27.05.09
Das Geheimnis weiblicher Lust
Frauen wollen begehrt werden. Sie finden auch Geschenke, Rücksicht, schmeichelnde Worte und Kerzenschein sehr schön. Und Vertrauen ist auch ein wichtiger Faktor der Lust. Aber das alles erregt sie nicht. Was Frauen erregt ist pure, unverblümte, unverzeihliche Begierde. Sie wollen alle Spielarten, Facetten und Windungen der Begierde zu spüren bekommen. Das ist eins der einfachen Geheimnisse weiblicher Lust.
26.05.09
Blütenstaub
Fredi, der pensionierte Nachbar von gegenüber, fegt nach wie vor jeden Morgen vor seinem Garagentor. Im Moment fegt er Blütenstaub. Raucht dabei seinen Krummen. Hat eine halbe Stunde seine Ruhe. Ab und zu schaut er zu meinem Küchenfenster hoch. Das ist neu. Ich dachte immer, dass man von der Strasse nicht in meine Küche sehen kann. Ich sollte das bald einmal überprüfen. Oder ab sofort etwas anziehen, wenn ich das Frühstück zubereite. Oder Vorhänge kaufen. Obwohl.
19.05.09
Wohin Terminschwächen führen
Aus Versehen in eine Weiterbildung zum Thema ‚Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz’ geraten. Meine Terminschwäche hat mich schon oft in missliche Lagen gebracht. Aber inmitten belästigter, verletzter und hennaroter Frauen zu landen, die mit rauchigen Stimmen schlecht über Männer reden, und gleichzeitig übergross an die Wand scharfe Bilder von sexy Sekretärinnen in engen Kostümen und Männerhänden in Arschnähe projiziert zu bekommen, das war nicht, was ich an diesem Morgen erwartet hatte.
17.05.09
Aussichtspunkte


Eine Wanderung zu zweit ist etwas Neues für mich. Es hat aber viele Vorteile. Ich kann sagen: Guck mal hier oder schau mal da, und nicht immer alleine alles sehen und schön finden. Ich kann mich über Lehrtöchter unterhalten, die ein Teilstück des Weges befestigt hatten. Das stand auf einer Tafel. Ein Umweltprojekt mit der Schule. Wie motiviert die wohl waren. Man kann sich auch zu zweit prima Lehrtöchter vorstellen, die den Weg ausbessern, über den man leichtfertig schlendert.
Der andere kann mich testen, wie belastbar ich bin, und Stress produzieren. Ich kann etwas Witziges sagen und muss nicht still für mich lachen. Man kann zu zweit auf der ganzen Wanderung keiner Menschenseele begegnen und auf allen Aussichtspunkten ein bisschen vögeln.
Ich kann meinen Gedanken nachgehen und gemeinsam nichts sagen. Ich kann fragen. Ich kann mich irren. Mich entschuldigen. Ich kann das Gefühl für einen Mann bekommen. Ein Gefühl, das ich fast vergessen hatte.
Man kann auch gut Fotos vom anderen vor dem überwältigenden Panorama machen. Gesichter im Bergglück.
09.05.09
07.05.09
Jubiläum
Heute zum circa 500sten Mal meine Periode bekommen. Ich habe es heute Morgen beim Frühstücken ausgerechnet.
... !
Nein, es ist nichts.
Es ist nur, dass ich wie ein Rentnerfräulein beim Butterbrotstreichen eigene Jubiläen ausrechne und mich über unbedeutende, hundertfach geleistete Dinge freue, einen guten Grund zum Jubeln habe und mir darauf einen Likör einschenken könnte.
... !
Nein, es ist nichts.
Es ist nur, dass ich wie ein Rentnerfräulein beim Butterbrotstreichen eigene Jubiläen ausrechne und mich über unbedeutende, hundertfach geleistete Dinge freue, einen guten Grund zum Jubeln habe und mir darauf einen Likör einschenken könnte.
06.05.09
04.05.09
Kleine Freuden
Noch nie im Leben Fellatio gesagt oder geschrieben.
Bis heute Morgen wusste ich noch nicht einmal, was es bedeutet. Ich war immer zu faul um es im Wörterbuch nachzuschlagen.
„Wie geht das, einem Mann eins blasen?“ las ich auf der obersten Zeitung eines Altpapierstapels am Strassenrand. So erfuhr ich von Doktor Sex, dass eins blasen auch Fellatio genannt wird.
Fand es gut, dass die Person, die das Zeitungsbündel zusammengeschnürt hatte, diese Seite zuoberst plaziert hatte. Auch wenn sie das sicher nicht absichtlich gemacht hatte.
Ich jedenfalls mache das immer: Ich lege immer ein Bild aus einer Zeitschrift, meistens eine hübsche Frau oder etwas Aufregendes zuoberst auf den Zeitungsstapel. Um den Passanten, die zufällig einen Blick auf das Altpapier werfen oder den Männern von der Müllabfuhr eine kleine Freude zu bereiten.
Bis heute Morgen wusste ich noch nicht einmal, was es bedeutet. Ich war immer zu faul um es im Wörterbuch nachzuschlagen.
„Wie geht das, einem Mann eins blasen?“ las ich auf der obersten Zeitung eines Altpapierstapels am Strassenrand. So erfuhr ich von Doktor Sex, dass eins blasen auch Fellatio genannt wird.
Fand es gut, dass die Person, die das Zeitungsbündel zusammengeschnürt hatte, diese Seite zuoberst plaziert hatte. Auch wenn sie das sicher nicht absichtlich gemacht hatte.
Ich jedenfalls mache das immer: Ich lege immer ein Bild aus einer Zeitschrift, meistens eine hübsche Frau oder etwas Aufregendes zuoberst auf den Zeitungsstapel. Um den Passanten, die zufällig einen Blick auf das Altpapier werfen oder den Männern von der Müllabfuhr eine kleine Freude zu bereiten.
30.04.09
Erfüllung
Schafe grasten um mich herum, der Hund lief in der Ferne seine Runden, der Sonnentau fing kleine Mücken und die Kreuzottern wärmten sich in der Sonne. Meinen Füssen war es zu heiss in den Gummistiefeln. Das Moor war feucht und dampfte. Ich hütete Schafe und dachte nach. Oder ich träumte vor mich hin. Träumte von Sumpfmonstern, die plötzlich aus Moorlöchern auftauchten und sich aus traumtechnischen Gründen in Schönlinge verwandelten. Träumte von Lofts in Grossstädten mit allem Drum und Dran, einer Badewanne auf dem Loftdach, Designersofas, koksenden Gästen in schwarzen Kleidern. Träumte von Männern, die sich in Sexmaniacs verwandelten, Stuntmännern, die sich in Haiku dichtende Schöngeister verwandelten, Zirkusakrobaten, einem Flipperkasten und von Sushi. Was hätte ich nicht alles gegeben, nur für ein einziges Sushi.
Nun, ich habe alles gegeben. Dafür esse ich jetzt Sushi so viel ich will.
Nun, ich habe alles gegeben. Dafür esse ich jetzt Sushi so viel ich will.
29.04.09
Kunstübermittag 2
Heute: 20JahreTracyEnim.
Ihr Leben, ihre Männer, ihren Körper, ihre Erinnerungen, oder selten in der Kunst dargestellte Themen wie Abtreibung oder Kinderlosigkeit und Alleinsein im Alter: Alles hat sie eingerahmt oder installiert und in Kunst umgesetzt.
Ihr durchgehendes Thema ist sie selber. Ihr Leben erzeugt Kunst. Eine Ausstellung, die Lust weckt auf das Leben, Sex, Kunst, Männer, Körper.
Die junge Blonde ohne Stimme macht die Führung. Aber Tracy Enims Werk ist viel spannender. Ich werde ein anderes Mal über die junge Blonde berichten.
Ein etwas hölzerner - ich vermute mal - Lehrer hat etwas auszusetzen an der Kunst und wuschelt dabei mit den Fingern in seinem lichten Bart. Er lächelt verlegen. Die Schweizer sind gut im sich Zurücknehmen. Sie lächeln, wenn sie kritisieren. Der immer etwas zersauste Aufseher allerdings, der mich jedes Mal nickend grüsst und mir lange nachsieht, kann sich heute nicht mehr zurückhalten und sagt salu, als ich an ihm vorbeigehe. Er ist aber für meinen Geschmack zu dünn.
Ihr Leben, ihre Männer, ihren Körper, ihre Erinnerungen, oder selten in der Kunst dargestellte Themen wie Abtreibung oder Kinderlosigkeit und Alleinsein im Alter: Alles hat sie eingerahmt oder installiert und in Kunst umgesetzt.
Ihr durchgehendes Thema ist sie selber. Ihr Leben erzeugt Kunst. Eine Ausstellung, die Lust weckt auf das Leben, Sex, Kunst, Männer, Körper.
Die junge Blonde ohne Stimme macht die Führung. Aber Tracy Enims Werk ist viel spannender. Ich werde ein anderes Mal über die junge Blonde berichten.
Ein etwas hölzerner - ich vermute mal - Lehrer hat etwas auszusetzen an der Kunst und wuschelt dabei mit den Fingern in seinem lichten Bart. Er lächelt verlegen. Die Schweizer sind gut im sich Zurücknehmen. Sie lächeln, wenn sie kritisieren. Der immer etwas zersauste Aufseher allerdings, der mich jedes Mal nickend grüsst und mir lange nachsieht, kann sich heute nicht mehr zurückhalten und sagt salu, als ich an ihm vorbeigehe. Er ist aber für meinen Geschmack zu dünn.
27.04.09
Frühlingssalat mit Veilchenblüten
26.04.09
Sonntagmorgen
Ich klopfe bei Fiona an die Wohnungstür: „Kommst du mit ins Diemtigtal?“
Es ist Sonntagmorgen früh. Fiona liegt noch im Bett, ich setze die Espressomaschine auf die Gasflamme. Als wir zwanzig Minuten später mit Sonnenbrille, Rucksack und Wanderschuhen vor dem Haus stehen, beginnt es zu regnen.
Wir kehren um in unsere Betten, schlafen aus.
Später spazieren wir zum Rosengarten und trinken einen Pastis. Es ist bewölkt und die Menschen sind ganz erträglich ohne ihre zwanghaft gute Sonnensonntagslaune.
Es ist Sonntagmorgen früh. Fiona liegt noch im Bett, ich setze die Espressomaschine auf die Gasflamme. Als wir zwanzig Minuten später mit Sonnenbrille, Rucksack und Wanderschuhen vor dem Haus stehen, beginnt es zu regnen.
Wir kehren um in unsere Betten, schlafen aus.
Später spazieren wir zum Rosengarten und trinken einen Pastis. Es ist bewölkt und die Menschen sind ganz erträglich ohne ihre zwanghaft gute Sonnensonntagslaune.
25.04.09
Neuer iPod
Das Sekundenglück des Postboten, wenn die Empfängerin des Paketes schon vor der Haustür auf ihn wartet und bei der Übergabe vor Freude in die Luft springt und in die Hände klatscht.
23.04.09
Kunstübermittag 1
Heute: Wilfried Moser.
Die Windfrisur macht die Führung. Die Windfrisur heisst so, weil sie ihre Haare immer waagrecht nach hinten sprayt. Es sieht aus, als würde sie permanent im Wind stehen. Sie trägt immer Herrenschuhe und ein aus der Mode geratenes Hosenkostüm.
Sie erwähnt in Zusammenhang mit Moser die Begriffe Taschismus und informelle Kunst, die ich mal fürs Protokoll notiere. Ich schreibe jetzt jede Woche ein Protokoll für meine lesbische Kollegin Nique, die vier Wochen in den Ferien ist und mich gebeten hat, ihr haargenau zu berichten, was sie bei Kunst über Mittag verpasst.
Die Windfrisur erklärt aber nicht, was Taschismus ist, sondern zählt die Namen von Künstlern aus der Entourage des Künstlers auf. Sie ist allgemein gut im Künstlernamen kennen. Es ist ihre Spezialität. Heute waren es 12 Namen, allesamt mir unbekannt. Ich habe Striche gemacht.
Nun interessiert sich Nique nicht nur für Kunst. Hauptsächlich interessiert sie sich für Frauen. Darum muss ich diese lange Blonde mit nur einem langen T-Shirt über den Strumpfhosen noch erwähnen. Die würde Nique so sehr ablenken, dass sie gar nicht mehr mitkriegen würde, was denn nun Taschismus sei, sofern die Windfrisur es doch noch erklärte. Weil die Lange mit dem knappen T-Shirt die ganze Zeit herumspaziert und die tief hängenden Schilder neben den Bildern liest.
Die Windfrisur macht die Führung. Die Windfrisur heisst so, weil sie ihre Haare immer waagrecht nach hinten sprayt. Es sieht aus, als würde sie permanent im Wind stehen. Sie trägt immer Herrenschuhe und ein aus der Mode geratenes Hosenkostüm.
Sie erwähnt in Zusammenhang mit Moser die Begriffe Taschismus und informelle Kunst, die ich mal fürs Protokoll notiere. Ich schreibe jetzt jede Woche ein Protokoll für meine lesbische Kollegin Nique, die vier Wochen in den Ferien ist und mich gebeten hat, ihr haargenau zu berichten, was sie bei Kunst über Mittag verpasst.
Die Windfrisur erklärt aber nicht, was Taschismus ist, sondern zählt die Namen von Künstlern aus der Entourage des Künstlers auf. Sie ist allgemein gut im Künstlernamen kennen. Es ist ihre Spezialität. Heute waren es 12 Namen, allesamt mir unbekannt. Ich habe Striche gemacht.
Nun interessiert sich Nique nicht nur für Kunst. Hauptsächlich interessiert sie sich für Frauen. Darum muss ich diese lange Blonde mit nur einem langen T-Shirt über den Strumpfhosen noch erwähnen. Die würde Nique so sehr ablenken, dass sie gar nicht mehr mitkriegen würde, was denn nun Taschismus sei, sofern die Windfrisur es doch noch erklärte. Weil die Lange mit dem knappen T-Shirt die ganze Zeit herumspaziert und die tief hängenden Schilder neben den Bildern liest.
22.04.09
Meine Gutenachtgeschichte
Obwohl ich ja eine alte, runzlige Dame bin, mit dickem Krötenbauch und knorrigen Händen, gibt es immer noch Männer, die sich wie Eidechsen entzückt zu meinen Füssen kringeln. Heute zum Beispiel der Steuerberater, der praktisch nichts für seine Arbeit wollte und sagte: "Ich mache das doch gern."
Wenn ich die Eidechsen frage, was sie sich wünschen, dann züngeln sie ganz aufgeregt, schliessen ihre Augen zu einem schmalen Schlitz. Sie züngeln nachdenklich, weil Eidechsen mit der Zunge denken, tapsen mit ihren Echsenfüssen auf der Stelle und überlegen so, was sie denn wollen.
"Wollt ihr Ameiseneier?", sage ich dann, und die Eidechsen züngeln und rufen:
"Ja! Ameiseneier, woher weisst du eigentlich so genau, was wir uns wünschen?"
Dann nehme ich meine geheime Schachtel mit den Ameiseneiern hervor und werfe ein paar Handvoll Ameiseneier auf den Boden. Dann flitzen die Echsen von Ei zu Ei, wuseln durcheinander, fressen alles auf und kräuseln sich vor Glück.
Wenn ich die Eidechsen frage, was sie sich wünschen, dann züngeln sie ganz aufgeregt, schliessen ihre Augen zu einem schmalen Schlitz. Sie züngeln nachdenklich, weil Eidechsen mit der Zunge denken, tapsen mit ihren Echsenfüssen auf der Stelle und überlegen so, was sie denn wollen.
"Wollt ihr Ameiseneier?", sage ich dann, und die Eidechsen züngeln und rufen:
"Ja! Ameiseneier, woher weisst du eigentlich so genau, was wir uns wünschen?"
Dann nehme ich meine geheime Schachtel mit den Ameiseneiern hervor und werfe ein paar Handvoll Ameiseneier auf den Boden. Dann flitzen die Echsen von Ei zu Ei, wuseln durcheinander, fressen alles auf und kräuseln sich vor Glück.
21.04.09
20.04.09
19.04.09
18.04.09
Das Blatt in der Liebe
Ab 18. April, wenn die Venus wieder vorwärts läuft und vorübergehend ins Sternzeichen Fische zurückkehrt, was bedeutet, dass wir von Gefühlen regelrecht überschwemmt werden könnten, wendet sich das Blatt in der Liebe.
21.02.09
18.02.09
Meine neuen Arbeitskolleginnen
Meine neuen Arbeitskolleginnen haben immer noch einen Höllenrespekt vor mir. Ich kann machen, was ich will. Ich unterhalte mich mit ihnen sogar über Horoskope, Veganerei und Tantra-lala. Heute habe ich ihnen meine bewährte Massai-Kur ans Herz gelegt:
Blutkuchen zum Frühstück essen, und sich dann mit Rinderurin die Haare waschen.
Sie lieben mich insgeheim.
Blutkuchen zum Frühstück essen, und sich dann mit Rinderurin die Haare waschen.
Sie lieben mich insgeheim.
16.02.09
Meine neuen Nachbarn unten
Meine neuen Nachbarn unten teilen mir und der gesamten Schlaf suchenden Nachbarschaft nachts mit, dass Sex mit zunehmender Lautstärke besser wird. Ungefähr dann, wenn es ziemlich gut ist, wache ich für gewöhnlich auf. Sie tun es beharrlich und leider hochgradig variationslos. Oder zum Glück, denn es wäre undenkbar an Schlaf zu denken, würden sie sich laut keuchend die Schweinereien zuraunen, die ich mir zum Zeitvertreib für sie ausdenke. Aber so ziehe ich das Kissen über den Kopf und schlafe wieder ein.
15.02.09
Mein neuer Mitbewohner
Mein neuer Mitbewohner isst immer zuerst das alte Brot auf, bevor er das Neue anschneidet.
Ich mache das nie. Ich esse das frische Brot zuerst.
Er rührt es auch dann, wenn ich ihm auf einen Frühstückstischzettel schreibe: ‚Iss ruhig das frische Brot zuerst', nicht an, solange noch Altes da ist. Er hat seine Prinzipien.
Ich mache das nie. Ich esse das frische Brot zuerst.
Er rührt es auch dann, wenn ich ihm auf einen Frühstückstischzettel schreibe: ‚Iss ruhig das frische Brot zuerst', nicht an, solange noch Altes da ist. Er hat seine Prinzipien.
06.02.09
17.01.09
Wie die Bilder von uns gehn
... Ein Kuss auf der Strasse, auf den Mund. Es machte mir nichts aus, dass die Leute schwatzend vorbeigingen und schauten, und ein stiller Passant schmunzelte. Es ging ein leichter Wind und ich wollte all dies. Ich wollte dieses schöne Bild.
Er hielt mich, locker, bequem in seinen Armen, und da war diese elektrische Spannung, dieses Knistern, kurz bevor unsere Münder sich berührten. Ich tastete mit den Lippen seinen Mund ab, seine Lippen fügten sich, warm und weich und duftend. Die Zungenspitzen suchten einander, meine Finger an seiner Wange. Unsere Zungen, die sich fanden, umeinander drehten, miteinander spielten, rauften und balgten und einander stupsten. Wie weich und warm sein Mund war. Herzklopfen. Unsere Körper näher, warm werdend, sehr warm, erregt und vergnügt und glücklich. Innerlich jubelnd. Genuss, Genuss überall. Ein Kuss ins Gefühl. Fühlen und gleichzeitig alles und nichts mehr wahrnehmen. Nur noch seine warmen Lippen auf meinem Mund, ganz drauf, und seine neugierige verwöhnsüchtige Zunge.
Raum und Zeit lösten sich auf in diesem Kuss, in dem soviel Leidenschaft, soviel Lust, soviel Gieren nach Köstlichkeit und Befriedigung lag...
Er hielt mich, locker, bequem in seinen Armen, und da war diese elektrische Spannung, dieses Knistern, kurz bevor unsere Münder sich berührten. Ich tastete mit den Lippen seinen Mund ab, seine Lippen fügten sich, warm und weich und duftend. Die Zungenspitzen suchten einander, meine Finger an seiner Wange. Unsere Zungen, die sich fanden, umeinander drehten, miteinander spielten, rauften und balgten und einander stupsten. Wie weich und warm sein Mund war. Herzklopfen. Unsere Körper näher, warm werdend, sehr warm, erregt und vergnügt und glücklich. Innerlich jubelnd. Genuss, Genuss überall. Ein Kuss ins Gefühl. Fühlen und gleichzeitig alles und nichts mehr wahrnehmen. Nur noch seine warmen Lippen auf meinem Mund, ganz drauf, und seine neugierige verwöhnsüchtige Zunge.
Raum und Zeit lösten sich auf in diesem Kuss, in dem soviel Leidenschaft, soviel Lust, soviel Gieren nach Köstlichkeit und Befriedigung lag...
12.01.09
Unterwegs 4
Und ich erinnere mich. Erinnere mich an die Zeit, als ich mit einer Schafherde unterwegs war, Winter für Winter. Es war eine Winterwanderung wie jetzt. Aber ich ging im Rhythmus der Tiere. Sie wollten bleiben und fressen. Und wenn die Weiden abgegrast waren, zogen wir weiter.
Seit ich sesshaft bin, reise ich. Ich reise, weil ich die Menschen und Gegenden sehen will, über die ich gelesen habe, von denen ich gehört habe, von denen ich geträumt habe. Ich war als Schäferin all die Jahre unbeweglich und träumte die Welt. Ich war immer bei der Herde. Der Rhythmus der Tiere war die eigentliche Bewegung.
Nomaden reisen nicht, sagt Gilles Deleuse (L'Abécédaire V comme voyage). Nomaden wollen auf ihrem Boden bleiben. Sie klammern sich an ihren Boden. Nichts ist unbeweglicher als ein Nomade, sagt er. Nichts reist weniger als ein Nomade. Sie sind Nomaden, weil sie nicht verlassen wollen. Ihr Boden verwüstet, weil sie sich daran festbeissen.
Deleuse fügt an, dass Leute reisen um ihren Vater zu finden.
(Das ist vermutlich der Beweggrund der meisten Globetrotter, die ich kenne. Sie reisen immer wieder.)
Die Frage ist, ob ein Leben ausreicht um das zu finden, wonach man sein ganzes Leben sucht.
Seit ich sesshaft bin, reise ich. Ich reise, weil ich die Menschen und Gegenden sehen will, über die ich gelesen habe, von denen ich gehört habe, von denen ich geträumt habe. Ich war als Schäferin all die Jahre unbeweglich und träumte die Welt. Ich war immer bei der Herde. Der Rhythmus der Tiere war die eigentliche Bewegung.
Nomaden reisen nicht, sagt Gilles Deleuse (L'Abécédaire V comme voyage). Nomaden wollen auf ihrem Boden bleiben. Sie klammern sich an ihren Boden. Nichts ist unbeweglicher als ein Nomade, sagt er. Nichts reist weniger als ein Nomade. Sie sind Nomaden, weil sie nicht verlassen wollen. Ihr Boden verwüstet, weil sie sich daran festbeissen.
Deleuse fügt an, dass Leute reisen um ihren Vater zu finden.
(Das ist vermutlich der Beweggrund der meisten Globetrotter, die ich kenne. Sie reisen immer wieder.)
Die Frage ist, ob ein Leben ausreicht um das zu finden, wonach man sein ganzes Leben sucht.
10.01.09
Unterwegs 3
Ich gehe und frage mich. Frage mich, wie die Menschen leben. Wie man das Leben unter diesen und jenen Umständen ertragen kann. Frage mich beispielsweise auch, wie die Milchkontingentierung funktioniert. Oder wie man foie gras kocht, mit gedörrten Feigen und Rosinen.
Ich schaue, was mir begegnet und träume vor mich hin.
Frage mich, wie es wäre, wenn mein Traum plötzlich leibhaftig vor mir stünde. Die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung im Falle eines wahrgewordenen Traumes ist proportional zu der Zeit, die man damit verbracht hat sich in den Traum hineinzusteigern. Das habe ich irgendwo mal gelesen. Also ist Enttäuschung gleich Zeit mal Traum im Quadrat.
Ich erzähle mir Geschichten auf französisch.
Frage mich, wie man mit Tauben jagt.
Oder wie man Brieftauben dazu bringt, ein bestimmtes Ziel anzufliegen.
Frage mich, wie vin noir schmeckt.
Ganz oft begleitet mich eine Musik. Ein Lied.
Die ganze Zeit bin ich guten Mutes und geniesse das Alleinsein. Ich schaue hier und gucke dort. Und habe keine Sorgen. Die schöne Art zu leben. Das Alleinsein geniessen heisst, dass ich schöne Dinge sehe und schöne Gedanken habe und mir niemand wünsche, der das alles mit schön findet.
Unterwegs 2
Ich habe Glück. Es ist Winter und die Pilgerer sind nicht unterwegs. Die Herbergen sind leer. Seit drei Wochen habe ich unterwegs keine einzige Menschenseele angetroffen. Das ist enormes Glück. Und Gehen ist insgesamt gut für das Leben. Es bringt neue Ideen. Fokussiert. Ich kann es allen empfehlen mindestens 600 km am Stück zu gehen.
Es ist wichtig, dass Menschen Dinge erfahren.
"Erfahrung ist wertvoller als Einsicht" lese ich zufällig gerade hier in einer französischen Zeitschrift. Habe keine Bücher dabei und lese alles, was mir in die Hände kommt. Ein Essay von Gaétan Picon über Balthus. Gaétan, dieser Name... Erfahrungen sind wertvoll. Oder wie Coelho wahrscheinlich sagen würde: Man muss selber im Regen stehen um zu erfahren wie es ist, nass zu sein.
Der Vorteil des Pilgerweges ist, dass man alle zwanzig oder dreissig Kilometer auf eine Herberge trifft, die in dieser Jahreszeit zwar geschlossen ist, aber dann doch ein Bett bereithält. Der Nachteil ist, dass man die alten, einsamen und liebesbedürftigen Herbergsmütter, oder noch schlimmer, unglückliche Paare, die sich auf dem Pilgerweg getroffen und zusammen Pilgerherbergen eröffnet haben, und noch immer im Regen stehen und nur so triefen vor Lösungen, mit müden Ausreden abwimmeln muss.
Aber man kann auch der einzige Gast in Hotels wie diesem hier sein und mit der Besitzerin, einer kleinen, distinguierten alten Dame einen Armagnac trinken.
Es ist wichtig, dass Menschen Dinge erfahren.
"Erfahrung ist wertvoller als Einsicht" lese ich zufällig gerade hier in einer französischen Zeitschrift. Habe keine Bücher dabei und lese alles, was mir in die Hände kommt. Ein Essay von Gaétan Picon über Balthus. Gaétan, dieser Name... Erfahrungen sind wertvoll. Oder wie Coelho wahrscheinlich sagen würde: Man muss selber im Regen stehen um zu erfahren wie es ist, nass zu sein.
Der Vorteil des Pilgerweges ist, dass man alle zwanzig oder dreissig Kilometer auf eine Herberge trifft, die in dieser Jahreszeit zwar geschlossen ist, aber dann doch ein Bett bereithält. Der Nachteil ist, dass man die alten, einsamen und liebesbedürftigen Herbergsmütter, oder noch schlimmer, unglückliche Paare, die sich auf dem Pilgerweg getroffen und zusammen Pilgerherbergen eröffnet haben, und noch immer im Regen stehen und nur so triefen vor Lösungen, mit müden Ausreden abwimmeln muss.
Aber man kann auch der einzige Gast in Hotels wie diesem hier sein und mit der Besitzerin, einer kleinen, distinguierten alten Dame einen Armagnac trinken.
09.01.09
Unterwegs
Ich bin auf einen Pilgerweg geraten. Leider gibt es keine Spazierwege in Südfrankreich auf dem Land. Nur asphaltierte Strassen oder Schlammspuren. Franzosen fahren halsbrecherisch und nehmen keine Rücksicht auf Fussgänger. Also bleiben nur die Schlammwege, welche von Berlin, Paris, Wien und Rom in Südfrankreich gebündelt nach Spanien führen.
Nun sind Pilgerwege für viele Menschen bedenkenlos, aber für mich sind sie ein Gräuel. Ich mag keine Wege gehen, welche tausende von Sinn und sich selbst Suchenden gegangen sind. Horden von genussfeindlichen, angespannten, grauhaarigen, Tagebuch schreibenden, leidenden, religiösen oder kontaktgeilen, in eine Richtung strömenden Egoisten, die Zeichen suchen, und ihre Leere mit Lebensweisheiten, Sprüchen und Antworten füllen. Glauben Sie mir, was ich in Gästebüchern von Pilgerherbergen gelesen habe ist grauenhaft. Und alle bekommen von allen Antworten, auch wenn sie die Fragen nie kannten. Es ist, als würde man einen Paulo Coelho Roman lesen.
Ich habe es nie geschafft, einen Coelho zu lesen. Obwohl mir der Alchemist bestimmt zehn Mal geschenkt wurde. So sind die Leute: Sie lieben Lösungen. Es ist ein Buch voller Lösungen. Nach den drei ersten Abschnitten wurde mir so übel, dass ich es wegwerfen musste.
Abonnieren
Kommentare (Atom)
