wahr, gehen sie unwiederbringlich verloren.
Wobei ich unwiederbringlich in diesem Zusammenhang weder bedrohlich noch traurig finde. Eher die begrenzte Anzahl beunruhigt mich ein wenig.

17.05.06

...

Der tranceartige Zustand von Schlafmangel. Seit zwei Tagen.

16.05.06

Wie alles anfing

Houellebecq, bei dem ich jedes Mal nachsehen muss, wie man ihn schreibt, hat mich quasi auf mein erstes Weblog gebracht. Ich suchte damals im Internet, wie man den Namen ausspricht. Ich behauptete nämlich (und tu es immer noch), dass man ihn französisch aussprechen muss: ’oulle-bek. Meine Arbeitskollegen meinten dagegen, es müsse englisch klingen: wel-bek. Wikipedia gibt ihnen dummerweise Recht. Aber ich googelte so lange weiter, bis ich eine Seite finden würde, die ihn französisch ausspräche. Doch unterwegs verlor ich meine anfängliche Absicht schnell und verfolgte bereits eine andere Spur - ich glaube es war die Buchmesse in Frankfurt – als ich unverhofft auf dem ... is a blog landete. Ich war völlig begeistert von dem, was ich da entdeckt hatte. Ich las Einträge und Kommentare und ältere Einträge, und die Frau, die das schrieb, wurde mir immer sympathischer. Ein paar Wochen lang besuchte ich täglich ihren Blog und ich las ihre vielfältigen, kleinen, schönen und liebevoll erzählten Geschichten des Alltags mit grossem Genuss. Bald entdeckte ich auch weitere Blogs, entwickelte meine persönlichen Vorlieben und merkte auch, dass ich mit dem ...is a blog eine der wenigen Perlen im Saufutter gefunden hatte. Das ist vermutlich ungeschickt ausgedrückt jetzt. Aber‚Nadel im Misthaufen’ ist wohl auch nicht besser.
Bleiben wir also bei den Perlen, die vor die Säue geworfen werden.
Ich stosse natürlich, wenn ich ab und zu durch das knietiefe Schweinefutter wate, immer wieder auf kostbare Perlen. Dann ziehe ich sie zu meiner Kette auf, und rolle fast täglich, wie ein Rosenkranz, Perle für Perle ab, was jedes Mal kleine Seufzer des Staunens, der Bewunderung und Dankbarkeit in mir hervorruft.

14.05.06

...


Ein Mann lebt sein Leben geistreich und voller Frauenbilder.


13.05.06

Trouvaille

Wenn du, werte Leserin, zum Wochenende einen Pornofilm ganz nach deinem Geschmack sehen willst, dann habe ich bei .txt (tausend Dank) diesen Frauenporno für dich gefunden.
Die sympathische Erika Lust hat den zwanzigminutigen Film produziert und er kann kostenlos bei ihrem Blog runtergeladen werden.
Der Kerl im Film ist wirklich lecker und seine zurückhaltende und doch aufmerksame Art ist unwiderstehlich. Du möchtest am liebsten rausfinden, wie er riecht, und sobald die Darstellerin seinen Schwanz im Mund hat, willst du nur eines: Auch wissen wie er schmeckt.
Du wirst erleichtert sein, dass die zwei Frauen keine Silikonbrüste und keine braun umrandeten Lippen haben, und du wirst dich auf anhieb in ihren süssen Akzent verlieben.
Du wirst bestimmt deine Lieblingsstellung wiederfinden und spätestens in dem Moment wird sich alles an dir daran erinnern,
und du wirst komplett in die Handlung eintauchen...

Und werte Alle: Ich möchte mich jetzt nicht über Gender- oder Genrefragen auslassen.
Vielmehr scheine ich etwas entdeckt zu haben, was mir gut gefällt und falls Jemand noch so eine Trouvaille für mich hat: Her damit!
hehehe

10.05.06

Schafskälte

Heute Morgen geisterten die Eisheiligen in ihren Nebelgewändern und Dunstschleiern durch die Gassen...

Rücken oder Arsch, oder wie Bezeichnungen für Brotformen bei meiner Lieblingsbäckereiverkäuferin ganz einfach auf der Hand liegen

Arsch oder Rücken? fragt mich jeden Morgen die Bäckerei Verkäuferin, während sie die zwei aneinander geklebten Sankt-Galler Brote mit ihren mehlbestäubten, unglaublich muskulösen Händen voneinander trennt. Sie schaut mich fragend an und präsentiert mir auf Busenhöhe die zwei ungleich runden Brote. Ich sage jedes Mal: „Den Arsch natürlich!“
Sie weiss es. Und trotzdem fragt sie mich jeden Morgen.
Mir gefällt es, wie sie die zwei Brote in den Händen wiegt, während ihre Worte noch wie ein Hauptgewinn im Raume schweben. Und ich mag es, morgens um halb sieben „Geben Sie mir ruhig den Arsch!“ zu antworten ohne rot zu werden.
Dann packt sie mir das rundere der beiden Brotteile ein und lächelt wie ein Engel.

09.05.06

Blue Hole
Selten solch berauschende Sogwirkung beim Lesen verspürt.

08.05.06

Coupe Dänemark

Warum heisst die Kombination von Vanilleglace mit heisser Schokoladensauce eigentlich Coupe Dänemark?

05.05.06

Bagger



Heute zum ersten Mal begriffen, dass Männer mit der gleichen Faszination einer Frau beim Tanzen zusehen, wie Buben einem Bagger auf der Baustelle.