18.10.08

Sagenhafte Frauen Teil 7

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Eigensinnige Frauen Teil6


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Lustige Frauen Teil 5

Eine weitere Überraschung für meine beliebte Sammelserie:
Starke Frauen
Der Bursche wollte, wenn er mal gross ist, Zirkusakrobat werden. Mit 40 kg musste er die Balancenummer auf einer Hand aufgeben. Er wurde zu schwer.

19.08.08

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Ich habe aufgehört zu schreiben, was ich manchmal bedaure. Trotzdem sollte ich hier mal einen Punkt machen.

22.05.08

Seit ich...

Seit ich ein Portemonnaie aus Aalleder habe, wünsche ich mir ein Aalleder-Bustier.

06.05.08

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Diese unangenehmen Sekunden, wenn auf einmal unzählige besorgte Augenpaare sich herabbeugen und aus weit entfernten diffusen Stimmen die immer deutlicher werdende Frage: Sollen wir die Ambulanz rufen? alles noch schlimmer macht.


(Fahrradunfall)

05.05.08

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Bin von morgens bis abends unterwegs, an so vielen Orten,
am Fluss, grosse Steine holen für den Garten, weglose Spaziergänge im Flussbett, ein Feuer machen, die weisse Haut in die Sonne legen, ans Küssen denken, Steine schleppen, draussen sitzen bleiben nach dem Abendessen bis es zu kühl wird,
mit Freunden frühstücken, den Blütenstand eines wilden Rhabarbers fotografieren, beeindruckt von seiner phallischen Form, Boule spielen unter den Lindenbäumen. Pingpong spielen mit den Nachbarn und Hoppehoppe reiten mit den Kleinen,
bin glücklich, wie in Halbtrance, berauscht, erregt, habe gar nichts dagegen, was der Frühling mit mir macht...

07.04.08

Bärlauchrisotto

... mit grünen Spargeln.
Ich habe das hölzerne Ende der Spargeln entfernt, die Spargelspitzen abgeschnitten und den Rest der Stangen gewürfelt. Die Spargelstücke und Spitzen habe ich in heissem Sonnenblumenöl mit Salz und etwas Rohzucker unter ständigen Rühren knackig gedünstet.
Wie es weiter geht steht da.
Ich musste es einfach gleich kochen.

29.03.08

Krank

Mein Onlein Im Bett Tag:
Zuerst alle für später abgelegte und in Vergessenheit geratene Lesezeichen:

Fred Frith/ Iva Bittová/ Pavel Fajt "Morning Song" (1989).
In einem Hotelzimmer in Bern aufgenommen.

Auch dafür hatte ich Zeit.

Zwischendurch etwas visuelles:

Ich als Mauki Äffchen im Schnee tanzend.

Dann schaue ich ob Mitsoura inzwischen eine Homepage haben, ich hatte sie zufällig 2005 in Budapest gesehen. Und siehe da. (Videos anklicken!) oder eben auch hier.

Irgendwie auf Moondog gestossen, von dem ich zwanzig Jahre lang nichts mehr gehört habe.

Mich gefragt, ob ich die anderen, die ich zwanzig Jahre lang nicht mehr gehört habe auch noch gut finde.
Sapho zum Beispiel. Ich hatte damals noch kein Internet und nie die Gelegenheit sie live zu sehen. Ich kannte sie nur von meinen zwei Schallplatten.
Und l'esclave endormi von Richenel.

Nostalgie ist auch eine Strategie.

Zeitvertreib mit Haka und Genfer Feuerwehrsmännern, die auf Flugzeugflügeln hip hopend herumtoben. Gut, das ist mindestens ein Jahr alt. Aber ich habe nur Zeit mir das anzusehen, wenn ich krank bin.

25.02.08

poryes? porno? yes or no?

Seit Tagen nur noch Blogeinträge schreiben, die meinen Ruf ruinieren würden. Sie zuerst kürzen und dann hier und da etwas herausstreichen, noch mehr streichen, bis nichts mehr da steht.
Das nützt Ihnen jetzt auch nichts. Aber glauben Sie mir, es ist besser so.

20.02.08

Kein landeplatz

Schwarze Schokolade und dunkles Bier zusammen ist grässlich. Aber es war das einzige, was im Kühlschrank noch zu finden war.

17.02.08

Sonntag

Es ist Sonntag und der Kirschbaum vor dem Fenster streckt seine hellen Glieder aus. Die ersten Blümchen stossen ihre verlegenen Köpfe aus der Erde und schauen sich neugierig um. Es ist Februar und das aufdringliche Naturerwachen bringt mich total durcheinander. Ich bin misstrauisch. Wenn es nach mir ginge, sollte es jetzt schneien. Meterhoch.
Ich habe mich vorgestern erkältet und einen plausiblen Grund heute zu Hause zu bleiben. Ich gehe nicht hinaus. Nicht in die Sonne, nicht ins Leben. Bereue es bereits, noch während ich es beschliesse. Trinke literweise Tee und lege so viel Holz in den Ofen, bis mir vor Hitze schwindlig wird, dann sinke ich ins Bett (tomber dans les pommes) und ziehe die Decke über die Ohren. Behalte die Reue vorsorglich unter der Decke, wie eine Bettflasche. Und schwitze.

14.02.08

Das Bäuchlein

Ich mache jetzt einen Crawlkurs für Anfängerinnen. Habe mir dafür extra eine türkisfarbene Schwimmbrille und pechschwarze Badekappe gekauft. Ich sehe damit aus wie eine Crawlterminatorin, die bereit für ihre Mission ist, in höchstens zwanzig Längen das gesamte Becken leer zu schlucken.
Ich mache den Kurs eigentlich nur, weil mir vor etwa einem Jahr der Schlagzeuger der Monsters erzählt hat, dass er schwimmt. Und Schwimmen gut sei das Bäuchlein weg zu kriegen. Wir hatten uns gerade an der Bar kennen gelernt, als er das sagte. Später bot er mir an, mich bei seinem nächsten Konzert auf die Gästeliste zu setzen, was ich höflich ablehnte, weil ich eigentlich nur Sex wollte. Ich traute mich aber nicht es ihm zu sagen, was ich sofort bereute.
Und nach sofort war es schon zu spät.
Ich bin kurz darauf einmal schwimmen gegangen, habe ihn aber nicht zufällig angetroffen und war seither nie mehr im Wasser.
Die Crawlinstruktorin zeigt im Trockenen vor, wie wir uns im Wasser bewegen sollen, und mit ihrer Taucherbrille und Badekappe sieht sie aus wie eine Raverin, die Zeitlupentechno tanzt.
Mit meiner Taucherbrille sehe ich unter Wasser alles viel besser. Eine Mitcrawlanfängerin hat einen Drachen auf dem Rücken tätowiert, der unter Wasser lebendig wird, das glauben Sie jetzt nicht, aber ich habe es mit eigenen Schwimmbrillenaugen gesehen, er schwimmt. Auf ihrem Rücken. Ich muss immer wieder völlig fasziniert hinschauen und gerate beim Luftholen aus dem Rhythmus.
Aber ich schlucke auch ohne schwimmenden Drachen jedes Mal Wasser.
Nach dem Duschen bin ich so sauber wie nie, was kein besonders gutes Gefühl ist. Dann denke ich an den Monsters Schlagzeuger und frage mich, ob er einer ist, der aufgeweicht und saubergebleicht an Sex denkt.

13.02.08

Es ist Morgen Teil 5

Ich habe so schrecklich zugenommen, sagt meine Mitbewohnerin und setzt sich an den Frühstückstisch. Zeig mal, nicke ich schweigend mit einer kaum wahrnehmbaren Kopfbewegung. Sie sieht nicht, sie spürt eher meine Aufforderung, so wie Blinde die Blicke der Gaffer spüren. Die unsichtbare Zeichensprache der Vertrauten. Sie hebt das Hemd und zeigt mir ihr Bäuchlein, das sie sich in so kurzer Zeit angefuttert hat. Und ich mag sie in dem Moment so sehr dafür, dass sie nachdenklich mit der Hand über die Rundung streicht und nicht zum Beweis das Fett zwischen die Finger klemmt.

09.02.08

Apokalypsieren Sie bitte.

Mir ist zum Glück eingefallen, dass ich seit Gestern einfach nur höchst prämenstruell bin, das heisst kompliziert, apokalyptisch und alt. Frauen fühlen sich insgesamt alt, wenn sie ihre Tage kriegen. Ältere Frauen, die sich eh schon pauschal alt fühlen, werden multipelalt. Wenn sie dann ihre Tage bekommen haben, fühlen sie sich erst einmal auch nicht viel besser. Aber wenigstens nicht mehr alt.

08.02.08

was

heute qbend hatte ich eine verabredung mit einerm jungen, na ja, er behauptet, er sei üilot, pilot, aber sicher kann man sich bei einer internet bekanntschaft ja nie sein. wir verschieben undser erstes treffen schon seiztt wochen, weil wir vermutlich beide so unschlüssige und schüchterne naturen sind. heute wäre also der abend gewesen, also der abend, aber ich muss nun morgen ganz unerwartet und spontan eine kranke kollegin ersetzen, das heisst um sechs aufstehen. wird aldso nichts mit dem piloten, wahrscheinlich wird das eh nie was.
was auch immer ‘was’ bedeutet.
darüber kanich jetzt den ganzen abend nachstudieren, was ich mir unter was in anführungsstrichen genau vorstelle.

26.01.08

Bride of Berserker

Zuerst die Glorifikation des Illegalen: Objekte in die Luft sprengen, Dope ticken, Waffen handeln.
Dann die Vergötterung des Harmlosen: Kicker spielen, Latte macchiato bestellen, Scheiben auflegen.
Bald dreht sich alles nur noch um die Sensation des Kastraten, der sich verkühlt hat bei dem Versuch, nahtlos in einen Teil der lebenden Bürolandschaft um ihn her hinüber zu wechseln.
Und ich säe weiter meine Unruhe und gehe mit meinen zig Schatten vorüber, ja Schlemihl, wärst du doch früher gekommen, hättest du dir den ganzen romantischen Ärger ersparen können.
Vorbei an den sich in der Sonne räkelnden Gebrochenen, die schon heute auf ihren Plänen für morgen stehen, die sich zu ihren Füssen spiegeln in der Pfütze von Erbrochenem.
Aber es geht nicht darum zu übertreiben hier wo sich längst nichts mehr reimt
Ausser der Attitüde, die an ihrem Platz ganz vorne in der Schlange keimt.
Well Jeffrey Lee, auch ich zog über diese Prärie wo die Traurigkeit wächst wie Steppengras.
Und die Ewigkeit war in meinem Gehen und dein Gesang in meinen Hüften.
Dennoch bohren die Zukurzgekommenen noch heute in meinem Leib nach Erdöl, dass sie Gewinn bringend fördern möchten und nicht nach würzigem, vergänglichem Mösensaft.
Oh Liebster, ich sehne mich nach deinen von der Überfülle trockenen Lippen, die an meinen Fingerbeeren saugten, als wären sie die letzte Nahrung auf dieser Welt.

05.12.07

Ueli und Capricia

Ueli und Capricia sind das verdrehteste Pärchen, das ich kenne.
Dazu muss man sagen, dass sich beide hier etwas fremd fühlen. Ueli hat Sorgen mit dem Arbeitsamt (Leistungen bezogen und neben her gearbeitet wie blöd) und seiner letzten Freundin (vergessen ihr das Auto zurück zu geben, für das sie ihm das Geld geliehen hatte). Capricia hat Sorgen mit der Wirklichkeit. Die Überweisungen von Papa halten sie zwar ganz gut in Schach, aber trotzdem. Irgendwas stimmt da nicht, denkt sie manchmal, nun wo sie immer noch tagelang auf der Kinderschaukel den Wolken zuguckt und es schon einige Zeit her ist, dass sie ihren Dreissigsten gefeiert hat. Ueli geht es oft nicht so gut, weil er nicht weiss, wie er neben all den Dingen, die er für andere Menschen tut auch noch der Welt helfen kann und eine Nähe zu Gott findet er auch nicht so leicht. Capricia glaubt, dass alles eintrifft, was man sich ganz stark wünscht.
Ueli wünscht sich eine spirituelle Frau die ihn begleitet, wenn er den Dalai Lama im Stadion anschauen fährt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass er früher an Ostern immer die Rede vom Pabst im Fernseher anschauen musste und nicht richtig verstanden was der Mann mit dem spitzen Hut da erzählte, aber rausgehen und spielen war an diesem Tag sowieso verboten. Capricia wünscht sich einen geschmeidigen Mann, der sich auskennt mit der Welt. Dummerweise schläft Capricia deshalb mit beinahe jedem Mann, den sie auf ihren Entdeckungsreisen durch die Berner Nachmittage kennen lernt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass ihre Mutter ihr damals erklärte, dass die Männer nur das Eine wollen. Dazu muss man sagen, dass Ueli und Capricia ordentliche Erwachsene sind, welche die Erwartungen ihrer Eltern nur sehr ungern enttäuschen.
Irgendwann haben sich die beiden dann ganz ihren Wünschen gemäss an einem Meditationskurs kennen gelernt. Zuerst war das eine feine Sache. Ueli spürte, dass er in Capricia eine unheimlich reine Seele gefunden hatte, die ihm viel Trost gab und Verständnis für seine Sorgen aufbrachte. Zudem war sie nicht so berechnend wie all die anderen, auf die er bisher herein gefallen war. Capricia fühlte sich plötzlich so sicher im Leben, nachdem Ueli ihr gezeigt hatte, wo Gott sitzt.
Leider hat sich da in letzter Zeit einiges geändert. Denn nun, wo Ueli erfahren hat, dass die Schlampe ihn ständig betrügt, fühlt er sich ziemlich verarscht, nach allem was er ihr gegeben und gezeigt hat. Capricia hingegen fragt sich nur, weshalb sie bei ihm nie einen Orgasmus hatte, wo sie ihn doch so tief liebte. Beide denken darüber nach, ob sie dem anderen nicht nochmals eine Chance geben sollten.

27.11.07

Roman und Myrrzha

Roman und Myrrzha sind das hübscheste, junge Pärchen das ich kenne. Sie sehen aus und kleiden sich wie Elfen, die einen Mad Max Krieg überlebt haben. Es ist schön, sie zu besuchen und ihnen zuzuschauen, wie sie langgliedrig und fein mit den Lichtstrahlen des Tages spielen. Sie verstehen sich wie niemand sonst darauf, mit mir in vollständig sorgloser Offenheit über all unsere Intimitäten und Wünsche zu sprechen. Ihre Tochter Helena ist eine hüpfende Sonnenblume, die sich abends vor dem Einschlafen überlegt, ob alle Nachbarskinder im Verlauf des Tages auch sicher einen Kuchen geschenkt bekommen haben. Helena ist dieses rotbäckige Goldlöckchen, von dem Eltern mit Verstand träumen.
Doch wenn Roman und Myrrzha unter sich sind, streiten sie ständig. Das bedeutet nicht nur keifendes Geschrei, sondern auch Mobiliar, das aus dem Fenster ihres Häuschens fliegt. Dieses Häuschen, das in einem Apfelgarten auf dem Land steht und total verdreckt ist. Es lässt sich nur über eine Düne aus Sand, Kinderspielzeug und einzelnen, herumliegenden Schuhen betreten. Der Vermieter droht immer wieder mit fristloser Kündigung. Besonders letztens als Roman den Lindenbaum im Garten umsägte, um daraus ein Geisterkanu für Helena zu schnitzen. Lindenholz eignet sich hervorragend zum Schnitzen, erwiderte Roman verständnislos. Im Flur haust Ruka, ein abgeschlagener Hund, der ihnen auf einer der frühen Traumreisen in den Süden zugelaufen ist. Ruka fletscht bei jedem Besucher die Zähne wie ein Höllenhund. Es ist eigentlich nur Zufall, dass noch niemand gebissen wurde. Auch wenn sie mich sieht, stellt sie sich mit gesträubten Nackenhaaren in den Eingang, obwohl sie mich seit Jahren kennt. Zum Glück ist sie aber meistens am streunen. Gekocht werden in diesem Haus prinzipiell nur Nudeln oder Reis mit Fertigsauce. Denn entweder ist Myrrhza zu müde und verzagt oder Roman kommt zu spät vor der Arbeit nach Hause, um einkaufen zu gehen. Sie hätten gern mehr Sex miteinander, aber weil das mit dem Berühren für Elfen immer etwas schwierig ist, lassen sie es bleiben. Meistens sind sie unsterblich in jemanden aus der Nachbarschaft verliebt. Ganz selten küssen sie. Mehr auf keinen Fall. Beide wissen von diesen Küssen und sie wären das Letzte, worüber sie sich ereifern würden.
Vor einem Jahr sind sie zu ihrem grossen Erstaunen von ihrem eigenen hechelnden Stöhnen erwacht und Roman ist auch gekommen. Letztens geschah das wieder. Nun ist Myrrzha schwanger. Ja so sind sie, die ungeborenen Seelen, sie suchen sich den Ort wo die Gischt der Wellen hoch schäumt. Weil manchen gelingt es nur dort, die Erde zu betreten.

24.11.07

Übrigens:

Zum Glück noch ein kleiner Nachtrag.
Es kann sein, dass Sie überhaupt nicht verstehen, wovon hier überhaupt die Rede ist. Dann gehen Sie am besten wie viele andere vor Ihnen auch an die Börse. Das hat zwar nichts mit Glück zu tun, ist aber immer noch besser als gar nichts zu haben. Selbstverständlich können Sie Ihre allgemeinen und persönlichen Verbesserungsvorschläge auch direkt dem Dow-Jones-Index schreiben. Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie einwenden, dass man den Dow Jones ja mit anderen teilen muss und dass das mit dem geteilten Glück so eine Sache ist. Aber glauben Sie mir, Sie werden seine Anteilnahme an Ihrem persönlichen Schicksal in jedem Fall spüren.

Ihre Glücksfee Dr. Jonka

21.11.07

Die 4 Formen von Glück

Es gibt exakt 4 Formen von Glück:

1. Das Glück,
das ist wie wenn man an einem Tag Ende Oktober über die schneefreie, aber eiskalte Alp Astras in Richtung Ofenpass geht und auf der ganzen, endgültigen Weite keine Menschenseele antrifft.

2. Das Glück,
das ist wie das Finden des letzten Heftes der dreiteiligen italienischen Rex-Ausgabe von Daniel Zezelj in einem Berg von abgegriffenen Comics auf der Flohmarktwiese des Plainpalais im fünften Jahr der Suche.

3. Das Glück,
das ist wie ................................................ (hier bietet sich Raum für Ihre höchstpersönliche Form von Glück).

4. Das Glück,
das ist wie eine Glühbirne, deren Fassung sich so hoch oben befindet, dass einem jemand behilflich sein muss um sie einzuschrauben. Meist dauert es Jahre bis man wieder mal jemandem begegnet, der sich dafür eignet. Zudem halten diese Glühbirnen meist nur sehr kurze Zeit. Dies bedeutet, dass man die meiste Zeit seines Lebens im Dunkeln verbringt. Auch wenn man sich da was ganz anders vorgenommen hat. Um sich davon abzulenken kann man natürlich wandern gehen oder etwas sammeln. Dies ändert jedoch nichts daran, dass man nach all den Jahren zusammengefasst nur einige wenige Tage glücklich war.

19.11.07

Spuren und Endlosschlaufen

Zum ersten Mal Langlaufski gefahren. Auch so ein Tabu meiner Jugend, das ich mir damals geschworen habe nie zu brechen. Auch dann nicht, wenn ich definitiv alt bin. (Weil ich nie das tun wollte, was gelangweilte, körperbewusste alte Leute tun, nur weil sie alles andere nicht mehr packen.) (Es hat etwas Beängstigendes, wenn man sich beginnt mit dem zufrieden zu geben, was möglich ist.)
Gut, ich entdecke nun den Reiz der Reduktion.
Denn Langlaufen ist eher wie Fliegen. Tranceartig. Zeitlupen-Loipen-Laufen. Dahin gleiten mit extrem langen Schritten. Wie Davonrennen im Traum. Ein ständiges Anlaufnehmen zum Abheben. Man schwebt in dieser schmalen Schneespur durch eine Traumwelt dahin.
(Es hat etwas genau so hypnotisch Beruhigendes wie damals, als ich noch ein Kind war und mit meinen Geschwistern stundenlang dem steten Kreisen der flitzenden Rennautos auf der Modellautorennbahn zuschauen konnte.)

16.11.07

Die klare Linie

Franziska und Max sind eines der süssesten Pärchen, das ich kenne.
In letzter Zeit findet Franziska, dass Max zuviel Fussball am Fernsehen guckt und zuviel Bier trinkt. Da sie sich zudem in ihren sexuellen Bedürfnissen nicht wahrgenommen fühlt, drängt sie auf Veränderung. Sie fragen gute Freunde um Rat, denen es vor kurzem ganz ähnlich ging und finden den Weg zur Paartherapie. Die Paartherapeutin fühlt etliche Sitzungen später genau wo das Problem liegt und macht folgenden Vorschlag: Franziska soll Max jeden dritten Sonntag zum Fussball ins Stadion begleiten. Max soll mit Franziska einmal im halben Jahr zu einem Tantra-Seminar in den Bergen fahren. Das mengenmässig ungleiche Verhältnis spielt hier nicht so eine grosse Rolle wie die aktive Toleranz, welche beide dadurch entwickeln werden. Punkt. Max findet die kosmische Welle, die beim Tantra durch seine Chakren wütet tödlich. Franziska findet die Ole-Welle im Stadion, die ihr die Arme hochreisst tödlich.
Da entdeckt Franziska etwas. Nun ist schon der dritte Abend in dieser Woche, an dem Franziska nicht zuhause ist. Max legt die Fernbedienung beiseite. Er geht auf den Balkon. Draussen regnet es. Da er keinen Hund hat, zieht er den Regenmantel an und geht mit sich selber raus. Mit etwas Glück wird er Franziska wieder begegnen. Sie lachen.
Die Paartherapeutin treffen sie glücklicherweise erst sehr viel später bei einem Besuch in der Hölle wieder an.

13.11.07

Corvatsch, Herbst 2007


„Du schmeckst gut!“ sagte der Schmetterling zu mir, nachdem er sich nun schon zum zigten Mal auf meinem verschwitzten Unterarm niedergelassen hatte, um von mir zu trinken. Dieser kleine Charmeur, dachte ich bei mir, eine solche Schönheit und dann steckt er seinen Rüssel in die stinkenden Pfützen auf der Haut von ausgepumpten, den Berg hoch stolpernden Touristinnen wie mir. „Nicht nur das, meine Liebe, im Sommer hätten wir uns auch unten im Tal hinter den Schweinemästereien in der Abluft der Klimaanlage treffen können oder in dieser Felsenrinne dort oben in der lange Zeit ein Kadaver vor sich hin gammelte.“ Dabei zeigte er mit einem seiner unglaublich zarten Flügel hoch in Richtung des von der goldenen Engadiner Herbstsonne beschienen Berghanges.

„Ich verstehe das nicht mein Bester,“ antwortete ich ihm. „Die Pracht deiner Erscheinung, die Farben, die Zartheit. Weshalb kannst du dich nicht um all die wunderschönen, wohlriechenden Blüten kümmern, die dir ihre duftenden Hälse entgegenstrecken? Was begeistert dich so an diesem vergifteten Gebräu, das mir aus den Poren schiesst?“ „Nun weshalb bist du so kleinlich Madame Jonka. Schau ich behalte meine Zartheit auch wenn ich im Duft der Kadaver geschlafen habe. Die Farben meiner Flügel verlieren ihre Leuchtkraft nicht, wenn ich an dieser Mischung aus Sonnenschutzcreme, Schweiss und Bier auf deiner Haut lecke. Gift ist etwas anderes.“

„Ja aber ein bisschen versaut bist du schon mein Guter.“ wandte ich ein.
„Kennst Du denn so viele versaute Männer, Werteste, dass dir deshalb unsere Begegnung gleichgültig sein könnte?“
„Nein eigentlich nicht,“ antwortete ich zögerlich. „Die meisten wären es wohl gern oder ersparen sich die ganze Mühe und begeben sich auf die Suche nach versauten Frauen. Doch wenn sie auf eine treffen verlieren sie ihre Zartheit und die Farben gehen meist in der Suche nach einem Alltag unter. Zu selten ist das, du hast schon Recht.“
Der Schmetterling zwinkerte mir wie einer Gleichgesinnten zu und flog hüpfend und unvorhersehbar neben mir auf und ab.

Einige hundert Meter weiter oben am Hang hatte ich genügend nachgedacht, um ihn mit einem weiteren meiner Zweifel zu konfrontieren.
„Vielleicht hast du ja Recht und die Zartheit ist eine ganz eigene, verwirrende Schweinerei. Aber masslos bist du allemal, so wie du dich an mir labst.“
Der Schmetterling lehnte sich entspannt zurück und fragte:
„Wie viele Vorspeisen bestellst du, wenn du essen gehst, Minka?“
„Bitte? Wieso fragst du mich das jetzt? Und überhaupt, die Frage ist doch welche und nicht wie viele?“
„No Madame Jonka. Ich würde immer mindestens so viele Vorspeisen für mich bestellen, bis die Bedienung nervös zu lächeln beginnt. Das ist der Unterschied zwischen dir und mir.“

Ich schmunzelte und ging langsam weiter über den noch warmen Hang, während ich die Lerchenwälder weit unter mir betrachtete. Endlos. Der Schmetterling liess sich auf einen Stein vor mir nieder und wandte sich mir noch einmal zu. Doch es lag schon etwas wie Abschied in seiner letzten Frage:
„Nun könntest du mich natürlich noch was Bedeutsames zu deinem Leben fragen, weil schliesslich die Begegnung mit einem sprechenden Schmetterling ja so was wie ein Wunder ist, nicht wahr. Oder möchtest du dir etwas wünschen, für die Zukunft?“
„Ach, mein teurer Freund, was soll ich dich fragen, was soll ich mir von dir wünschen. Du wirst hier oben in deiner Mächtigkeit bleiben und ich werde mit der Seilbahn runterfahren ins Tal. Dorthin wo niemand masslos ist und versaut schon gar nicht, oder dann gleich so fertig, dass es keine Freude mehr bereitet. Das Eldorado der Mittelmässigkeit wird mich von neuem umfangen und wird versuchen an mir zu lecken. Was bleibt ist die Erinnerung an die paar Stunden hier oben mit dir.“

Da flog der Schmetterling davon und als ich ihn schon kaum mehr sehen konnte, drehte er sich ein letztes Mal zu mir um und rief: „Du wirst dich an mich erinnern und auch an die letzten Zeilen, die mein alter Freund Hunter S. Thompson mir schrieb, als er die Farben dieser Welt für immer verliess:

„Ganz oben auf der Spitze des Berges sind wir alle Schneeleoparden.“

05.11.07

Ich beginne mich an die Schulter der Geschichten zu lehnen.

Der Eigensinn der Zeiten lässt unsere Erinnerungen wie eine Traubenbeere im Munde zergehen. Runde, reife Beere mit bitteren Kernen. Die Kerne spuckt er zuweilen aus.