Da bin ich wieder und rauche nicht mehr.
Zu etwas anderem bin ich noch nicht fähig.
Schreiben zum Beispiel geht nicht.
Lesen auch nicht.
Konzentrieren ist unmöglich.
Arbeiten geht.
Fernsehen wäre eine nette Ablenkung. Aber ich habe keinen Fernseher.
Überlege mir, ob ich mit Reiten anfangen soll. Oder mit Yoga.
Es ist eigenartig, welche Ablenkungsstrategien plötzlich durchdacht werden. Joggen, Billard spielen, Klettern, Nähen, ich habe sogar an Fasten gedacht.
Ficken ginge auch.
Wobei ich Letzteres eindeutig am häufigsten durchdenke.
31.01.06
15.01.06
Das wirklich fest geknotete Badehandtuch oder wie meine Zuckerdose genau betrachtet leer blieb
Mein Nachbar ist Surfer und er ist jung und natürlich blond. Was in diesem Fall in keiner Weise irgendwie abträglich ist, sondern eher so etwas wie “de luxe” meint. Soviel muss man mindestens wissen, um die folgende Passage einigermassen zu verstehen, denn nun öffnet mir mein Nachbar, nach mehrmaligem Klingeln, nackt und triefend die Tür. Nur ein Tuch war eng um die lang geschwungenen Muskeln seiner Hüften geknotet. Als ob mein Klingeln Spuren hinterlassen hätte, perlten die Tropfen über die samtene Surferhaut seines muskulösen Bauches hinab unter das Tuch.
Jetzt bloss nichts falsch machen, dachte ich. Es ist ganz normal, dass ein junger Mann ab und zu mal duscht. Er kann unmöglich die ganze Zeit gewartet haben, bis dir der Zucker ausging. Also schaute ich, um nichts verkehrt zu machen, schön geradeaus direkt in sein Gesicht.
Wieder einmal bemerkte ich, dass sich in seinem Antlitz mit den rosig glühenden Wangen und dem furchtlosen Mund, die strahlend blauen Berghimmel der Alpen mit den kühn geschwungenen Wellen vor Maui aufs harmonischste vereinten. Selbst sein Beachboy-Blick wirkte nicht einstudiert.
Kurzum: Ein Prachtbursche, in dessen Wesen sich die zähe und ungeheuer freundliche Natur seiner Berner Oberländer Vorfahren unter dem Einfluss der Hawaiianischen Brandung aufs Beste entfaltet hatte.
Obwohl ich in Gedanken an der Frage hängen blieb, ob seine Haut wohl immer noch nach Salz schmeckt, hielt ich ihm tapfer meine Zuckerdose entgegen und fragte ganz unbeirrt: “Mir ist der Zucker ausgegangen, hättest du mir vielleicht...?”
“Ja natürlich, klar, ich hole Dir welchen,” unterbrach er mich hilfsbereit und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich seufzte still. Aber wie sollte er das spüren, er, der nur die eine Welle kannte und nichts von ihren Spielarten wusste. Wie höflich man doch an den gut gemeinten Abenteuern des Lebens vorbei schlittert, sinnierte ich. Andererseits - es ist Winter und bestimmt nicht mal für einen Surfergott ein Zuckerschlecken in ein Handtuch gewickelt mit seiner Nachbarin auf dem eisigen Flur zu schäkern.
Und während der Liebe in seiner Küche das Beste gab, um sozusagen meine Zuckerdose zu füllen, liefen in meinem Kopf sekundenschnelle Szenarien aus der Cinemathek der Möglichkeiten ab.
Szenario Nr. 1:
Er: “Ich wollte gerade duschen, komm ruhig rein!”
Das Tuch um die Hüfte löst sich wie von selbst und der Rest ergibt sich.
Szenario Nr. 2:
Sie: “Ach du bist gerade am duschen! Ich habe eben den ganzen Zucker über mich verschüttet. Vielleicht könnte ich ja bei dir schnell unter die Dusche schlüpfen? Bei mir kommt nur kaltes Wasser.“
Auch hier ergibt sich der Rest wie von selbst, mit dem kleinen Unterschied, dass sich diesmal nicht sein Tuch, sondern der Gürtel ihres mit Drachen bestickten kurzen Seidenkimonos löst.
Die Kamera zoomt auf den Drachen, der langsam von der Schulter rutscht, während sie in ihren hohen Schlärpchen über die Schwelle stöckelt. Die letzte Einstellung zeigt die Absatzspitze, mit der sie kokett die Tür antippt, welche mit einem viel versprechenden Klicken ins Schloss fällt.
Doch bedenken Sie liebe Zuschauer, wir leben in Bern und es ist Winter. Vielleicht deshalb oder weil die besten Filme im Kopf gedreht werden, kam der fixe Nachbar mit einem sachlichen Lachen zurück an die Tür und streckte mir ein viereckiges, klobiges Paket entgegen. “Hier bitte! Behalte ruhig das ganze Paket” meinte er grosszügig und ergreifend unschuldig.
Das von den starken Händen straff verknotete Tuch blieb wie verhext unverrückbar auf seinen sonnengebräunten Hüften liegen, selbst als er mir die Zuckertüte schwungvoll überreichte. Und ich gestehe auch, dass ich natürlich keinen Drachen auf der Schulter trug und alles was rutschte waren meine eiskalten Füsse auf dem feuchten Fliesenboden unseres Altbau Flures.
So kehrte ich in meine Wohnung zurück und widmete mich meiner sehnsüchtigen Zuckerdose, in Gedanken noch eine Weile verweilend bei dem unglaublichen Rest, der sich wie von selbst ergibt.
Jetzt bloss nichts falsch machen, dachte ich. Es ist ganz normal, dass ein junger Mann ab und zu mal duscht. Er kann unmöglich die ganze Zeit gewartet haben, bis dir der Zucker ausging. Also schaute ich, um nichts verkehrt zu machen, schön geradeaus direkt in sein Gesicht.
Wieder einmal bemerkte ich, dass sich in seinem Antlitz mit den rosig glühenden Wangen und dem furchtlosen Mund, die strahlend blauen Berghimmel der Alpen mit den kühn geschwungenen Wellen vor Maui aufs harmonischste vereinten. Selbst sein Beachboy-Blick wirkte nicht einstudiert.
Kurzum: Ein Prachtbursche, in dessen Wesen sich die zähe und ungeheuer freundliche Natur seiner Berner Oberländer Vorfahren unter dem Einfluss der Hawaiianischen Brandung aufs Beste entfaltet hatte.
Obwohl ich in Gedanken an der Frage hängen blieb, ob seine Haut wohl immer noch nach Salz schmeckt, hielt ich ihm tapfer meine Zuckerdose entgegen und fragte ganz unbeirrt: “Mir ist der Zucker ausgegangen, hättest du mir vielleicht...?”
“Ja natürlich, klar, ich hole Dir welchen,” unterbrach er mich hilfsbereit und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich seufzte still. Aber wie sollte er das spüren, er, der nur die eine Welle kannte und nichts von ihren Spielarten wusste. Wie höflich man doch an den gut gemeinten Abenteuern des Lebens vorbei schlittert, sinnierte ich. Andererseits - es ist Winter und bestimmt nicht mal für einen Surfergott ein Zuckerschlecken in ein Handtuch gewickelt mit seiner Nachbarin auf dem eisigen Flur zu schäkern.
Und während der Liebe in seiner Küche das Beste gab, um sozusagen meine Zuckerdose zu füllen, liefen in meinem Kopf sekundenschnelle Szenarien aus der Cinemathek der Möglichkeiten ab.
Szenario Nr. 1:
Er: “Ich wollte gerade duschen, komm ruhig rein!”
Das Tuch um die Hüfte löst sich wie von selbst und der Rest ergibt sich.
Szenario Nr. 2:
Sie: “Ach du bist gerade am duschen! Ich habe eben den ganzen Zucker über mich verschüttet. Vielleicht könnte ich ja bei dir schnell unter die Dusche schlüpfen? Bei mir kommt nur kaltes Wasser.“
Auch hier ergibt sich der Rest wie von selbst, mit dem kleinen Unterschied, dass sich diesmal nicht sein Tuch, sondern der Gürtel ihres mit Drachen bestickten kurzen Seidenkimonos löst.
Die Kamera zoomt auf den Drachen, der langsam von der Schulter rutscht, während sie in ihren hohen Schlärpchen über die Schwelle stöckelt. Die letzte Einstellung zeigt die Absatzspitze, mit der sie kokett die Tür antippt, welche mit einem viel versprechenden Klicken ins Schloss fällt.
Doch bedenken Sie liebe Zuschauer, wir leben in Bern und es ist Winter. Vielleicht deshalb oder weil die besten Filme im Kopf gedreht werden, kam der fixe Nachbar mit einem sachlichen Lachen zurück an die Tür und streckte mir ein viereckiges, klobiges Paket entgegen. “Hier bitte! Behalte ruhig das ganze Paket” meinte er grosszügig und ergreifend unschuldig.
Das von den starken Händen straff verknotete Tuch blieb wie verhext unverrückbar auf seinen sonnengebräunten Hüften liegen, selbst als er mir die Zuckertüte schwungvoll überreichte. Und ich gestehe auch, dass ich natürlich keinen Drachen auf der Schulter trug und alles was rutschte waren meine eiskalten Füsse auf dem feuchten Fliesenboden unseres Altbau Flures.
So kehrte ich in meine Wohnung zurück und widmete mich meiner sehnsüchtigen Zuckerdose, in Gedanken noch eine Weile verweilend bei dem unglaublichen Rest, der sich wie von selbst ergibt.
13.01.06
Après-Ski
Überlege mir, ob ich nächste Woche in die Berge fahre, um mit dem Rauchen aufzuhören, mit dem Wunder vollbringenden Buch „Endlich Nichtraucher!“ im Gepäck. Von mir aus in ein Berghotel, weit weg von allen Gewohnheiten, und allen Menschen, die ich nicht mehr ausstehen könnte.
Morgens dann auf den Balkon treten und die frische Bergluft tief und rasselfrei einatmen, mit Blick auf das Schreckhorn oder das Faulhorn oder wie die alle heissen. Und jeden Tag einen Dreitausender besteigen, um mich gut und extrem fit zu fühlen, und abends, bevor Langeweile aufkommt, vielleicht einen lustigen Snowboarder in der Après-Ski Bar finden, der mich auch nachts auf andere Gedanken bringt, das wär’ doch was!
Morgens dann auf den Balkon treten und die frische Bergluft tief und rasselfrei einatmen, mit Blick auf das Schreckhorn oder das Faulhorn oder wie die alle heissen. Und jeden Tag einen Dreitausender besteigen, um mich gut und extrem fit zu fühlen, und abends, bevor Langeweile aufkommt, vielleicht einen lustigen Snowboarder in der Après-Ski Bar finden, der mich auch nachts auf andere Gedanken bringt, das wär’ doch was!
12.01.06
Nässen Sie sich bitte nicht!
Redewendungen, die mir nicht geläufig sind, und bei denen ich immer hängen bleibe, weil sie mir so wunderlich vorkommen:
„Ich hab mich beinahe nass gemacht!“
Und dann male ich mir das peinliche Missgeschick aus und verpasse den Rest der Erzählung.
Wobei ich mir das lieber gar nicht so genau vorstellen möchte.
Und was bedeutet es eigentlich? Panik? Aufregung? Lachanfall mit Blasenschwäche?
Und eigentlich möchte ich es auch gar nicht so genau wissen. Es gefällt mir nicht. Basta!
Vermutlich ist es nicht wörtlich gemeint, wie zum Beispiel auch:
„Das geht mir auf den Sack!“
Was dann eher Männer sagen. Genauer: „Deine Nörgelei geht mir auf den Sack!“ Wobei das schon wörtlich genommen werden kann.
„Ich hab mich beinahe nass gemacht!“
Und dann male ich mir das peinliche Missgeschick aus und verpasse den Rest der Erzählung.
Wobei ich mir das lieber gar nicht so genau vorstellen möchte.
Und was bedeutet es eigentlich? Panik? Aufregung? Lachanfall mit Blasenschwäche?
Und eigentlich möchte ich es auch gar nicht so genau wissen. Es gefällt mir nicht. Basta!
Vermutlich ist es nicht wörtlich gemeint, wie zum Beispiel auch:
„Das geht mir auf den Sack!“
Was dann eher Männer sagen. Genauer: „Deine Nörgelei geht mir auf den Sack!“ Wobei das schon wörtlich genommen werden kann.
11.01.06
03.01.06
Cordon bleu
Der Internet Himmel ist voll von umher schwebenden Gedanken, die eine Landebahn suchen. Blogs sind mögliche Landebahnen. Aber das Bloggen hindert die Gedanken daran, sich als Taten zu inkarnieren. Das Wort wird nicht Fleisch. Es wird eine fleischartige Komposition in einer Scheinwelt. Ein himmelblaues Cordon bleu.
Denjenigen, die mit mir auf dem von Hirschen gezogenen Schlitten durch die Winterlandschaft fahren, vertraue ich gerne an, wann Gedanken Wirklichkeit werden:
Nämlich –
Wenn ich ein Buch schreibe.
Wenn ich einem Freund einen Brief schreibe.
Auch ein Gespräch unter Freunden ist eine reale Landebahn der Wirklichkeit.
Warum also schreibe ich einen Blog?
Es ist meine Landebahn für überschäumende Gedanken, die weder in ein Buch noch in Briefe passen. Es ist der Schaum, der überschwappt, wie beim Champagner, wenn wieder einmal zu grosszügig ausgeschenkt wurde.
Nachsatz:
Nehmt es als gutes Zeichen, wenn ich hier lange nicht schreibe, denn dann wisst ihr, dass sich meine Gedanken in Taten inkarnieren.
Andererseits ist es auch kein schlechtes Zeichen, wenn der Schaum meiner Gedanken auf eurer Zunge perlt,
während ihr den schwer beladenen Flugzeugen zuschaut, wie sie auf der hübsch beleuchteten Landebahn dieses imaginären Flughafens aufsetzen.
Denjenigen, die mit mir auf dem von Hirschen gezogenen Schlitten durch die Winterlandschaft fahren, vertraue ich gerne an, wann Gedanken Wirklichkeit werden:
Nämlich –
Wenn ich ein Buch schreibe.
Wenn ich einem Freund einen Brief schreibe.
Auch ein Gespräch unter Freunden ist eine reale Landebahn der Wirklichkeit.
Warum also schreibe ich einen Blog?
Es ist meine Landebahn für überschäumende Gedanken, die weder in ein Buch noch in Briefe passen. Es ist der Schaum, der überschwappt, wie beim Champagner, wenn wieder einmal zu grosszügig ausgeschenkt wurde.
Nachsatz:
Nehmt es als gutes Zeichen, wenn ich hier lange nicht schreibe, denn dann wisst ihr, dass sich meine Gedanken in Taten inkarnieren.
Andererseits ist es auch kein schlechtes Zeichen, wenn der Schaum meiner Gedanken auf eurer Zunge perlt,
während ihr den schwer beladenen Flugzeugen zuschaut, wie sie auf der hübsch beleuchteten Landebahn dieses imaginären Flughafens aufsetzen.
31.12.05
Kleine Feigheiten
Wie ist das für einen Mann, der gerade dabei ist sich in mich zu verlieben, wenn ich ihm sage: „Verlieb dich bloss nicht in mich!“
Und das, nachdem wir zwei Stunden lang über alles geredet haben, nur nicht über die Wirklichkeit, die nämlich ist: Du interessierst mich nicht, ich will dich gar nicht kennen lernen, du bist mir zu schmierig, zu dumpf, du langweilst mich, du langweilst mich so sehr, dass ich den jungen Kerl am Nachbartisch beobachte, wie er beim sprechen schmunzelt und ich mir vorstelle, wie er auch beim vögeln spricht... Das wollte ich eigentlich sagen. Darum sassen wir in dieser Lounge Bar und tranken Prosecco auf dunkelblauen Ledersofas. Um das zu klären. Aber wir redeten über alles andere.
Was man so redet, wenn dem einen lieblich ums Herz ist und der andere den richtigen Moment abwartet, um das heiss pochende Herz zu durchstechen. Über Musik und Schlangenlederriemchensandaletten, Prager Nächte und Japanische Sake Becher, in denen kleine nackte Frauenbilder erscheinen, wenn sie mit Sake gefüllt sind, und Starka, dieser in Eichenfässer gelagerte Wodka, den ich schon seit Ewigkeiten suche. So liebliche Sachen. Ich sprach die ganze Zeit. Er war nur wortlos. Und verliebte sich.
Und dann im Auto, weil der richtige Moment eh nie kam, kurz vor dem Bahnhof also: „Verlieb dich bloss nicht in mich!“
„Klar. Abgemacht!“ sagte er gefasst und kriegte den zweiten Gang nicht rein. Dann schwieg er und verschaltete sich noch dreimal bis zum Bahnhof.
Ich stieg mit einem beschissenen Gefühl aus. Was hätte ich sagen sollen? Wie sagt man einem Mann, dass man nichts von ihm will? Weil er zu schmierig ist.
Wahrscheinlich stellt sich jetzt jeder etwas anderes unter einem schmierigen Kerl vor. Also ich meine nicht Schleimer.
Ich beschreibe am besten, was ich meine:
Ein schmieriger Kerl trägt ein lilafarbenes Hemd oder noch schlimmer, ein violettes. Eine schwarze Lederjacke. Er ist zu mager. Er ist blass wie eine gotische Elfe. Und sieht insgesamt kränklich aus. Er hüstelt. Er trägt eine violett gerahmte, rechteckige, schmale Brille. Er raucht Zigaretten mit weissen Filtern. Hält sie zwischen Zeige- und Ringfinger. Sein Blick ist gesenkt, wenn er spricht. Am Daumen steckt ein breiter Silberring. Er riecht nach Weihrauch. Er schwitzt ein wenig am Hals und an den Schläfen. Die kleinen Schweissperlchen erinnern mich an Krötensekret. Ich überlege immer noch, warum ich schmierig gesagt habe. Es ist mir so eingefallen.
Und das, nachdem wir zwei Stunden lang über alles geredet haben, nur nicht über die Wirklichkeit, die nämlich ist: Du interessierst mich nicht, ich will dich gar nicht kennen lernen, du bist mir zu schmierig, zu dumpf, du langweilst mich, du langweilst mich so sehr, dass ich den jungen Kerl am Nachbartisch beobachte, wie er beim sprechen schmunzelt und ich mir vorstelle, wie er auch beim vögeln spricht... Das wollte ich eigentlich sagen. Darum sassen wir in dieser Lounge Bar und tranken Prosecco auf dunkelblauen Ledersofas. Um das zu klären. Aber wir redeten über alles andere.
Was man so redet, wenn dem einen lieblich ums Herz ist und der andere den richtigen Moment abwartet, um das heiss pochende Herz zu durchstechen. Über Musik und Schlangenlederriemchensandaletten, Prager Nächte und Japanische Sake Becher, in denen kleine nackte Frauenbilder erscheinen, wenn sie mit Sake gefüllt sind, und Starka, dieser in Eichenfässer gelagerte Wodka, den ich schon seit Ewigkeiten suche. So liebliche Sachen. Ich sprach die ganze Zeit. Er war nur wortlos. Und verliebte sich.
Und dann im Auto, weil der richtige Moment eh nie kam, kurz vor dem Bahnhof also: „Verlieb dich bloss nicht in mich!“
„Klar. Abgemacht!“ sagte er gefasst und kriegte den zweiten Gang nicht rein. Dann schwieg er und verschaltete sich noch dreimal bis zum Bahnhof.
Ich stieg mit einem beschissenen Gefühl aus. Was hätte ich sagen sollen? Wie sagt man einem Mann, dass man nichts von ihm will? Weil er zu schmierig ist.
Wahrscheinlich stellt sich jetzt jeder etwas anderes unter einem schmierigen Kerl vor. Also ich meine nicht Schleimer.
Ich beschreibe am besten, was ich meine:
Ein schmieriger Kerl trägt ein lilafarbenes Hemd oder noch schlimmer, ein violettes. Eine schwarze Lederjacke. Er ist zu mager. Er ist blass wie eine gotische Elfe. Und sieht insgesamt kränklich aus. Er hüstelt. Er trägt eine violett gerahmte, rechteckige, schmale Brille. Er raucht Zigaretten mit weissen Filtern. Hält sie zwischen Zeige- und Ringfinger. Sein Blick ist gesenkt, wenn er spricht. Am Daumen steckt ein breiter Silberring. Er riecht nach Weihrauch. Er schwitzt ein wenig am Hals und an den Schläfen. Die kleinen Schweissperlchen erinnern mich an Krötensekret. Ich überlege immer noch, warum ich schmierig gesagt habe. Es ist mir so eingefallen.
21.12.05
Verschneite, stumme Winterwelt
Rückzug in die Berge,
eingehüllt in Erinnerungen, wie dicke Felle, in die ich mich verkrieche.
Gedanken sind vielleicht manchmal zu wenig materiell. So was felliges um die Phantasie zu transportieren ist doch manchmal gut!
eingehüllt in Erinnerungen, wie dicke Felle, in die ich mich verkrieche.
Gedanken sind vielleicht manchmal zu wenig materiell. So was felliges um die Phantasie zu transportieren ist doch manchmal gut!
17.12.05
16.12.05
Die Welt träumen
Besuch aus Berlin:
Er: „Es kommt mir so vor, als würden in der Schweiz nur Zombies und Wichser leben.“
Ich: „Du hast dich auch schon gewählter ausgedrückt, mein Lieber!“
Er: „Also, um es genau gewählt ausgedrückter zu sagen: Hier lebt eine Brut von Zombies und eine Horde von Wichsern.“
Ich: „Wichser gibt es überall.“
Er: „Aber nicht persönlichkeitslose, verwöhnte, ignorante Wichser.“
Ich: „Warum kommst du dann in die Schweiz?“
Er: „Wegen dir natürlich! Um mich bei dir auszuruhen, meinen Kopf auf deine Brust zu legen und zu träumen. Wie Gott Shiva, der auf einem hohen Berg seinen Kopf auf Parvatis Schoss legte und die Welt träumte.“
Er: „Es kommt mir so vor, als würden in der Schweiz nur Zombies und Wichser leben.“
Ich: „Du hast dich auch schon gewählter ausgedrückt, mein Lieber!“
Er: „Also, um es genau gewählt ausgedrückter zu sagen: Hier lebt eine Brut von Zombies und eine Horde von Wichsern.“
Ich: „Wichser gibt es überall.“
Er: „Aber nicht persönlichkeitslose, verwöhnte, ignorante Wichser.“
Ich: „Warum kommst du dann in die Schweiz?“
Er: „Wegen dir natürlich! Um mich bei dir auszuruhen, meinen Kopf auf deine Brust zu legen und zu träumen. Wie Gott Shiva, der auf einem hohen Berg seinen Kopf auf Parvatis Schoss legte und die Welt träumte.“
13.12.05
11.12.05
Charmante Kompagnie
Tanja hat nun einen neuen Freund.
Gestern Abend hat sie ihn mir vorgestellt.
Kurt, ein lieber, lieber, lieber Kerl, sagt sie.
Das ist er auch. Er hilft ihr in den Mantel und zündet jede Zigarette an.
Er umschlingt sie beim Tanzen von hinten und faltet seine Hände über ihrem Bauch.
Er steht auch an der Bar gern hinter ihr, kuschelt sein Gesicht an ihre Wange und tuschelt zärtlich in ihr Ohr.
Er hält ihr jede Tür auf.
Er wärmt reibend ihre kalten Hände in den seinen.
Er streicht ihr beim Reden mit der Hand über den Rücken.
Ich frage mich, wie das für mich wäre, wenn mir ein Mann den Rücken streichelt während er redet.
Der Gedanke lässt mich schaudern, aber ich komme nicht dahinter, warum.
Ich habe den Rest der Nacht mit Andrej verbracht.
Andrej tauchte plötzlich auf, und ich war froh, dass er das in dem Moment tat, als Kurt Tanja küsste.
Er begleitete mich von einer Bar zur nächsten und ich fand seine Anwesenheit sehr charmant.
„Ich wohne gleich hier um die Ecke“ sagte er. „Du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“
Natürlich wollte ich. Was gibt es angenehmeres, als ein Mann, der mir nach einer langen Nacht auch im Bett noch Kompagnie leisten will.
„Ich bin zu müde und zu betrunken um noch Sex mit dir zu haben“ sagte ich ihm.
„Ich auch“ schmunzelte er.
Ihr denkt jetzt:
Das geht sowieso nicht. Man will keinen Sex, ist aber so geil aufeinander wie nie, liegt brav aneinander geschmiegt, will nicht, aber das Herz rast, man will irgendwie doch. Wie soll man schlafen, wenn die Hand auf dem Busen liegt, der Ständer nicht nachlässt.
Man pulsiert ein paar Stunden so schlaflos und geil nebeneinander bis man aus irgendeinem Impuls heraus heftig übereinander herfällt, und sich dann doch mit einem kurzen und erlösenden Fick endlich den ersehnten Schlaf ermöglicht. Dabei wollte man gar nicht. Wir alle wissen, wie man sich danach fühlt.
Aber es geht doch.
Möglicherweise ist das eine Alterserscheinung, aber der Genuss von charmanter Kompagnie im Bett, die sich gut und warm und irgendwie vertraut anfühlt war tatsächlich alles was ich wollte. Selbst Herzklopfen und Ständer (und irgendwie war ich Andrej dankbar, dass er einen hatte) und feuchte Möse und das Ganze Drum und Dran wurde zu einem so vertrauten und lieb gewonnenen Gefühl, dass es beruhigend und einschläfernd wirkte.
Mein letzter Gedanken vor dem Einschlafen war: Genau so ist es gut.
Gestern Abend hat sie ihn mir vorgestellt.
Kurt, ein lieber, lieber, lieber Kerl, sagt sie.
Das ist er auch. Er hilft ihr in den Mantel und zündet jede Zigarette an.
Er umschlingt sie beim Tanzen von hinten und faltet seine Hände über ihrem Bauch.
Er steht auch an der Bar gern hinter ihr, kuschelt sein Gesicht an ihre Wange und tuschelt zärtlich in ihr Ohr.
Er hält ihr jede Tür auf.
Er wärmt reibend ihre kalten Hände in den seinen.
Er streicht ihr beim Reden mit der Hand über den Rücken.
Ich frage mich, wie das für mich wäre, wenn mir ein Mann den Rücken streichelt während er redet.
Der Gedanke lässt mich schaudern, aber ich komme nicht dahinter, warum.
Ich habe den Rest der Nacht mit Andrej verbracht.
Andrej tauchte plötzlich auf, und ich war froh, dass er das in dem Moment tat, als Kurt Tanja küsste.
Er begleitete mich von einer Bar zur nächsten und ich fand seine Anwesenheit sehr charmant.
„Ich wohne gleich hier um die Ecke“ sagte er. „Du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“
Natürlich wollte ich. Was gibt es angenehmeres, als ein Mann, der mir nach einer langen Nacht auch im Bett noch Kompagnie leisten will.
„Ich bin zu müde und zu betrunken um noch Sex mit dir zu haben“ sagte ich ihm.
„Ich auch“ schmunzelte er.
Ihr denkt jetzt:
Das geht sowieso nicht. Man will keinen Sex, ist aber so geil aufeinander wie nie, liegt brav aneinander geschmiegt, will nicht, aber das Herz rast, man will irgendwie doch. Wie soll man schlafen, wenn die Hand auf dem Busen liegt, der Ständer nicht nachlässt.
Man pulsiert ein paar Stunden so schlaflos und geil nebeneinander bis man aus irgendeinem Impuls heraus heftig übereinander herfällt, und sich dann doch mit einem kurzen und erlösenden Fick endlich den ersehnten Schlaf ermöglicht. Dabei wollte man gar nicht. Wir alle wissen, wie man sich danach fühlt.
Aber es geht doch.
Möglicherweise ist das eine Alterserscheinung, aber der Genuss von charmanter Kompagnie im Bett, die sich gut und warm und irgendwie vertraut anfühlt war tatsächlich alles was ich wollte. Selbst Herzklopfen und Ständer (und irgendwie war ich Andrej dankbar, dass er einen hatte) und feuchte Möse und das Ganze Drum und Dran wurde zu einem so vertrauten und lieb gewonnenen Gefühl, dass es beruhigend und einschläfernd wirkte.
Mein letzter Gedanken vor dem Einschlafen war: Genau so ist es gut.
10.12.05
Tampons
Wenn Freundinnen über Tampons reden:
„Benützt du eigentlich Tampons oder Tampax?“
„Tampons. Und du?“
„Tampax. Ich finde diese Einführhülsen praktisch.“
„Ich verstehe nicht warum man eine Einführhilfe braucht. Um sich die Finger nicht schmutzig zu machen?
„Nein umgekehrt: Ich hab oft schmutzige Hände. Dann ist das hygienischer mit den Hülsen.“
„Du kannst ja vorher deine Hände waschen!“
„Nein, manchmal klebt da Leim und so hartnäckiges Zeugs an den Fingern.“
„Ich mag trotzdem lieber Tampons. Ich stecke meinen Finger gern in die Möse.“
„Benützt du eigentlich Tampons oder Tampax?“
„Tampons. Und du?“
„Tampax. Ich finde diese Einführhülsen praktisch.“
„Ich verstehe nicht warum man eine Einführhilfe braucht. Um sich die Finger nicht schmutzig zu machen?
„Nein umgekehrt: Ich hab oft schmutzige Hände. Dann ist das hygienischer mit den Hülsen.“
„Du kannst ja vorher deine Hände waschen!“
„Nein, manchmal klebt da Leim und so hartnäckiges Zeugs an den Fingern.“
„Ich mag trotzdem lieber Tampons. Ich stecke meinen Finger gern in die Möse.“
09.12.05
08.12.05
PMS
Dieser für einen Mann nachvollziehbar schwerst zu beschreibendste Zustand, (der Hang zur Komplikation und Dramatisierung ist schon mal bezeichnend)...
Ich geb’s auf. Schreibe meinen Erklärungsversuch besser postmenstruell weiter.
Dabei sind es nur kleine Hormonteufelchen, die in mir herumspuken.
Ich geb’s auf. Schreibe meinen Erklärungsversuch besser postmenstruell weiter.
Dabei sind es nur kleine Hormonteufelchen, die in mir herumspuken.
06.12.05
Samichlaus
Als ich noch an den Nikolaus glaubte, versteckte ich mich schnell hinter der Tür, als ich sein Glöcklein klingeln hörte. Ich hatte Angst.
Da stand ich nun, an die Wand gedrückt und hatte meinen gestrickten Kuschelaffen nicht dabei. Ich griff mir stattdessen flugs einen anderen Gegenstand, den ich fest umklammern konnte. Dummerweise war es ein Klammerapparat, aber ich kannte das Gerät damals noch nicht. Ich drückte solange nervös drauf rum, bis plötzlich eine Heftklammer in meinem Finger steckte. Tief drin. Es tat höllisch weh. Es blutete saumässig Aber ich unterdrückte meinen Schrei und meine Tränen.
Nie, niemals hätte ich mein Versteck verraten.
Da stand ich nun, an die Wand gedrückt und hatte meinen gestrickten Kuschelaffen nicht dabei. Ich griff mir stattdessen flugs einen anderen Gegenstand, den ich fest umklammern konnte. Dummerweise war es ein Klammerapparat, aber ich kannte das Gerät damals noch nicht. Ich drückte solange nervös drauf rum, bis plötzlich eine Heftklammer in meinem Finger steckte. Tief drin. Es tat höllisch weh. Es blutete saumässig Aber ich unterdrückte meinen Schrei und meine Tränen.
Nie, niemals hätte ich mein Versteck verraten.
05.12.05
Single par excellence
Wir sprachen über Männer und Sex wie immer.
Manu erzählte mir von ihren letzten Affären,
dem prächtigen Ungaren, der wie ein Gott vögelte,
und von den zwei Spaniern, die so jung waren und wild.
Ich erblasste ein wenig vor Neid.
„Aber weisst du“ sagte sie,
„Affären sind - selbst wenn der Sex jedes Mal unübertreffbar gut ist-
gar nicht was ich wirklich will.
Ich will im Grunde geliebt werden.“
Sie, die sich und allen Menschen vierzig Jahre lang bewiesen hat,
dass sie es nicht nötig hat, geliebt zu werden,
von klein auf nie geliebt worden ist
und bestens damit klarkommt.
Wie keine andere.
Die Singlefrau par excellence.
Sie also auch.
„Aber“ fuhr sie fort, „ich halte keine Beziehung länger als drei Jahre aus.
Und drei Jahre waren’s eigentlich auch nur ein Mal,
weil ich ein Baby gekriegt habe,
was das Ganze etwas hinauszögerte.“
Und ich, die aus purer Verschwendung heraus
es vorziehe Affären zu haben,
und vorgebe es aus Rücksicht zu tun,
um keine Männer zu verletzen,
Männer, die vorgeben nur Sex zu wollen
und im Grunde
auch nur geliebt werden wollen,
ich will im Grunde
lieben.
Manu erzählte mir von ihren letzten Affären,
dem prächtigen Ungaren, der wie ein Gott vögelte,
und von den zwei Spaniern, die so jung waren und wild.
Ich erblasste ein wenig vor Neid.
„Aber weisst du“ sagte sie,
„Affären sind - selbst wenn der Sex jedes Mal unübertreffbar gut ist-
gar nicht was ich wirklich will.
Ich will im Grunde geliebt werden.“
Sie, die sich und allen Menschen vierzig Jahre lang bewiesen hat,
dass sie es nicht nötig hat, geliebt zu werden,
von klein auf nie geliebt worden ist
und bestens damit klarkommt.
Wie keine andere.
Die Singlefrau par excellence.
Sie also auch.
„Aber“ fuhr sie fort, „ich halte keine Beziehung länger als drei Jahre aus.
Und drei Jahre waren’s eigentlich auch nur ein Mal,
weil ich ein Baby gekriegt habe,
was das Ganze etwas hinauszögerte.“
Und ich, die aus purer Verschwendung heraus
es vorziehe Affären zu haben,
und vorgebe es aus Rücksicht zu tun,
um keine Männer zu verletzen,
Männer, die vorgeben nur Sex zu wollen
und im Grunde
auch nur geliebt werden wollen,
ich will im Grunde
lieben.
04.12.05
Psychologisieren Sie bitte nicht!
Gespräch heute Morgen mit meiner Mitbewohnerin:
Sie: „Warum magst du ihn nicht? Ich dachte du stehst auf Journalisten.“
Ich: „Das habe ich nie gesagt. Wie kommst du darauf?“
Sie: „Du hast doch eine Schwäche für Männer, die Geschichten erzählen können.“
Ich: „Eben. Geschichten. Und nicht, dass es gerade Kult ist, Kunstblumen gaaaanz toll zu finden.“
Sie: „Aber unterhaltsam ist er. Wenn er wie eine Tunte...“
Ich: „Vergiss es! Er spielt doch nur so perfekt die Tunten Show, weil er seine wahren Gefühle nicht zeigen kann. Er ist nicht authentisch. Er sprach die ganze Zeit so massentauglich zurechtgetextet.“
Sie: „Ich kenne da noch einen Psychologen. Soll ich den mal zum Abendessen einladen?
Lachen.
Sie: „Warum magst du ihn nicht? Ich dachte du stehst auf Journalisten.“
Ich: „Das habe ich nie gesagt. Wie kommst du darauf?“
Sie: „Du hast doch eine Schwäche für Männer, die Geschichten erzählen können.“
Ich: „Eben. Geschichten. Und nicht, dass es gerade Kult ist, Kunstblumen gaaaanz toll zu finden.“
Sie: „Aber unterhaltsam ist er. Wenn er wie eine Tunte...“
Ich: „Vergiss es! Er spielt doch nur so perfekt die Tunten Show, weil er seine wahren Gefühle nicht zeigen kann. Er ist nicht authentisch. Er sprach die ganze Zeit so massentauglich zurechtgetextet.“
Sie: „Ich kenne da noch einen Psychologen. Soll ich den mal zum Abendessen einladen?
Lachen.
03.12.05
Zuhälterisieren Sie bitte nicht!
Gestern Abend hat meine Mitbewohnerin, die junge, blonde Technikerstudentin, einen Journalisten der Berner Zeitung zum Abendessen eingeladen. Sie wollte mich verkuppeln.
Ich bin aber nicht darauf reingefallen.
Der Typ war aber auch so was von originell und unausstehlich. Er konnte zum Beispiel perfekt Tunten nachmachen, und ich merkte, dass er sich gewöhnt war damit die Leute zum Lachen zu bringen. Er konnte auch perfekt Zürcher Zuhälter nachmachen, was garantiert ein Brüller war bei jungen Mädchen.
Ich fand es darum nicht komisch, weil er im Grunde gerne so cool wie ein Zürcher Zuhälter wäre, auch so hart und abgebrüht, aber er ist – wie die meisten wortgewandten und ach so kreativen Männer – ein inneres Sensibelchen.
Nun ja, ich mag innere Sensibelchen.
Aber ich mochte ihn nicht, weil er blondiert war und eine Kunstblume als Gastgeschenk mitbrachte. Und weil er sicher zehn wenn nicht zwanzig Mal das grässliche Wort „Kult“ sagte.
Ich zog mich also in mein Zimmer zurück und las meinen Murakami zu Ende.
Heute Morgen liegt eine BZ auf dem Küchentisch, zufällig liegen geblieben oder vergessen, damit mein Blick auf seinen Artikel fällt, den er in seinem bewährten zürcher-zuhälterischen Stil geschrieben hatte. Und ich stelle mir vor, wie er sich vorstellte, dass ich beim Lesen des Artikels bestimmt vor Bewunderung tief seufzen würde.
Ich bin aber nicht darauf reingefallen.
Der Typ war aber auch so was von originell und unausstehlich. Er konnte zum Beispiel perfekt Tunten nachmachen, und ich merkte, dass er sich gewöhnt war damit die Leute zum Lachen zu bringen. Er konnte auch perfekt Zürcher Zuhälter nachmachen, was garantiert ein Brüller war bei jungen Mädchen.
Ich fand es darum nicht komisch, weil er im Grunde gerne so cool wie ein Zürcher Zuhälter wäre, auch so hart und abgebrüht, aber er ist – wie die meisten wortgewandten und ach so kreativen Männer – ein inneres Sensibelchen.
Nun ja, ich mag innere Sensibelchen.
Aber ich mochte ihn nicht, weil er blondiert war und eine Kunstblume als Gastgeschenk mitbrachte. Und weil er sicher zehn wenn nicht zwanzig Mal das grässliche Wort „Kult“ sagte.
Ich zog mich also in mein Zimmer zurück und las meinen Murakami zu Ende.
Heute Morgen liegt eine BZ auf dem Küchentisch, zufällig liegen geblieben oder vergessen, damit mein Blick auf seinen Artikel fällt, den er in seinem bewährten zürcher-zuhälterischen Stil geschrieben hatte. Und ich stelle mir vor, wie er sich vorstellte, dass ich beim Lesen des Artikels bestimmt vor Bewunderung tief seufzen würde.
01.12.05
30.11.05
Altwerden
Eine alte Oma sagte mir mal:
„Kindchen, wenn du doppelt so alt wie deine Liebhaber wirst, dann wirst du alt.“
Tatsächlich ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass junge oder sehr junge Kerle auf mich abfahren. Sie sagen seltsame Dinge wie:
„Ich stehe auf reife Frauen wie dich.“
Das ist einerseits natürlich schmeichelhaft, andererseits auch lästig.
Es katapultiert mich in dieses ‚reife Damen’ Alter, das mich irgendwie an den Geruch von gelagerten, leicht faulenden Boskop Äpfeln im Keller erinnert.
„Kindchen, wenn du doppelt so alt wie deine Liebhaber wirst, dann wirst du alt.“
Tatsächlich ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass junge oder sehr junge Kerle auf mich abfahren. Sie sagen seltsame Dinge wie:
„Ich stehe auf reife Frauen wie dich.“
Das ist einerseits natürlich schmeichelhaft, andererseits auch lästig.
Es katapultiert mich in dieses ‚reife Damen’ Alter, das mich irgendwie an den Geruch von gelagerten, leicht faulenden Boskop Äpfeln im Keller erinnert.
29.11.05
Nachmittags im Lieblingssessel...
...mit Erinnerungen wie Tüten voller Zuckerschaumgebäcke, die Einsamkeit versüssen
27.11.05
Die Nostalgie ist ein Himmelskörper, der stärker strahlt als alle Planeten zusammen.
Der Mann verfällt zuweilen in einen Zustand tiefer Nostalgie, wenn er über die Liebe nachdenkt. Es ist, als käme er ohne Sehnsucht nicht aus. Immer auf der Suche nach Erfüllung. Unsterblichkeit. Ewigkeit.
Er ist infiziert mit tiefen Erinnerungen. Die Erinnerung an eine alte Liebe (tief tauchende sich umgarnende Seelen). Die Erinnerung an eine ferne Geliebte (tief berührenden, rauschigen Sex).
So verhindern Erinnerungen an ein Berührtsein beständig ein Sattsein in der Gegenwart.
Es geht also darum, mit der ewigen Sehnsucht des Mannes zu leben.
Und natürlich auch mit der eigenen.
Er ist infiziert mit tiefen Erinnerungen. Die Erinnerung an eine alte Liebe (tief tauchende sich umgarnende Seelen). Die Erinnerung an eine ferne Geliebte (tief berührenden, rauschigen Sex).
So verhindern Erinnerungen an ein Berührtsein beständig ein Sattsein in der Gegenwart.
Es geht also darum, mit der ewigen Sehnsucht des Mannes zu leben.
Und natürlich auch mit der eigenen.
26.11.05
Seit ich...
Seit ich im Museum für Anthropologie in Vancouver ein Kleid aus Lachshaut gesehen habe, wünsche ich mir so eins.
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