21.02.09

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KRAFT - LIEBE - MUT - MINKA

18.02.09

Meine neuen Arbeitskolleginnen

Meine neuen Arbeitskolleginnen haben immer noch einen Höllenrespekt vor mir. Ich kann machen, was ich will. Ich unterhalte mich mit ihnen sogar über Horoskope, Veganerei und Tantra-lala. Heute habe ich ihnen meine bewährte Massai-Kur ans Herz gelegt:
Blutkuchen zum Frühstück essen, und sich dann mit Rinderurin die Haare waschen.
Sie lieben mich insgeheim.

16.02.09

Meine neuen Nachbarn unten

Meine neuen Nachbarn unten teilen mir und der gesamten Schlaf suchenden Nachbarschaft nachts mit, dass Sex mit zunehmender Lautstärke besser wird. Ungefähr dann, wenn es ziemlich gut ist, wache ich für gewöhnlich auf. Sie tun es beharrlich und leider hochgradig variationslos. Oder zum Glück, denn es wäre undenkbar an Schlaf zu denken, würden sie sich laut keuchend die Schweinereien zuraunen, die ich mir zum Zeitvertreib für sie ausdenke. Aber so ziehe ich das Kissen über den Kopf und schlafe wieder ein.

15.02.09

Mein neuer Mitbewohner

Mein neuer Mitbewohner isst immer zuerst das alte Brot auf, bevor er das Neue anschneidet.
Ich mache das nie. Ich esse das frische Brot zuerst.
Er rührt es auch dann, wenn ich ihm auf einen Frühstückstischzettel schreibe: ‚Iss ruhig das frische Brot zuerst', nicht an, solange noch Altes da ist. Er hat seine Prinzipien.

17.01.09

Wie die Bilder von uns gehn

... Ein Kuss auf der Strasse, auf den Mund. Es machte mir nichts aus, dass die Leute schwatzend vorbeigingen und schauten, und ein stiller Passant schmunzelte. Es ging ein leichter Wind und ich wollte all dies. Ich wollte dieses schöne Bild.
Er hielt mich, locker, bequem in seinen Armen, und da war diese elektrische Spannung, dieses Knistern, kurz bevor unsere Münder sich berührten. Ich tastete mit den Lippen seinen Mund ab, seine Lippen fügten sich, warm und weich und duftend. Die Zungenspitzen suchten einander, meine Finger an seiner Wange. Unsere Zungen, die sich fanden, umeinander drehten, miteinander spielten, rauften und balgten und einander stupsten. Wie weich und warm sein Mund war. Herzklopfen. Unsere Körper näher, warm werdend, sehr warm, erregt und vergnügt und glücklich. Innerlich jubelnd. Genuss, Genuss überall. Ein Kuss ins Gefühl. Fühlen und gleichzeitig alles und nichts mehr wahrnehmen. Nur noch seine warmen Lippen auf meinem Mund, ganz drauf, und seine neugierige verwöhnsüchtige Zunge.
Raum und Zeit lösten sich auf in diesem Kuss, in dem soviel Leidenschaft, soviel Lust, soviel Gieren nach Köstlichkeit und Befriedigung lag...

12.01.09

Unterwegs 4

Und ich erinnere mich. Erinnere mich an die Zeit, als ich mit einer Schafherde unterwegs war, Winter für Winter. Es war eine Winterwanderung wie jetzt. Aber ich ging im Rhythmus der Tiere. Sie wollten bleiben und fressen. Und wenn die Weiden abgegrast waren, zogen wir weiter.
Seit ich sesshaft bin, reise ich. Ich reise, weil ich die Menschen und Gegenden sehen will, über die ich gelesen habe, von denen ich gehört habe, von denen ich geträumt habe. Ich war als Schäferin all die Jahre unbeweglich und träumte die Welt. Ich war immer bei der Herde. Der Rhythmus der Tiere war die eigentliche Bewegung.
Nomaden reisen nicht, sagt Gilles Deleuse (L'Abécédaire V comme voyage). Nomaden wollen auf ihrem Boden bleiben. Sie klammern sich an ihren Boden. Nichts ist unbeweglicher als ein Nomade, sagt er. Nichts reist weniger als ein Nomade. Sie sind Nomaden, weil sie nicht verlassen wollen. Ihr Boden verwüstet, weil sie sich daran festbeissen.
Deleuse fügt an, dass Leute reisen um ihren Vater zu finden.
(Das ist vermutlich der Beweggrund der meisten Globetrotter, die ich kenne. Sie reisen immer wieder.)
Die Frage ist, ob ein Leben ausreicht um das zu finden, wonach man sein ganzes Leben sucht.

10.01.09

Unterwegs 3



Ich gehe und frage mich. Frage mich, wie die Menschen leben. Wie man das Leben unter diesen und jenen Umständen ertragen kann. Frage mich beispielsweise auch, wie die Milchkontingentierung funktioniert. Oder wie man foie gras kocht, mit gedörrten Feigen und Rosinen.
Ich schaue, was mir begegnet und träume vor mich hin.


Frage mich, wie es wäre, wenn mein Traum plötzlich leibhaftig vor mir stünde. Die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung im Falle eines wahrgewordenen Traumes ist proportional zu der Zeit, die man damit verbracht hat sich in den Traum hineinzusteigern. Das habe ich irgendwo mal gelesen. Also ist Enttäuschung gleich Zeit mal Traum im Quadrat.
Ich erzähle mir Geschichten auf französisch.
Frage mich, wie man mit Tauben jagt.
Oder wie man Brieftauben dazu bringt, ein bestimmtes Ziel anzufliegen.
Frage mich, wie vin noir schmeckt.
Ganz oft begleitet mich eine Musik. Ein Lied.
Die ganze Zeit bin ich guten Mutes und geniesse das Alleinsein. Ich schaue hier und gucke dort. Und habe keine Sorgen. Die schöne Art zu leben. Das Alleinsein geniessen heisst, dass ich schöne Dinge sehe und schöne Gedanken habe und mir niemand wünsche, der das alles mit schön findet.

Unterwegs 2

Ich habe Glück. Es ist Winter und die Pilgerer sind nicht unterwegs. Die Herbergen sind leer. Seit drei Wochen habe ich unterwegs keine einzige Menschenseele angetroffen. Das ist enormes Glück. Und Gehen ist insgesamt gut für das Leben. Es bringt neue Ideen. Fokussiert. Ich kann es allen empfehlen mindestens 600 km am Stück zu gehen.
Es ist wichtig, dass Menschen Dinge erfahren.
"Erfahrung ist wertvoller als Einsicht" lese ich zufällig gerade hier in einer französischen Zeitschrift. Habe keine Bücher dabei und lese alles, was mir in die Hände kommt. Ein Essay von Gaétan Picon über Balthus. Gaétan, dieser Name... Erfahrungen sind wertvoll. Oder wie Coelho wahrscheinlich sagen würde: Man muss selber im Regen stehen um zu erfahren wie es ist, nass zu sein.
Der Vorteil des Pilgerweges ist, dass man alle zwanzig oder dreissig Kilometer auf eine Herberge trifft, die in dieser Jahreszeit zwar geschlossen ist, aber dann doch ein Bett bereithält. Der Nachteil ist, dass man die alten, einsamen und liebesbedürftigen Herbergsmütter, oder noch schlimmer, unglückliche Paare, die sich auf dem Pilgerweg getroffen und zusammen Pilgerherbergen eröffnet haben, und noch immer im Regen stehen und nur so triefen vor Lösungen, mit müden Ausreden abwimmeln muss.
Aber man kann auch der einzige Gast in Hotels wie diesem hier sein und mit der Besitzerin, einer kleinen, distinguierten alten Dame einen Armagnac trinken.

09.01.09

Unterwegs1

Unterwegs



Ich bin auf einen Pilgerweg geraten. Leider gibt es keine Spazierwege in Südfrankreich auf dem Land. Nur asphaltierte Strassen oder Schlammspuren. Franzosen fahren halsbrecherisch und nehmen keine Rücksicht auf Fussgänger. Also bleiben nur die Schlammwege, welche von Berlin, Paris, Wien und Rom in Südfrankreich gebündelt nach Spanien führen.

Nun sind Pilgerwege für viele Menschen bedenkenlos, aber für mich sind sie ein Gräuel. Ich mag keine Wege gehen, welche tausende von Sinn und sich selbst Suchenden gegangen sind. Horden von genussfeindlichen, angespannten, grauhaarigen, Tagebuch schreibenden, leidenden, religiösen oder kontaktgeilen, in eine Richtung strömenden Egoisten, die Zeichen suchen, und ihre Leere mit Lebensweisheiten, Sprüchen und Antworten füllen. Glauben Sie mir, was ich in Gästebüchern von Pilgerherbergen gelesen habe ist grauenhaft. Und alle bekommen von allen Antworten, auch wenn sie die Fragen nie kannten. Es ist, als würde man einen Paulo Coelho Roman lesen.
Ich habe es nie geschafft, einen Coelho zu lesen. Obwohl mir der Alchemist bestimmt zehn Mal geschenkt wurde. So sind die Leute: Sie lieben Lösungen. Es ist ein Buch voller Lösungen. Nach den drei ersten Abschnitten wurde mir so übel, dass ich es wegwerfen musste.

20.12.08

Bin auf Reisen

Beginne in Südfrankreich.
Bis Ende Januar.

Schöne Feste wünsche ich Ihnen.

19.12.08

...

Ich habe einen Monat Zeit und drei Optionen:
Erstens: Berlin. Berlin ist insgesamt unglaublich verlockend. Aber dort trinke ich zu viele Cocktails. Und nicht nur das: Ich schlafe nicht, ich tanze, küsse und gerate in Turbulenzen. Es schleudert mich durch alle gefühlten und verboten schönen Nächte. Danach kommen immer die Aufräumarbeiten. Ich muss Berlin meiden. Vergessen.
Vergessen kann ich Berlin nur, wenn ich mich verliebe. Verlieben kann man sich auch im Internet. Meine lesbische Kollegin hat im Internet ganz seriös eine wunderbare Freundin gefunden. “Seriös, Minka,” sagt sie, “da hüpft man nicht gleich beim ersten Date, so wie du dir das wahrscheinlich gewohnt bist, ins Bett.” Das sind wörtlich ihre Worte. Sie schätzt mich ganz falsch ein. Ich bin nicht so. Ich hüpfe nicht ins Bett. Ich lege mich aufs Bett, spreize die Beine und sage fick mich. Das Problem ist, dass ich keine Kreditkarte habe. Ohne Kreditkarte kann man im Internet keinen Mann kennen lernen. Ich meine einen seriösen Mann.
Fiona hat eine Kreditkarte und sucht gerade einen Mann für sich. Sie hat auch schon ein paar Männer für mich entdeckt. Zum Beispiel einen Account Manager, der zu 89 % zu mir passt. Diese Kongruenz sei phänomenal, sagt sie. Auf dem kleinen Foto lächelt ein rundes Gesicht mit Schnauz.
„Der sieht wie Papa Moll aus,“ sage ich und schlucke leer.
„Bei dieser Übereinstimmung kannst du ruhig über Äusserlichkeiten hinwegsehen,“ sagt sie. „Ich bin nie über 70 % matchingpoints gekommen.“
„Matching was?“
„Keine Ahnung, was das bedeutet,“ sagt sie.
„Oh when the saints, go matching in....“
„Es heisst marching in,“ sagt sie. Marching.
Marching ist auch genau die dritte Option. Ich marschiere los. Ich gehe auf Reisen. Am liebsten würde ich die Prinzeninseln vor Istanbul bereisen, oder nach Dänemark fahren, Rumänien wäre auch nach meinem Geschmack, aber es ist die falsche Jahreszeit dafür.
Südfrankreich? Da wäre es milder. Was mich auch reizen würde ist der Jurahöhenweg, von Basel nach Genf. Zu Fuss. Aber da liegt gerade so viel Schnee. Mal sehen.

17.12.08

Warum ich keine Träume erzähle

Ich träumte von einem Mann mit zwei Schwänzen. Es sah ganz und gar nicht abartig aus, im Gegenteil. Ich wusste, dass das manchmal vorkommt, also quasi normal ist, wie... Zwillinge. Diese verworrene, unfassbare Traumlogik. Und ich freute mich, dass ich dieses Doppelglück für mich hatte, einen vorzüglichen zweischwänzigen Mann mit allem drum und dran.
Ich träumte das sicherlich, weil ich gestern Abend einen Pornoausschnitt gesehen hatte mit zwei Frauen, die sich zusammen erstklassig um einen Schwanz kümmerten.
Mein junger Mann im Traum hatte zwei Schwänze für solche Fälle.

15.12.08

c'est chic le fric

Erst als ich an der Kasse die drei Einkaufstüten voll gepackt hatte, realisierte ich, dass ich die gar nicht tragen konnte. Draussen vor dem Laden überlegte ich, was nun. Vor allem im Hinblick auf die nächsten fünfzig Jahre, das Alter. Die Einkaufstüten werden immer schwerer, so ist das nun mal. Ich dachte nach und beobachtete Frauen mit Einkaufswägelchen. Einen Einkaufswagen anschaffen kommt mir nicht in die Tüte, dachte ich. Auch keinen Trendigen, mit rosafarbenen Blumen auf orangenem Hintergrund. Auch keinen Korb auf Rädern, wie diese naturkostende Frau einen hatte. Ich hasse Einkaufswagen noch mehr als Rollkoffer.
Schliesslich habe ich einen Teenager angequatscht und ihm einen Batzen versprochen, wenn er mir meine Einkaufstaschen nach Hause trägt. 5 Fr. um genau zu sein. Er nahm die Tüten und stapfte neben mir her, die gute Tat in seinen Händen, sein Tempo auf mich abgestimmt. Ich trug meine Handtasche und ein schickes Lächeln. Ich habe mich noch nie so glücklich alt gefühlt wie in diesem Moment.

14.12.08

Sonntagsmusik bei Minka

Das hat mich eben zu Tränen gerührt.

(Vor allem der Zither-Spieler...)

13.12.08

Ich heisse

"Isch’eisse klingt wie ich scheisse," sagt die Koreanerin und lacht.

10.12.08

Es schneit ununterbrochen

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite schaufelt Fredi Schnee. Er haut mit der Schaufel auf die Büsche ein, damit der Schnee runter fällt. Er schlägt richtig wild auf die armen Büsche ein. Dann schaufelt er noch mehr Schnee zusammen. Raucht dabei seinen Stumpen. Er könnte auch Heinz oder Erwin heissen. Er sieht aus wie ein Rentner, der einen beigegrauen Volvo in der Garage stehen hat und Alfred heisst.
Im Sommer fegt er täglich vereinzelte, verloren gegangene Blätter zusammen, im Herbst das fette Herbstlaub. Er macht es mit der peniblen Gründlichkeit eines Schweizer Rentners. Aber wenn Sie mich fragen, geht es ihm nicht um Sauberkeit.
Es ist sein Ritual. Seine Flucht. Er hat eine halbe Stunde lang Ruhe vor seiner Frau und kann seinen Stumpen rauchen.

07.12.08

mein Sonntag

Den ganzen Tag damit verbracht, einen Rechnungsfehler zu finden: Die Studentin, die den Businessplan verfasst hat, errechnete für 2009 einen spektakulären Umsatz von circa Fünfeinhalbmillionen Franken. Nach vier Stunden Überlegen wusste ich, wo der Hase im Pfeffer lag: Sie hatte ein paar kleine Denkfehler gemacht. Und nach weiteren zwei Stunden hatte ich die Scharte ausgewetzt. Wissen Sie, woher die Redewendung mit der Scharte auswetzen kommt? Vom Schleifen der Sense mit dem Wetzstein. Man schleift sozusagen die Unebenheiten an der Schnittkante aus, bis sie wieder messerscharf ist. Meine scharfen Berechnungen schnitten darauf auch gleich ein paar Millionen Franken ab. Trotzdem kann ich mir in den nächsten Jahren ein paar lustige Franken verdienen, wenn ich will.

06.12.08

...

Er bräuchte eine Frau, die hinter ihm steht, wenn er Rückendeckung braucht, ihn aufbaut. Ihn berät und ermutigt. Die ihn bei wichtigen, grossen Entscheidungen unterstützt, und unlösbare Rätsel löst. Sie müsste Super heissen. „Super, es ist so gut, dass du an mich glaubst,“ würde er sagen. „Du hast immer so gute Ideen, Super.“ „Wie schön, weißt du immer Rat, meine liebe Super.“
Wir alle bräuchten jemand, der Super heisst.

04.12.08

Konzentrieren Sie sich bitte!

Abends unterrichte ich eine Klasse mit elf Männern und zwei Frauen. Die Frauen kommen aus Kolumbien und kleben ständig zusammen wie ein Doppelpack. Die Männer kommen aus Libanon, Haiti, Kurdistan, England, Pakistan, Algerien, Ecuador. Es ist eine spürbar männliche Energie im Raum. Ich merke das, weil ich als Lehrerin sofort strenger, distanzierter und sachlicher werde. Sie produzieren am laufenden Band Anspielungen, aber eher zufällig und ohne die Bedeutungen zu kennen. Sie kreieren Zweideutigkeiten, die sie noch gar nicht verstehen. Ich weiss, dass sie mir auf den Hintern schauen, wenn ich an die Wandtafel schreibe. Aber sie tun es aus Gewohnheit und nicht aus Absicht. Sie wagen es nicht, mit mir zu flirten, und doch tun sie es mit ihrer Körperlichkeit, ihrem Geruch und männlichen Gesten.
Zum Beispiel der Rumäne: Er trägt immer helle Hemden auf nackter Haut. Er zeigt gerne seine Brusthaare und lässt unverschämt viele Knöpfe offen. Manchmal packt ihn die Kolumbianerin vorne am Hemd und sagt: „Mach das zu, Mann, das ist ja nicht auszuhalten.“ Doch er lässt es offen.
Der Rumäne ist in Kanada aufgewachsen und sah mit seinen langen Haaren, dem karierten Hemd, den Koteletten und spitzen Cowboyschuhen wie ein kanadischer Holzfäller aus, als er vor einem Jahr in die Schweiz kam. Inzwischen sieht er wie Brad Pitt aus. Kurze Haare, angedeutete Haartolle, feines Goldkettelchen, blaue Augen, Verführerlächeln.
„Mach dein Hemd zu,“ sage ich ihm, als er mir sein Heft zum Korrigieren hinlegt und seine Brusthaare präsentiert. Er geht schweigend an seinen Platz zurück, setzt sich, sieht mir in die Augen und knöpft langsam sein Hemd zu.
Wie soll ich mich da konzentrieren.

03.12.08

02.12.08

Wie fühlt ihr die Nacht?

Ich unterrichte vormittags eine Klasse mit elf Frauen und einem jungen tschechischen Opern Tenorsänger, der extrovertierter und insgesamt hysterischer als alle Frauen zusammen ist. Elf Frauen, aus aller Welt. Tibet, Süd-Korea, Kuba, Polen, Kolumbien, Angola, Sri Lanka, Bosnien, etc. Sie lernen bei mir Deutsch.
Der Opernsänger kommt jeden Morgen zu spät und schläft ein, sobald er an seinem Platz sitzt. Er schläft seelenruhig bis etwa zehn Uhr. Dann öffnet er die Augen und trinkt ein Red Bull. „Trink das nicht,“ sage ich ihm, „das bringt dich noch um.“ „Ich bin vor elf Uhr morgens nie wach,“ sagt er, „ich brauche das um aufzuwachen.“

Wir üben Fragen mit Fragewörtern zu einem bestimmten Thema. Es sind die üblichen Beispielfragen. Aber es sind immer öfter auch Fragen von Frauen unter sich:
„Wie oft habt ihr eigentlich mit euren Ehemännern Sex?“, fragt die Koreanerin zum Thema Verkehr, weil ihr das Wort Geschlechtsverkehr einfällt, und es interessiert sie wirklich. Sie steht für die Frage sogar auf. Sie ist seit acht Monaten mit einem Schweizer verheiratet. Sie bringt immer solche Fragen.

Thema Familie: „Wie habt ihr euren Ehemann kennen gelernt?“, will die Kubanerin wissen. „Auf der Toilette,“ sagt der Opernsänger vorschnell, und bekommt gleich von der Polin eins gewatscht.
„Wie fühlt ihr die Nacht?“, fragt die Angolanerin. Ich habe sie noch nie lachen sehen.
„Wie fühlt ihr euch nachts?“ frage ich korrigierend. Und die Frauen erzählen von ihren gefühlten Nächten.
Heute Morgen haben wir ein lustiges Spiel gemacht:
Alle haben der Reihe nach einen Buchstaben vom Alphabet bekommen und für sich ein auffallend schönes Wort im Wörterbuch gesucht. B wie Blitz, C wie Charme (Kubanerin), E wie Euter (Koreanerin), G wie Geschwindigkeitsbegrenzung (der Opernsänger schrieb das Wort mit quietschender Kreide quer über die Wandtafel, alle hielten sich die Ohren zu mit verzerrten Gesichtern, und er gluckste und lachte hysterisch vor Freude), H wie Haft (Angolanerin). Morgen geht es mit J weiter.

30.11.08

Hexenschuss

Das Bett, das man ununterbrochen drei Tage und Nächte mit einer Bettflasche im Rücken geteilt hat, und wo es inzwischen so interessant riecht, dass man ab und zu aus Forschergründen kurz die Decke hebt, oder einfach nur zur Unterhaltung, dieses Stinkebett also für eine Packung Toggenburger Biscuits verlassen und zur Tankstelle schlurfen. Die heisse Bettflasche mit Gürtel und Wollschal ans schmerzende Kreuz geschnallt. Dicker Mantel drüber. Egal. Eine Mission erfüllen und unsichtbar sein.

28.11.08

26.11.08

die afrikanische Methode

Je t'aime
tu m'aimes
où est le problème?

24.11.08

Nervenfutter

Ein Pfund Hirschtrockenfleisch, drei Hirschwürste, zwei Wildschweinwürste.

23.11.08

...

Es ist ein sonderbarer und schöner Schmerz, vor Sehnsucht nach etwas zu vergehen, was sich nie erfüllen wird.

19.11.08

...

Ich koche heute schon wieder Lammfleisch mit Portwein und Artischocken nur wegen der Fleischtomaten. Genau gesagt: Wegen der Enthäutung der Fleischtomaten. Des schönen Gefühls wegen beim Lösen der hauchdünnen Haut vom Fleisch. Und der berückenden Zartheit des samtenen Fleisches unter der feinen Haut. Es kann gar nicht genug genitiv sein, so schwer ist es, das zu beschreiben.

Fleischtomaten schält man, indem man sie mit kochendem Wasser übergiesst. Die Tomatenhaut löst sich dann ganz leicht.
Tun Sie's. Bitte häuten Sie einmal eine Fleischtomate. Tun Sie es langsam. Sie werden sofort verstehen, was ich meine...