23.09.06

Die Einsamkeit eines sich drehenden Planeten oder damals, als Jungs mich umschweiften wie Kometen.

Apropos rudern fällt mir ein, dass ich eigentlich im Sommer einen Text über das Gummibootfahren auf der Aare schreiben wollte. Die rund 30 Kilometer von Thun nach Bern. Ja, wie klasse das ist, wollte ich schreiben.
Über das Gummiboot, das vor sich hin treibt und wie ein einsamer Planet langsam um sich selber kreist.
Und wie die Welt sich in Zeitlupe um mich dreht, und ich vor mich hin schaue ans Ufer, in den Himmel, ans andere Ufer.
Und dass ich ab und zu ins Wasser springe und eine Weile neben dem Boot schwimme, bis mir zu kalt wird. Dann ganz behutsam ins Boot zurücksteige um möglichst wenig Wasser mit ins Boot zu nehmen.
Und wie ich mich ganz dem Fliessen und Schaukeln und Drehen hingebe, und dass die Hingabe und das Gefühl von Schweben mich erregen.
Und ich mir vorstelle, wie entzückend es wäre im Gummiboot geküsst zu werden.
Und wie der Himmel sich plötzlich bewölkt, und die durchsichtig glitzernden Wellen auf einmal dicht und petrolfarben werden. Unheimlich. Ja genau, diese gefährliche Schönheit des tiefdunklen Wassers unter dem Petrolhimmel wollte ich beschreiben.
Und wie ich dann pinkeln muss, aber nicht mehr ins Wasser springen will, weil es zu kalt geworden ist. Und ich dann mit dem Hintern so weit wie möglich über den Rand hinaus rutsche und ihn leicht anhebe, mich seitlich am Bootsrand festhaltend. Und das Ufer dort Gott sei Dank menschenleer ist, und ich unerwartet beeindruckt von meiner erstklassigen Pinkelshow und gleichsam erleichtert bin, dass mich niemand beobachtet.
Zum Schluss wollte ich schreiben, wie ich mich langsam der Stadt nähere, und der Himmel wieder auf hellt. Und wie am Ufer nun vereinzelt Leute sitzen, die ein Feuer oder Yoga machen.
Und ich das Boot in die Mitte des Flusses rudere, weil eine Brücke auftaucht und ich nicht auf die Pfeiler zutreiben will. Und einige Jungs auf dem Brückengeländer bereit zum Springen stehen und mir zuwinken.
Und dann, als ich zurückschaue, sie wie Kometen von der Brücke mir hinterher springen.

Aber nun ist der Sommer vorbei. Und gute Geschichten brauchen manchmal viel Zeit.

1 Kommentar:

  1. Schöne Geschichte, die sich wirklich mal zu erzählen lohnt.

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