Genfersee
26.12.12
23.12.12
Andacht
Meine Familie trifft sich einmal im Jahr, auf Wunsch meiner Mutter, in der Adventszeit. Als mein Vater noch lebte, waren wir zwanzig Personen. Also nur die Geschwister mit Anhang. Seit meine Mutter einen Wittwer geheiratet hat, hat sich die Grösse der Familie auf einen Schlag verdoppelt. Die zwei Sippen beäugen sich stets misstrauisch, wenn sie zusammen kommen. Alle geben sich höflich, weil man mit Eindringlingen, welche die Frechheit besitzen, so mir nichts dir nichts der eigenen Familie anzugehören, obwohl sie fremder nicht sein könnten, eben höflich bleiben muss. Nur die ganz Missgünstigen können sich die Namen der Geschwister der anderen Sippe nicht merken oder verwechseln die Kinder.
Meine Mutter, die ja sozusagen aus einer Organisten Dynastie entstammt, will mit der ganzen Familie Adventslieder singen. Vierstimmig, versteht sich. Die zusammengewürfelte Familie beäugt sich skeptisch und singt dabei: Oh Heiland reiss die Himmel auf. Aber es klingt nicht, wie es soll. Es klingt kläglich, genau genommen. Also seufzt meine Mutter und geht zur Weihnachtsgeschichte über. Eine Weihnachtsgeschichte ist traditionell eine Geschichte, die rührend ist, und worin gute Menschen anderen Menschen, die Pech haben, helfen oder etwas Gutes tun. Dieses Jahr handelt es sich um eine Aussenseiterin, eine einsame und verwahrloste alte Frau, die am Ende, Gott sei Dank, ein wenig Glück erfährt. Meine Mutter liest vor, die Familie nutzt auch diese Gelegenheit, sich ungläubig zu beäugen, während sie zuhört. Alle machen andächtige Gesichter, weil Weihnachtsgeschichten mit Andacht gehört werden sollen. Die Geschichte zieht sich dieses Jahr sehr in die Länge. Wer schreibt solche Geschichten, denke ich, und verliere endgültig den Faden. Und dann: „... die Fenster waren geputzt, der Boden gebohnert und gewichst, ...“ Das Wort schwebt im Raume, wie ein Ufo, das im nächsten Moment all jene in den aufgerissenen Himmel entführen wird, die es wagen jetzt ans Wichsen zu denken. Zu spät. Das unterdrückte pubertäre Kichern des ersten Sprösslings ist nicht mehr zu überhören. Gleich darauf kichern alle Pubertierenden. Dann lachen auch einige Erwachsene. Nun können sich die Halbwüchsigen kaum mehr einkriegen vor Lachen. „Warum lacht ihr?“ fragt meine Mutter, die unbeirrt weiterliest.
Ich mag diese seltenen und verbindenden Momente, wenn die eigentlichen, verborgenen Interessen jedes Einzelnen lachend ans Licht kommen.
Meine Mutter, die ja sozusagen aus einer Organisten Dynastie entstammt, will mit der ganzen Familie Adventslieder singen. Vierstimmig, versteht sich. Die zusammengewürfelte Familie beäugt sich skeptisch und singt dabei: Oh Heiland reiss die Himmel auf. Aber es klingt nicht, wie es soll. Es klingt kläglich, genau genommen. Also seufzt meine Mutter und geht zur Weihnachtsgeschichte über. Eine Weihnachtsgeschichte ist traditionell eine Geschichte, die rührend ist, und worin gute Menschen anderen Menschen, die Pech haben, helfen oder etwas Gutes tun. Dieses Jahr handelt es sich um eine Aussenseiterin, eine einsame und verwahrloste alte Frau, die am Ende, Gott sei Dank, ein wenig Glück erfährt. Meine Mutter liest vor, die Familie nutzt auch diese Gelegenheit, sich ungläubig zu beäugen, während sie zuhört. Alle machen andächtige Gesichter, weil Weihnachtsgeschichten mit Andacht gehört werden sollen. Die Geschichte zieht sich dieses Jahr sehr in die Länge. Wer schreibt solche Geschichten, denke ich, und verliere endgültig den Faden. Und dann: „... die Fenster waren geputzt, der Boden gebohnert und gewichst, ...“ Das Wort schwebt im Raume, wie ein Ufo, das im nächsten Moment all jene in den aufgerissenen Himmel entführen wird, die es wagen jetzt ans Wichsen zu denken. Zu spät. Das unterdrückte pubertäre Kichern des ersten Sprösslings ist nicht mehr zu überhören. Gleich darauf kichern alle Pubertierenden. Dann lachen auch einige Erwachsene. Nun können sich die Halbwüchsigen kaum mehr einkriegen vor Lachen. „Warum lacht ihr?“ fragt meine Mutter, die unbeirrt weiterliest.
Ich mag diese seltenen und verbindenden Momente, wenn die eigentlichen, verborgenen Interessen jedes Einzelnen lachend ans Licht kommen.
12.12.12
Noch ein kleiner Espresso am Abend
und ich konnte das Einschlafen nach drei Stunden getrost aufgeben. Ich las die ganze Nacht und wurde nicht schläfrig. Gegen fünf Uhr morgens schlief ich dann ein.
Im Tiefschlaf stand ich wieder auf und ging arbeiten. Alle sahen mich besorgt an und fragten: "Gehts?"
Manchmal muss ich einfach ausprobieren, ob sich die folgeschweren, ausreichend erprobten Gesetzmässigkeiten (Kaffe am Abend - kein Schlaf, rohe Zwiebeln - Blähung, Cocktails - Kater am Morgen) nicht einfach austricksen lassen.
Dummerweise verlieren sie der Lust und Laune wegen nicht ihre Gültigkeit.
Im Tiefschlaf stand ich wieder auf und ging arbeiten. Alle sahen mich besorgt an und fragten: "Gehts?"
Manchmal muss ich einfach ausprobieren, ob sich die folgeschweren, ausreichend erprobten Gesetzmässigkeiten (Kaffe am Abend - kein Schlaf, rohe Zwiebeln - Blähung, Cocktails - Kater am Morgen) nicht einfach austricksen lassen.
Dummerweise verlieren sie der Lust und Laune wegen nicht ihre Gültigkeit.
10.12.12
Tage im Adventskalender
Ich arbeite nun bis Weihnachten fast das doppelte Pensum. Weil viele Kolleginnen vor Erschöpfung krankgeschrieben sind, mache ich Vertretungen. Auch sonst ist gerade viel los, Einladungen da und dort, Termine, Gäste, Fondue essen... und ich komme dadurch nicht so recht zu mir. Das gibt mir dieses Gefühl, dass ich neben mir stehe. Und das ist kein super Gefühl. Mit den vielen Ablenkungen und dem geschäftigen Tun verschliesse ich mir auch den Gedanken, dass es bald Weihnachten ist, und ich noch überhaupt keinen Plan habe, und alleine bin und vergeblich hoffe, dass sich in letzter Minute noch etwas Grossartiges auftun wird....
09.12.12
Schlaflos mit einer kleinen Prinzessin
Meine Patentochter ist drei. Sie war noch nie bei mir und darf, wenn sie will, bei mir übernachten. Vorgesehen ist, dass sie will. Also gehen wir am Nachmittag schlitteln, dann zu mir. Ich verkleide sie in eine Prinzessin mit meinen handbestickten Seidensaris. Sie tanzt vor dem Spiegel und ich koche das Abendessen. Reis und Gemüse. Wir essen, aber sie mag keinen Reis und kein Gemüse. Wir spielen Verstecken, dann gibts Nachtisch, Pyjama, Zähneputzen, das übliche Programm. Dann gibt es noch eine Gutenachtgeschichte im Bett. Sie bekommt eine Matratze neben meinem Bett. Sie schliesst die Augen und ich singe: "Heyo spann den Wagen an" und gebe ihr einen Gutenachtkuss auf die Stirn. Sie setzt sich auf: "Ich habe Hunger". Wir gehen in die Küche und sie isst einen Löffel vom Reis, den sie beim Abendessen nicht angerührt hat. "Jetzt gehe ich schlafen", verkündet sie und legt sich wieder in ihr Bett. Ich singe: "Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder" und hoffe, dass sie von Blumen und Trauben träumt. "Ich muss kacken", fällt ihr ein. Was kein Trick war. Dann hat sie noch Durst und später kann sie nicht einschlafen. "Soll ich mich zu dir legen?", frage ich sie. "Ja".
Ich singe: "Müde bin ich geh zur Ruh, schliesse meine Augen zu" und schlafe dabei fast ein. "Kannst du mir die Hand geben?" fragt sie. Ich nehme ihre Hand und sie schläft sofort ein. Ich stehe auf und mache den Abwasch. Räume auf. Dann lege ich mich ins Bett und lese bis ich einschlafe.
Um zwei Uhr wacht sie auf und weint: "Mama!". Sie schluchzt und ist ganz verzweifelt: "Mama, Mama, Mama!" Ich nehme sie in die Arme und wiege sie. "Es ist mitten in der Nacht", sage ich , "jetzt schlafen wir noch ein bisschen und dann kommt Mama". Ich nehme sie zu mir ins Bett und halte ihre Hand. Sofort schläft sie wieder ein. Ich halte die ganze Nacht ihre Hand und mache kein Auge mehr zu.
Ich singe: "Müde bin ich geh zur Ruh, schliesse meine Augen zu" und schlafe dabei fast ein. "Kannst du mir die Hand geben?" fragt sie. Ich nehme ihre Hand und sie schläft sofort ein. Ich stehe auf und mache den Abwasch. Räume auf. Dann lege ich mich ins Bett und lese bis ich einschlafe.
Um zwei Uhr wacht sie auf und weint: "Mama!". Sie schluchzt und ist ganz verzweifelt: "Mama, Mama, Mama!" Ich nehme sie in die Arme und wiege sie. "Es ist mitten in der Nacht", sage ich , "jetzt schlafen wir noch ein bisschen und dann kommt Mama". Ich nehme sie zu mir ins Bett und halte ihre Hand. Sofort schläft sie wieder ein. Ich halte die ganze Nacht ihre Hand und mache kein Auge mehr zu.
08.12.12
Woche für Woche vergeht
Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Ich könnte ganze Wände mit Sexabenteuern, Romanzen und Eskapaden tapezieren, die ich mir ersehne. Aber da ist nicht einmal ein Mann in Sicht. Ausser einem. Der mich entzückt und verwirrt. Aber der nicht für mich bestimmt ist. Ich weiss es. Und doch sehe ich in allen Silhouetten, die durch meine Phantasien flattern, nur ihn.
Ich ersehne immer nur ihn.
Ich ersehne immer nur ihn.
03.11.12
11.09.12
Hard Wax
Nun ist das Hähnchen im Ofen. Ich habe es sorgfältig gefüllt, mit Zitrone, Rosmarin und frischen Feigen. Draussen wird es jetzt schon wieder früh dunkel. Also schnell eine Kerze angezündet, weil man dann die Dunkelheit vor dem Fenster besser spürt. Es ist schön der Kerze zuzuschauen, nachzudenken, den Wachstropfen zu folgen.
Wachs ist etwas Hübsches, generell hart, zuweilen aber auch weich und anschmiegsam. Deshalb auch für romantische Momente die richtige Substanz. Nämlich dann, wenn überall kleine Lichter den Weg ins Unbekannte erleichtern sollen und auch der letzte Zweifel dahinschmelzen soll.
Apropos Wachs: gestern war ich im Wax Studio. Früher musste eine geplagte, umtriebige Frau wie ich dafür immer in kosmopolitische, sich auf dem letzten Stand befindende Städte wie Berlin oder Zürich fahren, weil es in Bern so was nicht gab. Inzwischen gibt es das Angebot auch hier zwischen den Laubengängen und Aareschlaufen.
Und ich habe alle Waxerinnen, die dort arbeiten, schon gehabt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich meine es nicht so, wie Männer es schulterklopfend zueinander nach dem fünften Bier sagen. Was ich sagen will ist eigentlich: Seit ich alle Waxerinnen mal hatte, verstehe ich, warum Männer die ganze Zeit an anderen Frauen rumstudieren. Warum sie sich vorstellen, wie Sex mit ihnen sein könnte. Ganz einfach - weil es mit jeder Frau komplett anders ist. Weil jede Frau so unglaublich anders rangeht und sich wieder völlig anders anfühlt. Jede hat ihren ganz eigenen Stil. Das ist echt ein Erlebnis.
Nun, bei den Männern ist mir das nie so aufgefallen. Ehrlich. Natürlich sind die Männer auch total verschieden, aber bei den Männern ist nicht das der Grund, warum ich als Frau zuweilen an einen anderen denken würde.
Bei den Frauen ist es das Wesen, das Temperament, die Art und Weise, wie sie etwas anpacken, das Scheue, Liebliche, oder das Praktische, Handfeste. Die Art und Weise, wie sie reagieren, sich einlassen, wie zart und durchlässig sie sind, oder wie körperlich, überfüllend.
Alle machen die gleiche Arbeit. Aber bei jeder ist es insgesamt komplett anders:
Die eine geht völlig hysterisch ran, es ist ihre Natur, sie wirft die Hände in die Luft bei der kleinsten Schmerzäusserung der Kundin. Sie will auf gar keinen Fall weh tun, aber es tut nun mal weh. Sie zögert beim Wachsabziehen und jammert, dass sie mir nicht weh tun will, aber das zögerliche Gezupfe tut noch viel mehr weh. Sie ruft ständig aiaiai und uiuiui und kann sich gar nicht mehr beruhigen, während ich immer heftiger auf der Liege rumzapple, und selber schon untröstlich bin, über das Drama, das sie verursacht.
Die andere ist eine Matrone. Sie pudert und tätschelt bei jeder Gelegenheit, massiert und streicht die Haut glatt, arbeitet grosszügig und legt ihre flache Hand fest und umfassend auf die Haut, wenn sie mit der anderen das Wachs abzieht. Ich bin eigentlich nur erstaunt, dass kein Eunuche aus dem Hintergrund auftaucht, der uns beiden, schwelgenden Frauen in unserem Boudoir Tee in zarten tulpenförmigen Gläsern bringt.
Und dann gab es da auch noch die Dresdnerin, die mit unglaublicher Schnelligkeit und Beiläufigkeit arbeitet. Sie streicht das Wachs wie Schmalz aufs Brot, und zack, wird das Wachs abgezogen, ritsch, ratsch, ohne jede Regung, mit spitzen Fingern an deren Enden überlange, hochtoupierte Fingernägel klarstellen, um was es hier eigentlich wirklich geht.
Eine ist eine ganz Gründliche, sie geht mit professioneller Routine an die Sache, bei der jeder Handgriff sitzt, die genau hinschaut, immer wieder mit den Fingern über die Haut fährt um nachzuprüfen, ob auch wirklich kein Härchen vergessen wurde, und dabei mit den Augen so nah rangeht, als würde sie ein Uhrwerk reparieren.
Es ist beeindruckend, geheimnisvoll und unverständlich. Mit jeder der Frauen ist es ein völlig anderes körperliches Erlebnis, obwohl jede die gleiche Arbeit macht.
Eigentlich ist es nicht weiter erstaunlich, dass dies den Männern nicht verborgen blieb. Frauen sind ein unergründliches Wunder.
Ich freue mich immer, wenn eine Neue da ist.
Ach wie die Zeit vergeht. Nun ist das Huhn schon beinahe fertig.
Und gleich kommt dieser unglaublich leckere Mann mit dem ich die nächsten Stunden an den Knöchlein nagen werde, bis ihn nichts in der Welt mehr davon zurückhalten kann, mein tickendes, glänzendes Uhrwerk zu ergründen.
Wachs ist etwas Hübsches, generell hart, zuweilen aber auch weich und anschmiegsam. Deshalb auch für romantische Momente die richtige Substanz. Nämlich dann, wenn überall kleine Lichter den Weg ins Unbekannte erleichtern sollen und auch der letzte Zweifel dahinschmelzen soll.
Apropos Wachs: gestern war ich im Wax Studio. Früher musste eine geplagte, umtriebige Frau wie ich dafür immer in kosmopolitische, sich auf dem letzten Stand befindende Städte wie Berlin oder Zürich fahren, weil es in Bern so was nicht gab. Inzwischen gibt es das Angebot auch hier zwischen den Laubengängen und Aareschlaufen.
Und ich habe alle Waxerinnen, die dort arbeiten, schon gehabt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich meine es nicht so, wie Männer es schulterklopfend zueinander nach dem fünften Bier sagen. Was ich sagen will ist eigentlich: Seit ich alle Waxerinnen mal hatte, verstehe ich, warum Männer die ganze Zeit an anderen Frauen rumstudieren. Warum sie sich vorstellen, wie Sex mit ihnen sein könnte. Ganz einfach - weil es mit jeder Frau komplett anders ist. Weil jede Frau so unglaublich anders rangeht und sich wieder völlig anders anfühlt. Jede hat ihren ganz eigenen Stil. Das ist echt ein Erlebnis.
Nun, bei den Männern ist mir das nie so aufgefallen. Ehrlich. Natürlich sind die Männer auch total verschieden, aber bei den Männern ist nicht das der Grund, warum ich als Frau zuweilen an einen anderen denken würde.
Bei den Frauen ist es das Wesen, das Temperament, die Art und Weise, wie sie etwas anpacken, das Scheue, Liebliche, oder das Praktische, Handfeste. Die Art und Weise, wie sie reagieren, sich einlassen, wie zart und durchlässig sie sind, oder wie körperlich, überfüllend.
Alle machen die gleiche Arbeit. Aber bei jeder ist es insgesamt komplett anders:
Die eine geht völlig hysterisch ran, es ist ihre Natur, sie wirft die Hände in die Luft bei der kleinsten Schmerzäusserung der Kundin. Sie will auf gar keinen Fall weh tun, aber es tut nun mal weh. Sie zögert beim Wachsabziehen und jammert, dass sie mir nicht weh tun will, aber das zögerliche Gezupfe tut noch viel mehr weh. Sie ruft ständig aiaiai und uiuiui und kann sich gar nicht mehr beruhigen, während ich immer heftiger auf der Liege rumzapple, und selber schon untröstlich bin, über das Drama, das sie verursacht.
Die andere ist eine Matrone. Sie pudert und tätschelt bei jeder Gelegenheit, massiert und streicht die Haut glatt, arbeitet grosszügig und legt ihre flache Hand fest und umfassend auf die Haut, wenn sie mit der anderen das Wachs abzieht. Ich bin eigentlich nur erstaunt, dass kein Eunuche aus dem Hintergrund auftaucht, der uns beiden, schwelgenden Frauen in unserem Boudoir Tee in zarten tulpenförmigen Gläsern bringt.
Und dann gab es da auch noch die Dresdnerin, die mit unglaublicher Schnelligkeit und Beiläufigkeit arbeitet. Sie streicht das Wachs wie Schmalz aufs Brot, und zack, wird das Wachs abgezogen, ritsch, ratsch, ohne jede Regung, mit spitzen Fingern an deren Enden überlange, hochtoupierte Fingernägel klarstellen, um was es hier eigentlich wirklich geht.
Eine ist eine ganz Gründliche, sie geht mit professioneller Routine an die Sache, bei der jeder Handgriff sitzt, die genau hinschaut, immer wieder mit den Fingern über die Haut fährt um nachzuprüfen, ob auch wirklich kein Härchen vergessen wurde, und dabei mit den Augen so nah rangeht, als würde sie ein Uhrwerk reparieren.
Es ist beeindruckend, geheimnisvoll und unverständlich. Mit jeder der Frauen ist es ein völlig anderes körperliches Erlebnis, obwohl jede die gleiche Arbeit macht.
Eigentlich ist es nicht weiter erstaunlich, dass dies den Männern nicht verborgen blieb. Frauen sind ein unergründliches Wunder.
Ich freue mich immer, wenn eine Neue da ist.
Ach wie die Zeit vergeht. Nun ist das Huhn schon beinahe fertig.
Und gleich kommt dieser unglaublich leckere Mann mit dem ich die nächsten Stunden an den Knöchlein nagen werde, bis ihn nichts in der Welt mehr davon zurückhalten kann, mein tickendes, glänzendes Uhrwerk zu ergründen.
02.09.12
Spätsommer
Die Spuren der durchfeierten Nacht am ganzen Körper spürbar. Wie die ersten gelben Blätter am Kirschbaum vor dem Fenster.
30.08.12
27.08.12
25.08.12
Gott ist ein Humorist
Dass Mückenstiche jucken, ist auch so ein fieser Scherz des Schöpfers. Aber dass Kratzen keine Erleichterung verschafft und alles noch schlimmer macht, finde ich gerade nicht lustig.
20.08.12
Beruhigen
Abends setze ich mich in den Garten und schaue der Sprenkelanlage zu, wie sie das Wasser über die durstigen Blumen fächert. Ich liebe diesen Wasserfächer. Kann stundenlang zusehen, wie er sich neigt und wieder erhebt, und wieder neigt, und wieder erhebt.
19.08.12
Schmackhafte Küche für traurige Frauen
Da ich den Braten nicht heiss essen kann, denkt da die kleine Hexe, behalte ich ihn auf kleiner Hitze im Ofen warm. So kann er in der Sauce ziehen und wird noch saftiger.
13.08.12
Sehnsucht ist, wenn es im Herzen zieht
Fiona klopft an die Wohnungstür.
"Komm rein," rufe ich aus der Küche.
"Wollte mal sehn, wie es dir geht."
"Wie du siehst, geht es mir nicht so gut." Die Wohnung und ich sehen unaufgeräumt und schmutzig aus.
"Was ist los?", fragt sie.
"Ich hänge durch. Bin traurig. Habe zu nichts Lust. Lasse mich gehen. Will niemand sehen," sage ich.
"Warum bist du traurig?"
"Weil er nicht kommt. Warten ist ungemütlich. Es ist wie die Tür des Herzens einen Spalt offen lassen. Es zieht. Heute habe ich zu."
"Ich sage dir mal, wie das Programm heute Nachmittag aussieht: Du duschst, machst dich hübsch, dann gehen wir raus und du öffnest dich wieder." Sie streckt ihre Brust raus und macht das Herz mit den Händen auf. Sie lacht.
"Erst saugen, dann duschen" sagt sie, während sie zur Tür raus geht und einen Blick in die Wohnung zurückwirft.
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse des Grand Casinos und trinken Kaffee.
Ich atme ein und mache auf.
"Komm rein," rufe ich aus der Küche.
"Wollte mal sehn, wie es dir geht."
"Wie du siehst, geht es mir nicht so gut." Die Wohnung und ich sehen unaufgeräumt und schmutzig aus.
"Was ist los?", fragt sie.
"Ich hänge durch. Bin traurig. Habe zu nichts Lust. Lasse mich gehen. Will niemand sehen," sage ich.
"Warum bist du traurig?"
"Weil er nicht kommt. Warten ist ungemütlich. Es ist wie die Tür des Herzens einen Spalt offen lassen. Es zieht. Heute habe ich zu."
"Ich sage dir mal, wie das Programm heute Nachmittag aussieht: Du duschst, machst dich hübsch, dann gehen wir raus und du öffnest dich wieder." Sie streckt ihre Brust raus und macht das Herz mit den Händen auf. Sie lacht.
"Erst saugen, dann duschen" sagt sie, während sie zur Tür raus geht und einen Blick in die Wohnung zurückwirft.
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse des Grand Casinos und trinken Kaffee.
Ich atme ein und mache auf.
11.08.12
Auf dem Panoramaweg
Besessen vom Duft des Bergtannenwaldes.
Der Erikateppich.
2061m: Männliche Pose (Hand auf dem Oberschenkel) und weibliche Pose (Hand an der Taille) fürs Gipfelfoto.
Die feine Bergluft.
Neue Wanderschuhe kommen auf meine Wunschliste dazu.
Das kühle Rugenbräu bei der Postautohaltestelle.
Lang und heiss duschen.
Beinwell.
06.08.12
Dessousschublade
Mal schauen, mit welcher Sauce ich ihn anrichte, wenn ich ihn koche, denkt da die kleine Hexe.
05.08.12
Divenaspekt
Ich könnte in den Swimmingpool der Gesellschaft eintauchen und die Zeit mit Dingen vertreiben, die man im Gesellschaftswasser macht, nach diesen schwimmenden bunten Gummiringen fischen, sie mit dem Arm auffädeln. Sicher würde ich sieben Ringe auf einmal schaffen, meine gesellige Natur.
Oder ich kann weiterhin am Poolrand stehen und zusehen, wie sieben Leute für mich in den Pool springen, die Luft anhalten, und nach den Ringen fischen und sie mir stolz aus dem Wasser entgegenstrecken.
Oder ich kann weiterhin am Poolrand stehen und zusehen, wie sieben Leute für mich in den Pool springen, die Luft anhalten, und nach den Ringen fischen und sie mir stolz aus dem Wasser entgegenstrecken.
01.08.12
ksskss
Als junge Frau wollte ich nicht von Bauarbeitern angepfiffen werden, weil ich stolz und verlegen war. In meinem Alter kann ich die Anmache der Bauarbeiter mit einem koketten Arschwackeln lachend zurückspielen, was für einige Sekunden allen den Tag versüsst. Doch leider pfeifen die Bauarbeiter meinem Alter nicht nach.
30.07.12
Auf der Pechvogel Flugbahn fliegen
Fuss verstaucht.
Dabei wollte ich am 1. August eine grosse Wanderung auf den Säntis machen.
Ausgerechnet heute morgen hatten wir das Thema Glück und Pech im Unterricht. Wir haben über Schutzengel geredet. Und uns gefragt, ob sie manchmal schlafen, oder uns auf eher unsanfte Art nur davor bewahren, in ein noch grösseres Unglück zu geraten. Aber ich kann nun leider nicht mehr nachprüfen, ob ich auf dem Säntis abstürzen würde.
Dabei wollte ich am 1. August eine grosse Wanderung auf den Säntis machen.
Ausgerechnet heute morgen hatten wir das Thema Glück und Pech im Unterricht. Wir haben über Schutzengel geredet. Und uns gefragt, ob sie manchmal schlafen, oder uns auf eher unsanfte Art nur davor bewahren, in ein noch grösseres Unglück zu geraten. Aber ich kann nun leider nicht mehr nachprüfen, ob ich auf dem Säntis abstürzen würde.
29.07.12
Wundern
Aline, eine alte Schulfreundin, besucht mich. Sie lebt in einer anderen Stadt, wir sehen uns nicht so oft. Sie hat einen Mann, der Professor an der Uni ist und vier halbwüchsige Kinder. Ich führe sie durch den Garten, dann zeige ich ihr das Treibhaus. Es ist ein sehr schönes, altes Glashaus etwas versteckt im hinteren Teil des Gartens. Wir entdecken zwischen den Giesskannen und leeren Töpfen ein, zwei leere Kondompackungen am Boden.
"Ah, da hat jemand gevögelt", sage ich, und ziehe die Gartenhandschuhe an, um die Packungen weg zu schmeissen.
"Was, hier?", wundert sich Aline.
"Offensichtlich", sage ich etwas mürrisch, kann mich aber nicht wirklich ärgern, weil die Lust noch wie ein Lächeln im Raume schwebt.
"Wie haben die das gemacht?", wundert sich Aline noch immer, "hier ist ja gar kein Platz. Im Stehen? Ich habe noch nie im Stehen ...", sie zögert, "... es im Stehen gemacht".
Wir schweigen, nun beide etwas verwundert.
"Ich wusste bis vor Kurzem auch nicht, was vögeln bedeutet", fährt sie fort. "Meine Kinder haben neulich einen Witz davon erzählt".
Sie erzählt mir den Witz:
Ein junger Mann klingelt an der Tür und sagt freundlich:"Guten Tag Frau Fischer. Ich komme Ihre Tochter abholen. Wir wollen gemeinsam fischen gehen.""Aber junger Mann", sagt die Mutter, "ich heisse doch Vogel!"Der junge Mann antwortet: "Ich weiss, aber ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen".
"Sie mussten mir den Witz erklären", gesteht sie lächelnd.
Ich lächle auch.
Wir leben in unseren eigenen Welten voller Verwunderung über die wirkliche Welt.
15.07.12
11.07.12
Üben
Rahel ist geschieden und trifft sich mit Männern, die sie im Internet kennen lernt, zu einem Glas Wein, um sie richtig kennen zu lernen. Dann stellt sich heraus, dass das mit den Männern nichts wird, weil sie nur von sich reden, oder weil sie doch rauchen, oder nur eine Affäre suchen, oder nicht wissen, was sie suchen, oder weil sie nicht wissen, dass man eine Frau mit Komplimenten, Aufmerksamkeiten, gierigen Augen und steifen Schwänzen überhäufen sollte.
Aber sie gibt nicht auf. So bleibt sie, wie sie sagt, in Übung.
Aber sie gibt nicht auf. So bleibt sie, wie sie sagt, in Übung.
05.07.12
Obsie
Heute habe ich im Unterricht ein Lied vorgesungen. Es passte so gut zum Thema: Indirekte Fragesätze mit ob. Hatte keine Tonaufnahme gefunden, also musste ich es wohl oder übel selber singen. Ich hatte es von meiner Mutter gelernt. Es ist ein altes Lied. Sie sang es am Klavier und ihre Hände hüpften, ganz Varieté mässig, weit ausholend auf der Tastatur auf und ab.
Es geht so:
Pause, sagte ich verlegen lächelnd, und flüchtete ins Lehrerzimmer.
Nach der Pause wollten alle das Lied lernen.
Es geht so:
Ich sang munter und drauflos, und am Ende wurde mir erst klar, dass ich tatsächlich ein Lied vorgesungen hatte und errötete. Die Klasse applaudierte und ich begann zu glühen. Ich sah den wohlwollenden Bilcken der Gruppe an, dass ich nicht aufhörte zu glühen.Ob sie -obsie -obsie -obsie ob sie mich noch liebtOb sie -obsie -obsie -obsie ob sie mir vergibtOb sie -obsie -obsie -obsie ob sie an mich denktoder in der zwischenzeit zwischenzeit zwischenzeitoder in der zwischenzeit -hat ihr Herz verschenkt.
Pause, sagte ich verlegen lächelnd, und flüchtete ins Lehrerzimmer.
Nach der Pause wollten alle das Lied lernen.
01.07.12
So schön, die faulen Sonntage
Es regnet pausenlos und ich bringe aus eifrigem Nichtstun eine nachmirdiesintflutartige Unordnung in meiner Wohnung zustande.
28.06.12
27.06.12
Von hoffnungsvollen Millimetern und unerhofften Belohnungen
Ich besuche neuerdings einen Bauchtanzkurs. Um beweglich zu bleiben.
Die Bauchtanzlehrerin zeigt genauso reizend wie ernüchternd vor, was beweglich ist. Wobei das Reizende überwiegt, wenn ich mich direkt hinter sie stelle, um nicht mich im Spiegel zu sehen sondern ihre schlangenhaften Bewegungen. Ich sehe staunend, wie sie ihren Brustkorb seitlich hin und her bewegt. Ich mache es ihr nach aber bei mir bewegt sich kein Millimeter. Übung, tröstet sie mich. Dran bleiben.
Ich bleibe dran. Nach Wochen ist meine Haltung perfekt, die Arme seitlich leicht gebogen, zu einem aufgehenden Mond, in dessen Schein sich mein Brustkorb aber wie eine Liftfasssäule noch immer keinen Millimeter bewegt.
Noch nie hat es mich so viel Überwindung gekostet, einen Kurs zu besuchen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, etwas zu tun, was einem gut tut, was aber Überwindung kostet. Ich meine nicht die momentane Trägheit überwinden, etwas zu tun, was man im Grunde gerne macht, weil es einem liegt. Sondern dran bleiben, wenn man darin nicht gut ist, wenn man niemals Meisterin sein wird, wenn man sich komisch dabei vorkommt, weil man sich als tanzende Liftfasssäule komisch vorkommt. Warum es sich lohnt? Weil manchmal genau das einem gut tun, was am meisten Überwindung kostet.
Zur Belohnung tanzt jede Woche eine wunderschöne Frau bauchfrei und hüftwippend direkt vor meinen Augen.
Die Bauchtanzlehrerin zeigt genauso reizend wie ernüchternd vor, was beweglich ist. Wobei das Reizende überwiegt, wenn ich mich direkt hinter sie stelle, um nicht mich im Spiegel zu sehen sondern ihre schlangenhaften Bewegungen. Ich sehe staunend, wie sie ihren Brustkorb seitlich hin und her bewegt. Ich mache es ihr nach aber bei mir bewegt sich kein Millimeter. Übung, tröstet sie mich. Dran bleiben.
Ich bleibe dran. Nach Wochen ist meine Haltung perfekt, die Arme seitlich leicht gebogen, zu einem aufgehenden Mond, in dessen Schein sich mein Brustkorb aber wie eine Liftfasssäule noch immer keinen Millimeter bewegt.
Noch nie hat es mich so viel Überwindung gekostet, einen Kurs zu besuchen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sich lohnt, etwas zu tun, was einem gut tut, was aber Überwindung kostet. Ich meine nicht die momentane Trägheit überwinden, etwas zu tun, was man im Grunde gerne macht, weil es einem liegt. Sondern dran bleiben, wenn man darin nicht gut ist, wenn man niemals Meisterin sein wird, wenn man sich komisch dabei vorkommt, weil man sich als tanzende Liftfasssäule komisch vorkommt. Warum es sich lohnt? Weil manchmal genau das einem gut tun, was am meisten Überwindung kostet.
Zur Belohnung tanzt jede Woche eine wunderschöne Frau bauchfrei und hüftwippend direkt vor meinen Augen.
23.06.12
21.06.12
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