16.11.09

Arztroman 4

Ich war gestern nicht am Konzert.
Stattdessen bin ich krank geworden. Nic kam vorbei, ich hatte ihr das Ticket vor die Wohnungstür gelegt, damit ich sie nicht anstecke. Sie hinterliess ihrerseits Obst, Sanddornsaft, Kürbissuppe und einen Umschlag auf der Türschwelle. Im Umschlag war ein USB Stick. Darauf war ein kleiner Videofilm.
Das Filmchen ist ein Interview mit dem Arzt, den Nick mit mir verkuppeln will, in seiner Neuköllner Wohnung. Er hat in Berlin, Frankfurt und Zürich eine Wohnung. Nics Freundin, die ursprünglich aus Berlin kommt, hatte vor einiger Zeit spontan das Interview mit ihm gefilmt. Man sieht eine schöne Wohnung, Parkettböden, viele Bücher, viele CDs, eine Tuschzeichnung an der Wand, Dinge, die auf einen kultivierten Mann deuten. Süssigkeiten, Pralinen und Prosecco auf dem Sofatisch lassen einen Mann vermuten, der gerne verwöhnt. Er steht diesmal zum Glück ohne Schnauzbart aber immer noch wie zurechtgestutzt im Wohnzimmer und bügelt gerade ein Hemd (echt jetzt). Er ist ein bisschen nervös, weil er gefilmt wird. Nics Freundin fragt ihn unter anderem über seinen Frauengeschmack aus, was er gut findet und was ihn ärgert an Frauen, und was denn so seine eigenen Vorzüge sind. Ein sehr amüsantes Video. Wenn man ihn so reden sieht, wirkt er ganz sympathisch. Was er sagt ist interessant. Das Video rührt mich irgendwie. Wenn ich krank bin, werde ich immer rührselig und anhänglich. Ich finde auch rührend, dass Nic sich so ins Zeug legt für mich und dafür sorgt, dass ich nicht verhungere und Unterhaltung habe und endlich einsehe, dass der Mann zu mir passt.

Kommentare:

  1. Ein reicher alleinstehender Arzt, der seine Kultiviertheit und die Fähigkeit zum Genuss anderen nicht vorenthält und inmitten aller Requisiten ein Hemd bügelt.
    Weil er ein Spießer ist?
    Weil er zu geizig ist das Hemd bügeln zu lassen?
    Weil er sich so erden kann?
    Weil er einen guten Eindruck machen möchte?
    Weil er unter einer herrischen und einnehmende Mutter aufgewachsen ist, die Ihn zum Bügeln als Beispiel der weiblichen Befreiung gezwungen hat?
    eine herrische Mutter, die sein Verhältnis zu Frauen gänzlich zerstört hat und er deshalb alleinstehend ist?
    Oder einfach nur ein netter Kerl, der genug Geld hat und sich damit eine Traumwelt geschaffen hat in der nur noch seine Traumfrau fehlt?

    Gute Besserung.

    Ratko

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  2. Ja. Fragen über Fragen.
    Du bügelst deine Hemden doch auch, Ratko. Oder etwa nicht?

    Es ist schön diesem Mann beim Bügeln zuzusehen. Wie er das Hemd auf dem Bügelbrett zurechtlegt. Sorgfältig. Und dann zischt es leise und verheissungsvoll, wenn er mit dem Bügeleisen den Stoff berührt. Wie der Dampf, der aufsteigt, noch mit einer Nuance nach seinem Körper duftet. Und während er spricht,legt er das Eisen beiseite und streicht Gedankenversunken mit der Hand über die warme, glatte Fläche.

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  3. Entwickelst du einen bügelfetisch?:-)

    Liebe Grüße

    Ratko

    PS: bist du wieder gesund?

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