03.11.12
11.09.12
Hard Wax
Nun ist das Hähnchen im Ofen. Ich habe es sorgfältig gefüllt, mit Zitrone, Rosmarin und frischen Feigen. Draussen wird es jetzt schon wieder früh dunkel. Also schnell eine Kerze angezündet, weil man dann die Dunkelheit vor dem Fenster besser spürt. Es ist schön der Kerze zuzuschauen, nachzudenken, den Wachstropfen zu folgen.
Wachs ist etwas Hübsches, generell hart, zuweilen aber auch weich und anschmiegsam. Deshalb auch für romantische Momente die richtige Substanz. Nämlich dann, wenn überall kleine Lichter den Weg ins Unbekannte erleichtern sollen und auch der letzte Zweifel dahinschmelzen soll.
Apropos Wachs: gestern war ich im Wax Studio. Früher musste eine geplagte, umtriebige Frau wie ich dafür immer in kosmopolitische, sich auf dem letzten Stand befindende Städte wie Berlin oder Zürich fahren, weil es in Bern so was nicht gab. Inzwischen gibt es das Angebot auch hier zwischen den Laubengängen und Aareschlaufen.
Und ich habe alle Waxerinnen, die dort arbeiten, schon gehabt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich meine es nicht so, wie Männer es schulterklopfend zueinander nach dem fünften Bier sagen. Was ich sagen will ist eigentlich: Seit ich alle Waxerinnen mal hatte, verstehe ich, warum Männer die ganze Zeit an anderen Frauen rumstudieren. Warum sie sich vorstellen, wie Sex mit ihnen sein könnte. Ganz einfach - weil es mit jeder Frau komplett anders ist. Weil jede Frau so unglaublich anders rangeht und sich wieder völlig anders anfühlt. Jede hat ihren ganz eigenen Stil. Das ist echt ein Erlebnis.
Nun, bei den Männern ist mir das nie so aufgefallen. Ehrlich. Natürlich sind die Männer auch total verschieden, aber bei den Männern ist nicht das der Grund, warum ich als Frau zuweilen an einen anderen denken würde.
Bei den Frauen ist es das Wesen, das Temperament, die Art und Weise, wie sie etwas anpacken, das Scheue, Liebliche, oder das Praktische, Handfeste. Die Art und Weise, wie sie reagieren, sich einlassen, wie zart und durchlässig sie sind, oder wie körperlich, überfüllend.
Alle machen die gleiche Arbeit. Aber bei jeder ist es insgesamt komplett anders:
Die eine geht völlig hysterisch ran, es ist ihre Natur, sie wirft die Hände in die Luft bei der kleinsten Schmerzäusserung der Kundin. Sie will auf gar keinen Fall weh tun, aber es tut nun mal weh. Sie zögert beim Wachsabziehen und jammert, dass sie mir nicht weh tun will, aber das zögerliche Gezupfe tut noch viel mehr weh. Sie ruft ständig aiaiai und uiuiui und kann sich gar nicht mehr beruhigen, während ich immer heftiger auf der Liege rumzapple, und selber schon untröstlich bin, über das Drama, das sie verursacht.
Die andere ist eine Matrone. Sie pudert und tätschelt bei jeder Gelegenheit, massiert und streicht die Haut glatt, arbeitet grosszügig und legt ihre flache Hand fest und umfassend auf die Haut, wenn sie mit der anderen das Wachs abzieht. Ich bin eigentlich nur erstaunt, dass kein Eunuche aus dem Hintergrund auftaucht, der uns beiden, schwelgenden Frauen in unserem Boudoir Tee in zarten tulpenförmigen Gläsern bringt.
Und dann gab es da auch noch die Dresdnerin, die mit unglaublicher Schnelligkeit und Beiläufigkeit arbeitet. Sie streicht das Wachs wie Schmalz aufs Brot, und zack, wird das Wachs abgezogen, ritsch, ratsch, ohne jede Regung, mit spitzen Fingern an deren Enden überlange, hochtoupierte Fingernägel klarstellen, um was es hier eigentlich wirklich geht.
Eine ist eine ganz Gründliche, sie geht mit professioneller Routine an die Sache, bei der jeder Handgriff sitzt, die genau hinschaut, immer wieder mit den Fingern über die Haut fährt um nachzuprüfen, ob auch wirklich kein Härchen vergessen wurde, und dabei mit den Augen so nah rangeht, als würde sie ein Uhrwerk reparieren.
Es ist beeindruckend, geheimnisvoll und unverständlich. Mit jeder der Frauen ist es ein völlig anderes körperliches Erlebnis, obwohl jede die gleiche Arbeit macht.
Eigentlich ist es nicht weiter erstaunlich, dass dies den Männern nicht verborgen blieb. Frauen sind ein unergründliches Wunder.
Ich freue mich immer, wenn eine Neue da ist.
Ach wie die Zeit vergeht. Nun ist das Huhn schon beinahe fertig.
Und gleich kommt dieser unglaublich leckere Mann mit dem ich die nächsten Stunden an den Knöchlein nagen werde, bis ihn nichts in der Welt mehr davon zurückhalten kann, mein tickendes, glänzendes Uhrwerk zu ergründen.
Wachs ist etwas Hübsches, generell hart, zuweilen aber auch weich und anschmiegsam. Deshalb auch für romantische Momente die richtige Substanz. Nämlich dann, wenn überall kleine Lichter den Weg ins Unbekannte erleichtern sollen und auch der letzte Zweifel dahinschmelzen soll.
Apropos Wachs: gestern war ich im Wax Studio. Früher musste eine geplagte, umtriebige Frau wie ich dafür immer in kosmopolitische, sich auf dem letzten Stand befindende Städte wie Berlin oder Zürich fahren, weil es in Bern so was nicht gab. Inzwischen gibt es das Angebot auch hier zwischen den Laubengängen und Aareschlaufen.
Und ich habe alle Waxerinnen, die dort arbeiten, schon gehabt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich meine es nicht so, wie Männer es schulterklopfend zueinander nach dem fünften Bier sagen. Was ich sagen will ist eigentlich: Seit ich alle Waxerinnen mal hatte, verstehe ich, warum Männer die ganze Zeit an anderen Frauen rumstudieren. Warum sie sich vorstellen, wie Sex mit ihnen sein könnte. Ganz einfach - weil es mit jeder Frau komplett anders ist. Weil jede Frau so unglaublich anders rangeht und sich wieder völlig anders anfühlt. Jede hat ihren ganz eigenen Stil. Das ist echt ein Erlebnis.
Nun, bei den Männern ist mir das nie so aufgefallen. Ehrlich. Natürlich sind die Männer auch total verschieden, aber bei den Männern ist nicht das der Grund, warum ich als Frau zuweilen an einen anderen denken würde.
Bei den Frauen ist es das Wesen, das Temperament, die Art und Weise, wie sie etwas anpacken, das Scheue, Liebliche, oder das Praktische, Handfeste. Die Art und Weise, wie sie reagieren, sich einlassen, wie zart und durchlässig sie sind, oder wie körperlich, überfüllend.
Alle machen die gleiche Arbeit. Aber bei jeder ist es insgesamt komplett anders:
Die eine geht völlig hysterisch ran, es ist ihre Natur, sie wirft die Hände in die Luft bei der kleinsten Schmerzäusserung der Kundin. Sie will auf gar keinen Fall weh tun, aber es tut nun mal weh. Sie zögert beim Wachsabziehen und jammert, dass sie mir nicht weh tun will, aber das zögerliche Gezupfe tut noch viel mehr weh. Sie ruft ständig aiaiai und uiuiui und kann sich gar nicht mehr beruhigen, während ich immer heftiger auf der Liege rumzapple, und selber schon untröstlich bin, über das Drama, das sie verursacht.
Die andere ist eine Matrone. Sie pudert und tätschelt bei jeder Gelegenheit, massiert und streicht die Haut glatt, arbeitet grosszügig und legt ihre flache Hand fest und umfassend auf die Haut, wenn sie mit der anderen das Wachs abzieht. Ich bin eigentlich nur erstaunt, dass kein Eunuche aus dem Hintergrund auftaucht, der uns beiden, schwelgenden Frauen in unserem Boudoir Tee in zarten tulpenförmigen Gläsern bringt.
Und dann gab es da auch noch die Dresdnerin, die mit unglaublicher Schnelligkeit und Beiläufigkeit arbeitet. Sie streicht das Wachs wie Schmalz aufs Brot, und zack, wird das Wachs abgezogen, ritsch, ratsch, ohne jede Regung, mit spitzen Fingern an deren Enden überlange, hochtoupierte Fingernägel klarstellen, um was es hier eigentlich wirklich geht.
Eine ist eine ganz Gründliche, sie geht mit professioneller Routine an die Sache, bei der jeder Handgriff sitzt, die genau hinschaut, immer wieder mit den Fingern über die Haut fährt um nachzuprüfen, ob auch wirklich kein Härchen vergessen wurde, und dabei mit den Augen so nah rangeht, als würde sie ein Uhrwerk reparieren.
Es ist beeindruckend, geheimnisvoll und unverständlich. Mit jeder der Frauen ist es ein völlig anderes körperliches Erlebnis, obwohl jede die gleiche Arbeit macht.
Eigentlich ist es nicht weiter erstaunlich, dass dies den Männern nicht verborgen blieb. Frauen sind ein unergründliches Wunder.
Ich freue mich immer, wenn eine Neue da ist.
Ach wie die Zeit vergeht. Nun ist das Huhn schon beinahe fertig.
Und gleich kommt dieser unglaublich leckere Mann mit dem ich die nächsten Stunden an den Knöchlein nagen werde, bis ihn nichts in der Welt mehr davon zurückhalten kann, mein tickendes, glänzendes Uhrwerk zu ergründen.
02.09.12
Spätsommer
Die Spuren der durchfeierten Nacht am ganzen Körper spürbar. Wie die ersten gelben Blätter am Kirschbaum vor dem Fenster.
30.08.12
27.08.12
25.08.12
Gott ist ein Humorist
Dass Mückenstiche jucken, ist auch so ein fieser Scherz des Schöpfers. Aber dass Kratzen keine Erleichterung verschafft und alles noch schlimmer macht, finde ich gerade nicht lustig.
20.08.12
Beruhigen
Abends setze ich mich in den Garten und schaue der Sprenkelanlage zu, wie sie das Wasser über die durstigen Blumen fächert. Ich liebe diesen Wasserfächer. Kann stundenlang zusehen, wie er sich neigt und wieder erhebt, und wieder neigt, und wieder erhebt.
19.08.12
Schmackhafte Küche für traurige Frauen
Da ich den Braten nicht heiss essen kann, denkt da die kleine Hexe, behalte ich ihn auf kleiner Hitze im Ofen warm. So kann er in der Sauce ziehen und wird noch saftiger.
13.08.12
Sehnsucht ist, wenn es im Herzen zieht
Fiona klopft an die Wohnungstür.
"Komm rein," rufe ich aus der Küche.
"Wollte mal sehn, wie es dir geht."
"Wie du siehst, geht es mir nicht so gut." Die Wohnung und ich sehen unaufgeräumt und schmutzig aus.
"Was ist los?", fragt sie.
"Ich hänge durch. Bin traurig. Habe zu nichts Lust. Lasse mich gehen. Will niemand sehen," sage ich.
"Warum bist du traurig?"
"Weil er nicht kommt. Warten ist ungemütlich. Es ist wie die Tür des Herzens einen Spalt offen lassen. Es zieht. Heute habe ich zu."
"Ich sage dir mal, wie das Programm heute Nachmittag aussieht: Du duschst, machst dich hübsch, dann gehen wir raus und du öffnest dich wieder." Sie streckt ihre Brust raus und macht das Herz mit den Händen auf. Sie lacht.
"Erst saugen, dann duschen" sagt sie, während sie zur Tür raus geht und einen Blick in die Wohnung zurückwirft.
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse des Grand Casinos und trinken Kaffee.
Ich atme ein und mache auf.
"Komm rein," rufe ich aus der Küche.
"Wollte mal sehn, wie es dir geht."
"Wie du siehst, geht es mir nicht so gut." Die Wohnung und ich sehen unaufgeräumt und schmutzig aus.
"Was ist los?", fragt sie.
"Ich hänge durch. Bin traurig. Habe zu nichts Lust. Lasse mich gehen. Will niemand sehen," sage ich.
"Warum bist du traurig?"
"Weil er nicht kommt. Warten ist ungemütlich. Es ist wie die Tür des Herzens einen Spalt offen lassen. Es zieht. Heute habe ich zu."
"Ich sage dir mal, wie das Programm heute Nachmittag aussieht: Du duschst, machst dich hübsch, dann gehen wir raus und du öffnest dich wieder." Sie streckt ihre Brust raus und macht das Herz mit den Händen auf. Sie lacht.
"Erst saugen, dann duschen" sagt sie, während sie zur Tür raus geht und einen Blick in die Wohnung zurückwirft.
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse des Grand Casinos und trinken Kaffee.
Ich atme ein und mache auf.
11.08.12
Auf dem Panoramaweg
Besessen vom Duft des Bergtannenwaldes.
Der Erikateppich.
2061m: Männliche Pose (Hand auf dem Oberschenkel) und weibliche Pose (Hand an der Taille) fürs Gipfelfoto.
Die feine Bergluft.
Neue Wanderschuhe kommen auf meine Wunschliste dazu.
Das kühle Rugenbräu bei der Postautohaltestelle.
Lang und heiss duschen.
Beinwell.
06.08.12
Dessousschublade
Mal schauen, mit welcher Sauce ich ihn anrichte, wenn ich ihn koche, denkt da die kleine Hexe.
05.08.12
Divenaspekt
Ich könnte in den Swimmingpool der Gesellschaft eintauchen und die Zeit mit Dingen vertreiben, die man im Gesellschaftswasser macht, nach diesen schwimmenden bunten Gummiringen fischen, sie mit dem Arm auffädeln. Sicher würde ich sieben Ringe auf einmal schaffen, meine gesellige Natur.
Oder ich kann weiterhin am Poolrand stehen und zusehen, wie sieben Leute für mich in den Pool springen, die Luft anhalten, und nach den Ringen fischen und sie mir stolz aus dem Wasser entgegenstrecken.
Oder ich kann weiterhin am Poolrand stehen und zusehen, wie sieben Leute für mich in den Pool springen, die Luft anhalten, und nach den Ringen fischen und sie mir stolz aus dem Wasser entgegenstrecken.
01.08.12
ksskss
Als junge Frau wollte ich nicht von Bauarbeitern angepfiffen werden, weil ich stolz und verlegen war. In meinem Alter kann ich die Anmache der Bauarbeiter mit einem koketten Arschwackeln lachend zurückspielen, was für einige Sekunden allen den Tag versüsst. Doch leider pfeifen die Bauarbeiter meinem Alter nicht nach.
30.07.12
Auf der Pechvogel Flugbahn fliegen
Fuss verstaucht.
Dabei wollte ich am 1. August eine grosse Wanderung auf den Säntis machen.
Ausgerechnet heute morgen hatten wir das Thema Glück und Pech im Unterricht. Wir haben über Schutzengel geredet. Und uns gefragt, ob sie manchmal schlafen, oder uns auf eher unsanfte Art nur davor bewahren, in ein noch grösseres Unglück zu geraten. Aber ich kann nun leider nicht mehr nachprüfen, ob ich auf dem Säntis abstürzen würde.
Dabei wollte ich am 1. August eine grosse Wanderung auf den Säntis machen.
Ausgerechnet heute morgen hatten wir das Thema Glück und Pech im Unterricht. Wir haben über Schutzengel geredet. Und uns gefragt, ob sie manchmal schlafen, oder uns auf eher unsanfte Art nur davor bewahren, in ein noch grösseres Unglück zu geraten. Aber ich kann nun leider nicht mehr nachprüfen, ob ich auf dem Säntis abstürzen würde.
29.07.12
Wundern
Aline, eine alte Schulfreundin, besucht mich. Sie lebt in einer anderen Stadt, wir sehen uns nicht so oft. Sie hat einen Mann, der Professor an der Uni ist und vier halbwüchsige Kinder. Ich führe sie durch den Garten, dann zeige ich ihr das Treibhaus. Es ist ein sehr schönes, altes Glashaus etwas versteckt im hinteren Teil des Gartens. Wir entdecken zwischen den Giesskannen und leeren Töpfen ein, zwei leere Kondompackungen am Boden.
"Ah, da hat jemand gevögelt", sage ich, und ziehe die Gartenhandschuhe an, um die Packungen weg zu schmeissen.
"Was, hier?", wundert sich Aline.
"Offensichtlich", sage ich etwas mürrisch, kann mich aber nicht wirklich ärgern, weil die Lust noch wie ein Lächeln im Raume schwebt.
"Wie haben die das gemacht?", wundert sich Aline noch immer, "hier ist ja gar kein Platz. Im Stehen? Ich habe noch nie im Stehen ...", sie zögert, "... es im Stehen gemacht".
Wir schweigen, nun beide etwas verwundert.
"Ich wusste bis vor Kurzem auch nicht, was vögeln bedeutet", fährt sie fort. "Meine Kinder haben neulich einen Witz davon erzählt".
Sie erzählt mir den Witz:
Ein junger Mann klingelt an der Tür und sagt freundlich:"Guten Tag Frau Fischer. Ich komme Ihre Tochter abholen. Wir wollen gemeinsam fischen gehen.""Aber junger Mann", sagt die Mutter, "ich heisse doch Vogel!"Der junge Mann antwortet: "Ich weiss, aber ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen".
"Sie mussten mir den Witz erklären", gesteht sie lächelnd.
Ich lächle auch.
Wir leben in unseren eigenen Welten voller Verwunderung über die wirkliche Welt.
15.07.12
11.07.12
Üben
Rahel ist geschieden und trifft sich mit Männern, die sie im Internet kennen lernt, zu einem Glas Wein, um sie richtig kennen zu lernen. Dann stellt sich heraus, dass das mit den Männern nichts wird, weil sie nur von sich reden, oder weil sie doch rauchen, oder nur eine Affäre suchen, oder nicht wissen, was sie suchen, oder weil sie nicht wissen, dass man eine Frau mit Komplimenten, Aufmerksamkeiten, gierigen Augen und steifen Schwänzen überhäufen sollte.
Aber sie gibt nicht auf. So bleibt sie, wie sie sagt, in Übung.
Aber sie gibt nicht auf. So bleibt sie, wie sie sagt, in Übung.
05.07.12
Obsie
Heute habe ich im Unterricht ein Lied vorgesungen. Es passte so gut zum Thema: Indirekte Fragesätze mit ob. Hatte keine Tonaufnahme gefunden, also musste ich es wohl oder übel selber singen. Ich hatte es von meiner Mutter gelernt. Es ist ein altes Lied. Sie sang es am Klavier und ihre Hände hüpften, ganz Varieté mässig, weit ausholend auf der Tastatur auf und ab.
Es geht so:
Pause, sagte ich verlegen lächelnd, und flüchtete ins Lehrerzimmer.
Nach der Pause wollten alle das Lied lernen.
Es geht so:
Ich sang munter und drauflos, und am Ende wurde mir erst klar, dass ich tatsächlich ein Lied vorgesungen hatte und errötete. Die Klasse applaudierte und ich begann zu glühen. Ich sah den wohlwollenden Bilcken der Gruppe an, dass ich nicht aufhörte zu glühen.Ob sie -obsie -obsie -obsie ob sie mich noch liebtOb sie -obsie -obsie -obsie ob sie mir vergibtOb sie -obsie -obsie -obsie ob sie an mich denktoder in der zwischenzeit zwischenzeit zwischenzeitoder in der zwischenzeit -hat ihr Herz verschenkt.
Pause, sagte ich verlegen lächelnd, und flüchtete ins Lehrerzimmer.
Nach der Pause wollten alle das Lied lernen.
01.07.12
So schön, die faulen Sonntage
Es regnet pausenlos und ich bringe aus eifrigem Nichtstun eine nachmirdiesintflutartige Unordnung in meiner Wohnung zustande.
28.06.12
27.06.12
Von hoffnungsvollen Millimetern und unerhofften Belohnungen
Ich besuche neuerdings einen Bauchtanzkurs. Um beweglich zu bleiben.
Die Bauchtanzlehrerin zeigt genauso reizend wie ernüchternd vor, was beweglich ist. Wobei das Reizende überwiegt, wenn ich mich direkt hinter sie stelle, um nicht mich im Spiegel zu sehen sondern ihre schlangenhaften Bewegungen. Ich sehe staunend, wie sie ihren Brustkorb seitlich hin und her bewegt. Ich mache es ihr nach aber bei mir bewegt sich kein Millimeter. Übung, tröstet sie mich. Dran bleiben.
Ich bleibe dran. Nach Wochen ist meine Haltung perfekt, die Arme seitlich leicht gebogen, zu einem aufgehenden Mond, in dessen Schein sich mein Brustkorb aber wie eine Liftfasssäule noch immer keinen Millimeter bewegt.
Noch nie hat es mich so viel Überwindung gekostet, einen Kurs zu besuchen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, etwas zu tun, was einem gut tut, was aber Überwindung kostet. Ich meine nicht die momentane Trägheit überwinden, etwas zu tun, was man im Grunde gerne macht, weil es einem liegt. Sondern dran bleiben, wenn man darin nicht gut ist, wenn man niemals Meisterin sein wird, wenn man sich komisch dabei vorkommt, weil man sich als tanzende Liftfasssäule komisch vorkommt. Warum es sich lohnt? Weil manchmal genau das einem gut tun, was am meisten Überwindung kostet.
Zur Belohnung tanzt jede Woche eine wunderschöne Frau bauchfrei und hüftwippend direkt vor meinen Augen.
Die Bauchtanzlehrerin zeigt genauso reizend wie ernüchternd vor, was beweglich ist. Wobei das Reizende überwiegt, wenn ich mich direkt hinter sie stelle, um nicht mich im Spiegel zu sehen sondern ihre schlangenhaften Bewegungen. Ich sehe staunend, wie sie ihren Brustkorb seitlich hin und her bewegt. Ich mache es ihr nach aber bei mir bewegt sich kein Millimeter. Übung, tröstet sie mich. Dran bleiben.
Ich bleibe dran. Nach Wochen ist meine Haltung perfekt, die Arme seitlich leicht gebogen, zu einem aufgehenden Mond, in dessen Schein sich mein Brustkorb aber wie eine Liftfasssäule noch immer keinen Millimeter bewegt.
Noch nie hat es mich so viel Überwindung gekostet, einen Kurs zu besuchen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, etwas zu tun, was einem gut tut, was aber Überwindung kostet. Ich meine nicht die momentane Trägheit überwinden, etwas zu tun, was man im Grunde gerne macht, weil es einem liegt. Sondern dran bleiben, wenn man darin nicht gut ist, wenn man niemals Meisterin sein wird, wenn man sich komisch dabei vorkommt, weil man sich als tanzende Liftfasssäule komisch vorkommt. Warum es sich lohnt? Weil manchmal genau das einem gut tun, was am meisten Überwindung kostet.
Zur Belohnung tanzt jede Woche eine wunderschöne Frau bauchfrei und hüftwippend direkt vor meinen Augen.
23.06.12
21.06.12
20.06.12
Namen vergessen, Wörter verwechseln, Sachen verlieren.
Vergesslichkeit kann Unachtsamkeit sein. Es kann aber auch der Wunsch sein, der Realität zu entfliehen. Weil sie überfordert.
Es ist der unbewusste Wunsch, sich aus der Wirklichkeit auszuklinken.
Vielleicht auch, weil die eigene, innere Welt zu wenig Ausdruck findet.
Es ist der unbewusste Wunsch, sich aus der Wirklichkeit auszuklinken.
Vielleicht auch, weil die eigene, innere Welt zu wenig Ausdruck findet.
19.06.12
Darum fühle ich mich nicht
Die Kursteilnehmenden melden sich per SMS vom Unterricht ab. Absenzen-SMS heute:
Guten Morgen Frau Jonka. Ich bin D. Heute ich kann nicht in der Schule kommen, weil ich gewartet ganze Nacht auf mein Mann habe. Eigentlich ich habe Problem mit meinem Mann, darum fühle ich mich nicht. Ich will Deutsch lernen, aber tut mir leid, mein Leben sehr sehr schwierig. Ich warte auf meinen Mann bis 6:00 Uhr. Ich schlafe jetzt. Mein Mann noch nicht ankommen nach Hause. :-(
18.06.12
03.06.12
Das Gefühl von Heimat 2
Besuche eine Lesung in einer Galerie, die gar keine Lesung ist, sondern eine Diskussion. Bei Diskussionen reden immer die am meisten, die um den Brei herum reden. Dann platzt irgendwann irgendeinem den Kragen, und ruft, dass das alles Schwachsinn ist, und sagt, worum es im Brei in Wirklichkeit geht. Und alle könnten nach Hause gehen. Stattdessen sind alle unangenehm betroffen und reden weiter um den Brei herum.
Ich verlasse die Diskussion, was auch ein viel sagender Beitrag um den Brei herum ist. Aber ein stiller.
Einer der Musiker steht auch schon draussen. Es ist der Harmonikaspieler. Ich sage ihm, dass sein Spielen mir gut gefallen hat. Er bedankt sich und lächelt. Dann stehen wir eine Weile so rum und sagen nichts. Ich möchte mich weiter mit ihm unterhalten, weiss aber nicht, was sagen.
Ich frage ihn, mit wem er sonst noch zusammen spielt. "Mit ganz vielen", sagt er, und zählt ganz viele Namen auf, die ich natürlich nicht kenne. Ich merke, dass ich mich mit meiner Fragerei aufs Glatteis begebe. "Welches Ensemble ist denn das bekannteste?", rutscht es in mir aus. Aber ich gebe nicht auf: "Welche Musik spielst du am liebsten?". "Hm", sagt er, "Schrammelmusik". Schrammel, denke ich. Das Eis wird immer dünner. "Ich weiss nicht, was Schrammel ist", sage ich. Er rettet mich: "Komm mit", sagt er, "ich zeige es dir". Wir gehen in die Galerie zurück, die nach der Diskussion im Nullkommanichts menschenleer geworden ist. Er nimmt seine Harmonika und spielt mir den Rest des Abends Schrammelmusik vor.
Ich sitze da, weggetragen und verwöhnt von der Musik und frage mich, was für ein Gefühl diese Musik ist. Als hätte ich etwas zurückgefunden, was ich mein Leben lang vermisst habe. Wie eine Heimat.
Ich verlasse die Diskussion, was auch ein viel sagender Beitrag um den Brei herum ist. Aber ein stiller.
Einer der Musiker steht auch schon draussen. Es ist der Harmonikaspieler. Ich sage ihm, dass sein Spielen mir gut gefallen hat. Er bedankt sich und lächelt. Dann stehen wir eine Weile so rum und sagen nichts. Ich möchte mich weiter mit ihm unterhalten, weiss aber nicht, was sagen.
Ich frage ihn, mit wem er sonst noch zusammen spielt. "Mit ganz vielen", sagt er, und zählt ganz viele Namen auf, die ich natürlich nicht kenne. Ich merke, dass ich mich mit meiner Fragerei aufs Glatteis begebe. "Welches Ensemble ist denn das bekannteste?", rutscht es in mir aus. Aber ich gebe nicht auf: "Welche Musik spielst du am liebsten?". "Hm", sagt er, "Schrammelmusik". Schrammel, denke ich. Das Eis wird immer dünner. "Ich weiss nicht, was Schrammel ist", sage ich. Er rettet mich: "Komm mit", sagt er, "ich zeige es dir". Wir gehen in die Galerie zurück, die nach der Diskussion im Nullkommanichts menschenleer geworden ist. Er nimmt seine Harmonika und spielt mir den Rest des Abends Schrammelmusik vor.
Ich sitze da, weggetragen und verwöhnt von der Musik und frage mich, was für ein Gefühl diese Musik ist. Als hätte ich etwas zurückgefunden, was ich mein Leben lang vermisst habe. Wie eine Heimat.
Glückliche Tage
voller Bewegung, Ruhe,
Wind,
und vorzüglichem Wein.
Heurige hier, Kellergassen dort, Wein überall.
Juhfark.
So heisst ein ungarischer Weisswein von Meinklang.
Juhfark, zu deutsch Lämmerschweif, verdankt seinen Namen seiner länglichen, phallisch gebogenen Traubenform. Sattes Goldgelb, maskulin, feurig, extravagant.
Der beste Weisswein meines Lebens. 19 Euro die Flasche.
Unterwegs Kunst aus dem Autofenster.
Später Mittagessen. Rehbock mit Knödeln.
(Die Zitterpappel erkennt man gut an ihrem Stamm, der unten grau und oben weiss ist.)
Im Aspenwald (Aspen, Espen, Ziterpappeln) suche ich nach dem tatarischen Steppenahorn, der hier vorkommen soll. Im Nu habe ich mich verlaufen.
Finde stattdessen Flatterulmen, die wie Mangroven Brettwurzeln in die Luft schlagen.
Das Gefühl von Heimat
Ich setze mich neben einen alten Mann auf eine Bank am See. Wir sehen schweigend auf den See und ich frage mich, was für ein Gefühl das ist. Am See ist ein Gefühl. Viele Menschen lieben dieses Gefühl. Sie wünschen sich ein Haus am See oder machen Segelferien am See. Man kann im See baden oder auf Seepromenaden flanieren und hat immer dieses Gefühl.
Ich frage den Mann: "Was für ein Gefühl haben Sie am See?" Er denkt lange nach und sagt: Das Gefühl von Heimat. Dann schweigt er.
Der See schweigt auch. Er glitzert in der Sonne und behält seine Geheimnisse für sich.
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