18.04.12
So schön, die Offenheit der Kinder
Die drei Mädchen, die auf einer Bergwiese Löwenzahn pflücken. Sie bemerken, dass ich sie beobachte. Es befremdet sie. "Na, pflückt ihr Blumen?" rufe ich ihnen vom Weg aus zu. Sie strahlen mich an, rennen auf mich zu und zeigen mir die Sträusse.
17.04.12
Hauptsache wir verstehen uns
Die Angewohnheit einiger Leute, im Gespräch dauernd den Konsens zu finden. Vielleicht ist man auch mehr oder weniger begabt dafür. Es hält zumindest die Illusion aufrecht, verstanden zu werden. Diese Zustimmungen, mit platten, übernommenen Ansichten: "Ja, ich finde Krieg auch schlimm", oder "ja ja, man nimmt sich überall selber mit." Mir nimmt es die Lust zu reden.
15.04.12
Anschauungsvermögen
Bei der neuen Nachbarin oben quietscht das Sofa verdächtig rhythmisch. Sicher ein Louis Philippe Sofa mit beigem Überzug. Zuerst quietscht es in kleinen Abständen, dann in sehr kleinen.
Doch das ist gelogen. Ihnen brauche ich ja nichts zu erzählen. Ich stelle mir nicht das Sofa vor.
Doch das ist gelogen. Ihnen brauche ich ja nichts zu erzählen. Ich stelle mir nicht das Sofa vor.
14.04.12
Verlorene Visionen
Männer, die sich für Fussball interessieren, haben den Glauben an Utopien verloren. Aus Mangel an tatsächlichen Visionen versuchen sie das beste aus dem Mist zu machen, den sie vorfinden.
Dasselbe trifft auf Frauen zu, die nur noch Krimis lesen.
Dasselbe trifft auf Frauen zu, die nur noch Krimis lesen.
01.04.12
Frühlingsputz, Entrümpeln und Entsorgen
Beginne mit der Handtasche:
Nagelfeile, ein Pflaster, Kugelschreiber, Agenda, Schlüsselbund ohne Anhänger, Münzen (Rappen und Cents), ein Taschenhalter, eine Gartenschere, ein Meterband, Handcreme (Marke Neutrogena), ein Portemonnaie aus Aalleder, ein mon cheri, Ricola Zitronenmelissebonbons, ein Lipgloss (Marke unleserlich), Visitenkarten, eine Tafel Schokolade (Lindt), ein Victorinox, vollgekritzelte Notizzettel, ein Kondom (Marke Okeido, vermutlich abgelaufen), ein Kreuzschraubenzieher, eine Glock (natürlich nicht, kleiner Scherz), eine Zahnbürste, Taschentücher, eine Halskette aus Flussperlen, eine kleine Schere, vier USB Sticks, ein Tampon, ein ausgerissener Artikel über Noroviren.
Nagelfeile, ein Pflaster, Kugelschreiber, Agenda, Schlüsselbund ohne Anhänger, Münzen (Rappen und Cents), ein Taschenhalter, eine Gartenschere, ein Meterband, Handcreme (Marke Neutrogena), ein Portemonnaie aus Aalleder, ein mon cheri, Ricola Zitronenmelissebonbons, ein Lipgloss (Marke unleserlich), Visitenkarten, eine Tafel Schokolade (Lindt), ein Victorinox, vollgekritzelte Notizzettel, ein Kondom (Marke Okeido, vermutlich abgelaufen), ein Kreuzschraubenzieher, eine Glock (natürlich nicht, kleiner Scherz), eine Zahnbürste, Taschentücher, eine Halskette aus Flussperlen, eine kleine Schere, vier USB Sticks, ein Tampon, ein ausgerissener Artikel über Noroviren.
26.03.12
Frühlingsgartengedanken
Nach der Gartenarbeit noch sitzen bleiben. Ruhig. Zufrieden.
Die Gedanken schweifen über die Beete, was wann und wo blühen wird im Sommer.
Ob die herrische Gewürztagestes, die letztes Jahr die Kapuzinerkresse so eingeschüchtert hat, mit der leichtfüssigen Kornblume auskommen wird?
Oder besser Mohn zu der Kornblume setzen, um sie zu beruhigen.?
Und ob die gesellige, heimische Ringelblume auch mit der mexikanischen Agastache Freundschaft schliessen wird?
Und warum verbreitet das Veilchen gerade so unverschämt ihren lieblichen Duft?
Die Gedanken schweifen über die Beete, was wann und wo blühen wird im Sommer.
Ob die herrische Gewürztagestes, die letztes Jahr die Kapuzinerkresse so eingeschüchtert hat, mit der leichtfüssigen Kornblume auskommen wird?
Oder besser Mohn zu der Kornblume setzen, um sie zu beruhigen.?
Und ob die gesellige, heimische Ringelblume auch mit der mexikanischen Agastache Freundschaft schliessen wird?
Und warum verbreitet das Veilchen gerade so unverschämt ihren lieblichen Duft?
25.03.12
20.03.12
Ich erhitzte Öl in der Pfanne, nahm zwei fingerdicke Lendenstücke eines Lamms, rieb sie mit Salz ein und legte ins hoch erhitze Öl, ohne sie zu bewegen, ohne sie auch nur zu berühren, und briet sie auf hoher Flamme eine Minute von jeder Seite. Nach genau zwei Minuten nahm ich die Pfanne vom Herd, legte die Lendenstücke auf einen Teller und verteilte frisch gemahlene Pfefferkörner und Rosmarin darauf. Dann goss ich, weil ich keinen Brandy hatte, ein randvolles Gläschen Madeira in die Pfanne und legte die Stücke zurück in die Pfanne. Ich liess sie weitere zwei Minuten in der Sauce ziehen, ohne dass die Sauce kocht.
Dazu reichte ich Kartoffelpüree, Salat und vierjährigen Rotwein.
Dazu reichte ich Kartoffelpüree, Salat und vierjährigen Rotwein.
18.03.12
Gesetzesfürchtige Menschen ohne Güte
Die gesetzesfürchtige, rechtschaffene Sozialarbeiterin, die denkt, sie helfe. Dabei zwingt sie den Menschen ihre Vorstellungen von einem geregelten, konformen Leben auf. Einem Leben, das Böse bestraft und Gute belohnt. Einem Leben, das man mit Regeln und Zielen in den Griff bekommt.
15.03.12
Den Bauch einziehen, oder wie wird man die Wintergefühle los
Ich sehe schlecht aus, sagen derzeit meine Freunde, aber sie meinen es nicht so. Sie meinen etwas bleich und müde. So fühle ich mich auch. Es wird Zeit, dass ich aus den Wintergefühlen rauskomme. Die behagliche Trägheit sitzt noch tief in den Knochen. Und auf einmal soll mein Körper wieder mit dem Velo zur Arbeit fahren, stundenlang im Garten die Erde lockern, hübsche Beine zeigen, und das kuschelige Pölsterchen am Bauch darf er auch nicht behalten. Er reklamiert und ist müde.
Was für die Frühlingsgefühle hilfreich ist, ist ein hübsches, kurzes Kleid. Dazu Stiefel. Das gibt den nötigen Schwung, dachte ich mir. Also schwang ich mich aufs Velo und hörte eine Naht reissen. Der Ärmel, vermutete ich. Ich kehrte um und sah den Schaden im Spiegel an: Es war nicht die Naht, das halbe Kleid war zerrissen. Ich zog mich um. Diesmal ein hübsches, teures Kleid. Nahm, um kein Risiko mehr einzugehen, die Strassenbahn zur Arbeit. Dann trank ich einen Kaffee und kleckerte das teure Kleid voll. So stand ich also mit meinem eng anliegenden Kleid den ganzen Tag vor dreissig Leuten und alle starrten auf den Kaffeefleck auf meinem Winterbauch. Ich sah nicht schlecht aus, aber etwas bleich und müde.
Was für die Frühlingsgefühle hilfreich ist, ist ein hübsches, kurzes Kleid. Dazu Stiefel. Das gibt den nötigen Schwung, dachte ich mir. Also schwang ich mich aufs Velo und hörte eine Naht reissen. Der Ärmel, vermutete ich. Ich kehrte um und sah den Schaden im Spiegel an: Es war nicht die Naht, das halbe Kleid war zerrissen. Ich zog mich um. Diesmal ein hübsches, teures Kleid. Nahm, um kein Risiko mehr einzugehen, die Strassenbahn zur Arbeit. Dann trank ich einen Kaffee und kleckerte das teure Kleid voll. So stand ich also mit meinem eng anliegenden Kleid den ganzen Tag vor dreissig Leuten und alle starrten auf den Kaffeefleck auf meinem Winterbauch. Ich sah nicht schlecht aus, aber etwas bleich und müde.
12.03.12
10.03.12
04.03.12
Der Duft der Erinnerung
Wie kann ich sagen, dass es vorbei ist,
wenn Erinnerungen, wie eine Wolke aus Blüten,
meine Gedanken benebeln.
03.03.12
Bettgeschichten
Ich ertrage mein Bett noch immer. Obwohl wir uns seit letzter Woche ganz schön auf der Pelle liegen.
02.03.12
Leseschlafkur
Schau gut zu dir, schreiben derzeit meine Freunde im letzten Satz, bevor sie herzlich grüssen. Das tu ich: Ich liege die ganze Zeit im Bett und schaue gut zu mir. Ich lese und schlafe. Habe eine Mittelohrenentzündung.
Ich stand gestern Morgen schon um halb acht mit Ohrenschmerzen vor der Praxis meines Hausarztes. Hatte eine schlimme Nacht hinter mir.
Der Arzt setzte sich nah an mich ran, was ich nicht unangenehm fand. Aber dann nahm er ein Gerät in die Hand und ich zuckte zurück: "Tut das weh?"
"Das ist ein Otoskop", klärte er mich auf. "Damit schaue ich in Ihr Ohr, das tut nicht weh. Damit sehe ich alles, was in Ihrem Kopf vorgeht." Er schaute ins Ohr und sagte: "Das ist sehr interessant. Ich kann Ihre Gedanken lesen."
"Und was denke ich?", fragte ich.
"Sie befürchten, dass ich Ihnen Antibiotika verschreiben werde. Das tu ich aber nicht, weil Sie es nicht wollen. Das ist ein Risiko für mich", sagte er. Er lächelte: "Ihr Zustand könnte sich noch verschlechtern, und dann stehen Sie wieder jammernd vor meiner Tür. Na ja, spätestens dann werden Sie eine Antibiotika Kur wollen."
Ich lachte.
Also hat er mir eine Im-Bett-Bleibkur verschrieben.
Ich mag meinen Hausarzt sehr. Er ist kompetent und durchschaut mich. Und er riecht immer gut.
Ich stand gestern Morgen schon um halb acht mit Ohrenschmerzen vor der Praxis meines Hausarztes. Hatte eine schlimme Nacht hinter mir.
Der Arzt setzte sich nah an mich ran, was ich nicht unangenehm fand. Aber dann nahm er ein Gerät in die Hand und ich zuckte zurück: "Tut das weh?"
"Das ist ein Otoskop", klärte er mich auf. "Damit schaue ich in Ihr Ohr, das tut nicht weh. Damit sehe ich alles, was in Ihrem Kopf vorgeht." Er schaute ins Ohr und sagte: "Das ist sehr interessant. Ich kann Ihre Gedanken lesen."
"Und was denke ich?", fragte ich.
"Sie befürchten, dass ich Ihnen Antibiotika verschreiben werde. Das tu ich aber nicht, weil Sie es nicht wollen. Das ist ein Risiko für mich", sagte er. Er lächelte: "Ihr Zustand könnte sich noch verschlechtern, und dann stehen Sie wieder jammernd vor meiner Tür. Na ja, spätestens dann werden Sie eine Antibiotika Kur wollen."
Ich lachte.
Also hat er mir eine Im-Bett-Bleibkur verschrieben.
Ich mag meinen Hausarzt sehr. Er ist kompetent und durchschaut mich. Und er riecht immer gut.
28.02.12
26.02.12
Schwitzen
Ich wunderte mich, warum mir alles so schwer fiel, und ich verkatert war, obwohl ich nichts getrunken hatte. Der kratzige Hals war ein Hinweis. Und mein Frösteln. Ich spürte, dass ich krank wurde. Ich trank zwei Liter Tee mit viel Zitronensaft, legte mich ins Bett und schlief sofort ein. Ich wachte frühmorgens nassgeschwitzt auf, bezog das Bett frisch, legte mich wieder hin, schwitzte weiter und schlief durch bis zum Mittag.
Heute fühle ich mich schon besser.
Krank sein und Schwitzen ist insgesamt enorm gesund. Schwitzen im Bett ist ein tolles Gefühl. Schwitzen und Ficken ist geiler, keine Frage. Wenn ich im Bett schwitze und nicht einschlafe, habe ich immer Lust zu ficken. Ich denke nicht ans Küssen. Und nicht ans Vögeln. Nur Ficken.
Zum Ficken in der Phantasie eignen sich nicht alle Männer. Die Phantasie hat dafür eine ganz eigenwillige und unergründliche Favoritenliste. Mein Elektromonteur steht zu meinem Erstaunen unter der Sparte Ficken ganz weit oben in der Liste. Unter Küssen steht im Moment an erster Stelle der mir völlig unbekannte Mann aus dem Traum. Mein Elektromonteur ist ein etwas gedrungener, drahtiger Mann mit einem breiten Gesicht und flachen Hinterkopf. Sein Mund ist auf eine vulgäre Art weich. Er sieht aus wie ein Mann, dessen Gedanken sich nur darum drehen, seine Kundinnen, die alleine zu Hause auf seine Reparatur warten, zu ficken. Ich merke das an der Art, wie er innerlich giert und sich äusserlich beherrscht. Das ist der Faden, aus dem Phantasie gewoben wird: Als er den Schraubenzieher in seine Werkzeugkiste zurücklegt, und zu mir rüber schaut, knöpfe ich langsam meine Bluse auf. Sein Blick fickt mich bereits, als ich seitlich den Reissverschluss meines Rocks aufmache und zusammen mit der Unterhose runterziehe.
Wo war ich stehen geblieben? Heute fühle ich mich besser. Ein wenig Ohrensausen habe ich noch. Werde das Gleiche nochmals tun. Also Tee trinken und mich ins Bett legen. Und mich bis morgen schwitzend gesund schlafen.
Heute fühle ich mich schon besser.
Krank sein und Schwitzen ist insgesamt enorm gesund. Schwitzen im Bett ist ein tolles Gefühl. Schwitzen und Ficken ist geiler, keine Frage. Wenn ich im Bett schwitze und nicht einschlafe, habe ich immer Lust zu ficken. Ich denke nicht ans Küssen. Und nicht ans Vögeln. Nur Ficken.
Zum Ficken in der Phantasie eignen sich nicht alle Männer. Die Phantasie hat dafür eine ganz eigenwillige und unergründliche Favoritenliste. Mein Elektromonteur steht zu meinem Erstaunen unter der Sparte Ficken ganz weit oben in der Liste. Unter Küssen steht im Moment an erster Stelle der mir völlig unbekannte Mann aus dem Traum. Mein Elektromonteur ist ein etwas gedrungener, drahtiger Mann mit einem breiten Gesicht und flachen Hinterkopf. Sein Mund ist auf eine vulgäre Art weich. Er sieht aus wie ein Mann, dessen Gedanken sich nur darum drehen, seine Kundinnen, die alleine zu Hause auf seine Reparatur warten, zu ficken. Ich merke das an der Art, wie er innerlich giert und sich äusserlich beherrscht. Das ist der Faden, aus dem Phantasie gewoben wird: Als er den Schraubenzieher in seine Werkzeugkiste zurücklegt, und zu mir rüber schaut, knöpfe ich langsam meine Bluse auf. Sein Blick fickt mich bereits, als ich seitlich den Reissverschluss meines Rocks aufmache und zusammen mit der Unterhose runterziehe.
Wo war ich stehen geblieben? Heute fühle ich mich besser. Ein wenig Ohrensausen habe ich noch. Werde das Gleiche nochmals tun. Also Tee trinken und mich ins Bett legen. Und mich bis morgen schwitzend gesund schlafen.
24.02.12
Die ersten warmen Februar Tage
Der Drang die jungen Obstbäume und Himbeeren im Garten zu schneiden. Mit hochgekrempelter Ärmel Laune.
21.02.12
Die Profiteure, die abends ohne Appetit am reich gedeckten Tisch sitzen, und sich nachts schlaflos im Bett hin und her wälzen, weil draussen, dicht vor ihren Fenstern, die Geister der Verdammten hereinschauen, die keine Ruhe mehr finden, weder auf dieser Welt, noch in der jenseitigen Welt und auch in keiner anderen Welt.
20.02.12
19.02.12
16.02.12
Drunter und drüber
Ein mir völlig unbekannter Mann küsste mich wach.
Leider war es nur ein Traum.
Ich konnte den fremden, hübschen Mann nicht so alleine im Traum zurück lassen und nahm ihn noch bettwarm, wie er war, hinüber in meine Phantasie. Dort küsste er mich weiter und staunte nicht schlecht, welchen Spielraum meine Phantasie ihm bot.
Leider war es nur ein Traum.
Ich konnte den fremden, hübschen Mann nicht so alleine im Traum zurück lassen und nahm ihn noch bettwarm, wie er war, hinüber in meine Phantasie. Dort küsste er mich weiter und staunte nicht schlecht, welchen Spielraum meine Phantasie ihm bot.
14.02.12
Valentinstag
Die chinesische Studentin, die jedes Mal zum Sprechen aufsteht. Die Kolumbianerin, die einfach drauflos redet, wie sie lustig ist und die Lehrerin duzt. Die Senegalesin, die sich lauthals empört und etwas Respekt für die Lehrerin von ihr verlangt. Die Chinesin, die es nicht übers Herz bringt ihre Lehrerin ohne Titel anzusprechen, und mich inzwischen nicht mehr Lehrerin Jonka, sondern standhaft Frau Lehrerin Jonka nennt. Die Eritreerin, die beim Abschied mit ihren Fingerspitzen meine Handfläche streift und ihre Hand ans Herz legt. Die Vietnamesin, die mir bei der Begrüssung die Hand mit aller Kraft zusammen presst, weil sie gelernt hat, dass ein fester Händedruck ein Zeichen der Sympathie ist. Der tibetische Mönch, der jedes Arbeitsblatt mit beiden Händen entgegen nimmt und sich dabei drei Mal verneigt. Der Indonesier, der mich manchmal nachahmt und wie ich „oh Mmmann“ sagt, oder „ge-nau“. Der schlaue Kubaner, der beim Galgenspiel bei _ a _ _ _ t _ _ _ t a _ sofort das Wort Valentinstag erriet.
11.02.12
Wunschhütte
Eine Seite zum Verlieben und sich Verlieren. Eignet sich auch für ein geselliges, abendliches Ratespiel: Bei jedem Bild zuerst raten, wo die Hütte steht. Dann erst die Bildlegende lesen.
10.02.12
07.02.12
Winterabend
Zum ersten Mal bei Ebay etwas ersteigert. Indische Saris. Unglaublich schöne, alte, handbestickte Seidensaris. Sie kamen in weniger als einer Woche aus Indien bei mir an. In einem zugenähten Paket. Pakete aus Berlin brauchen länger.
Nun verbringe ich meine Sonntage nähend. Und Tee trinkend. Bin ganz auf Wintergemütlichkeit eingestellt, Ofenwärme, Kerzenlicht, Suppe, Tee, Nähen, Lesen. Duftöl. Wobei ich meine Vorurteile gegenüber Duftölen nie ablegen konnte. Eigentlich gegenüber Menschen, in deren Wohnung es nach Duftöl riecht. Die Vorstellung von Duftöl in Verbindung mit Menschen, die gerne sinnlich, lustvoll und kuschelig sagen. Oder das Wort erotisch. Und nun riecht es bei mir auch nach Winterabend oder Herbststurm. Aber so ist das: Ehe man sich versieht, ist es Winter und man wird selber kuschelig. Kuscheln ist ja auch geniessen. Zeit zum Geniessen haben. Ich hatte Zeit und lungerte auf dem Weihnachtsmarkt herum. Und da stand ich auf einmal an diesem Duftölstand, schnupperte an den Fläschchen und mochte die Fichte sehr und den Herbststurm. Ich frage den Verkäufer, was sein Lieblingsduft sei. Drachentanz, sagte er. Mir fiel auf der Stelle wieder ein, warum ich ein Vorurteil hatte. Ich sah mir die anderen Fläschchennamen an: Wintertraum, Wintermärchen, Elfenzauber, weiter wollte ich nicht lesen. Also roch ich wieder an den Fläschchen ohne auf die Namen zu sehen. Zwei Duftmischungen waren überraschend gut. Ich guckte: Tantra und Seitensprüngchen hiessen sie. Seitensprüngchen. Mein Vorurteil wuchs ins Unermessliche. Das sind bescheuerte Namen, sagte ich dem Verkäufer. Warum? Ich kaufe doch kein Duftöl, das Tantra heisst. Weisst du überhaupt, was Tantra ist, fragte er. Er wusste es, das sah ich ihm an. Ich fand es gerade nicht so kuschelig über Tantra zu diskutieren. Ich drehte den Deckel des Seitensprüngchens zu und dachte, dass sich alles immer um Sex dreht. Das Fläschchen hatte einfach den falschen Namen.
Nun verbringe ich meine Sonntage nähend. Und Tee trinkend. Bin ganz auf Wintergemütlichkeit eingestellt, Ofenwärme, Kerzenlicht, Suppe, Tee, Nähen, Lesen. Duftöl. Wobei ich meine Vorurteile gegenüber Duftölen nie ablegen konnte. Eigentlich gegenüber Menschen, in deren Wohnung es nach Duftöl riecht. Die Vorstellung von Duftöl in Verbindung mit Menschen, die gerne sinnlich, lustvoll und kuschelig sagen. Oder das Wort erotisch. Und nun riecht es bei mir auch nach Winterabend oder Herbststurm. Aber so ist das: Ehe man sich versieht, ist es Winter und man wird selber kuschelig. Kuscheln ist ja auch geniessen. Zeit zum Geniessen haben. Ich hatte Zeit und lungerte auf dem Weihnachtsmarkt herum. Und da stand ich auf einmal an diesem Duftölstand, schnupperte an den Fläschchen und mochte die Fichte sehr und den Herbststurm. Ich frage den Verkäufer, was sein Lieblingsduft sei. Drachentanz, sagte er. Mir fiel auf der Stelle wieder ein, warum ich ein Vorurteil hatte. Ich sah mir die anderen Fläschchennamen an: Wintertraum, Wintermärchen, Elfenzauber, weiter wollte ich nicht lesen. Also roch ich wieder an den Fläschchen ohne auf die Namen zu sehen. Zwei Duftmischungen waren überraschend gut. Ich guckte: Tantra und Seitensprüngchen hiessen sie. Seitensprüngchen. Mein Vorurteil wuchs ins Unermessliche. Das sind bescheuerte Namen, sagte ich dem Verkäufer. Warum? Ich kaufe doch kein Duftöl, das Tantra heisst. Weisst du überhaupt, was Tantra ist, fragte er. Er wusste es, das sah ich ihm an. Ich fand es gerade nicht so kuschelig über Tantra zu diskutieren. Ich drehte den Deckel des Seitensprüngchens zu und dachte, dass sich alles immer um Sex dreht. Das Fläschchen hatte einfach den falschen Namen.
04.02.12
Samstagabendträumen
02.02.12
Meine neuen Arbeitskolleginnen
Kaffeepause. Wir sitzen im Café und lesen einander die Sprüche unserer Zuckertüten vor. Und landen beim Thema Heiraten. Drei haben nie geheiratet. Die vierte sagt, dass sie einen secondhand Mann geheiratet hat. Frage mich, warum sie das so sagt. Sie hilft mir auf die Sprünge: "Ein Mann aus zweiter Hand, verstehst du, er war schon einmal verheiratet". Ich nicke, obwohl ich noch nicht ganz verstehe. Sehe die erste Frau vor mir, wie sie den Mann aus der Hand gibt. Wie ein Buch. Wie heisst es bei den antiquarischen Büchern noch: mit stärkeren Gebrauchs- und Alterungsspuren und kleinen Schäden. Ob sie das gemeint hat?
"Warum hast du nie geheiratet?", unterbricht eine Kollegin mein Nachdenken.
"Ich fand heiraten spiessig", sage ich.
"Hattest du nie den Wunsch, ein Hochzeitskleid zu tragen, Braut zu sein..."
"Nein. Ich war früher nicht so romantisch. Heute schon."
"Und wie ist es bei dir?", frage ich zurück.
Die Kollegin erzählt, dass sie zwanzig Jahre in Tschad gelebt hat, Entwicklungshilfe, keinen passenden Mann gefunden hat, ein ausreichend ausgefülltes und beschäftigtes Leben hatte und das Eheleben nicht vermisste.
Ich sehe sie an, und mir fällt ein, dass sie wie eine Frau aussieht, die nie Sex hatte. Überlege, warum man das einer Frau ansieht. Man sieht einer Frau ja auch an, wenn sie Sex hatte. Denke an diesen weichen Glanz der Lüsternheit in den Augen, an das Losgelöste in den Bewegungen, das gewisse Timbre in der Stimme, kann aber nicht zu Ende denken, weil ich die dritte Kollegin gerade sagen höre: "...und dachte immer, dass er eigentlich nicht der Richtige ist. Und so haben wir nie geheiratet. Jetzt sind wir zwanzig Jahre zusammen."
"Warum hast du nie geheiratet?", unterbricht eine Kollegin mein Nachdenken.
"Ich fand heiraten spiessig", sage ich.
"Hattest du nie den Wunsch, ein Hochzeitskleid zu tragen, Braut zu sein..."
"Nein. Ich war früher nicht so romantisch. Heute schon."
"Und wie ist es bei dir?", frage ich zurück.
Die Kollegin erzählt, dass sie zwanzig Jahre in Tschad gelebt hat, Entwicklungshilfe, keinen passenden Mann gefunden hat, ein ausreichend ausgefülltes und beschäftigtes Leben hatte und das Eheleben nicht vermisste.
Ich sehe sie an, und mir fällt ein, dass sie wie eine Frau aussieht, die nie Sex hatte. Überlege, warum man das einer Frau ansieht. Man sieht einer Frau ja auch an, wenn sie Sex hatte. Denke an diesen weichen Glanz der Lüsternheit in den Augen, an das Losgelöste in den Bewegungen, das gewisse Timbre in der Stimme, kann aber nicht zu Ende denken, weil ich die dritte Kollegin gerade sagen höre: "...und dachte immer, dass er eigentlich nicht der Richtige ist. Und so haben wir nie geheiratet. Jetzt sind wir zwanzig Jahre zusammen."
01.02.12
Vorknöpfen
Grosse Knöpfe am Kleid sind ja auch eine Art Botschaft. Es hat was Gutmütiges, Argloses. Eine Frau, die grosse Knöpfe trägt, möchte apart, stilvoll wirken. Aber sie wirkt eher wie eine anthroposophische Ergotherapeutin. Sie will auch beim Aufknöpfen bloss keine Umstände machen. Im Grunde ist sie harmoniebedürftig.
Bei Kleidern mit durchgehend kleinen Knöpfen verhält es sich noch anschaulicher:
Eine Frau mit einem durchgeknöpften Kleid empfindet es als sinnliche Geste Knöpfchen für Knöpfchen zu öffnen. Sie wünscht sich romantische Umstände. Die Anzahl offener Knöpfe verrät offensichtlich, wie sehr man sich um sie bemühen muss.
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