Posts mit dem Label histoire d'amour werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label histoire d'amour werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19.08.12

Schmackhafte Küche für traurige Frauen

Da ich den Braten nicht heiss essen kann, denkt da die kleine Hexe, behalte ich ihn auf kleiner Hitze im Ofen warm. So kann er in der Sauce ziehen und wird noch saftiger. 

06.08.12

Dessousschublade

Mal schauen, mit welcher Sauce ich ihn anrichte, wenn ich ihn koche, denkt da die kleine Hexe.

21.06.12

Und dann ist noch die Lust

Wenn Verstand, Gefühl und Seele sich nicht einig sind.

21.05.12

Frauenherz Teil 2

Gestern war unser erstes Date. Sozusagen ein Blinddate, weil wir nur diesen einen Blick in Erinnerung hatten, aber nicht wie wir aussahen.  Ich war verlegen, und nervös, und versuchte das Weinglas nicht umzukippen und die Hände auf dem Tisch zu behalten. Er sass ruhig da und sah mich unverwandt an, hörte mir zu, unterbrach mich nicht, manchmal schwieg er, weil ich Unsinn erzählte. Er redete offen, wie zu einer Vertrauten, verschwieg mir nichts.
Wir könnten immerhin gute Freunde werden, dachte ich, während er von seiner Familie erzählte. Aber abgesehen von den Gelegenheiten, bei denen ich ihm kumpelhaft zuprostete, wollte ich ihn immerzu nur küssen.
Es könnte eine Affäre werden, dachte ich. Aber Affären enden immer mit Liebeskummer. Eine der drei beteiligten Personen ist am Ende immer verletzt. Auch wenn alle Beteiligten einverstanden sind und mit der Situation umzugehen wissen. Weil sich Gefühle nicht an Vereinbarungen halten.
Als wir uns verabschiedeten, küsste er mich links und rechts auf die Wangen, vielleicht eine Spur zu innig. Dicke, weiche Wangenküsse, die er wie Bettkissen auf ein Louis Philippe Sofa platzierte. Wie gut er riecht, dachte ich, und mir fiel ein, wie sehr mein Verlangen nach diesem Geruch hungerte.  In dem Moment überkam mich Angst, oder Traurigkeit, denn mir wurde klar, dass unsere Geschichte die Nahrung dieses hungrigen Tieres sein würde. Und das wollte ich nicht.

06.05.12

Frauenherz

Mein erster Gedanke beim Aufwachen ist: Samstag, wie schön. Ich kann liegen bleiben. Unter der Bettdecke duftet es warm. Draussen lockt die Frühlingssonne. Ich entscheide mich fürs Liegenbleiben. Denke an diesen Mann. Ich sass mit meiner Freundin in ihrer Küche und sah ihn nur kurz im Türrahmen stehen. Kein besonders schöner Mann. Aber er hatte besondere Augen und ich spürte, wie ich mich auf der Stelle verliebte. Ich fragte meine Freundin, wer er war. Sie sah mich an und wusste sofort Bescheid. Sie sagte mir, dass sie meinen Geschmack immer weniger verstand. "Er hat was", sagte ich, aber ich wusste nicht was. Am nächsten Tag berichtete sie mir, dass er nach meiner Telefonnummer gefragt hatte. Das sind so Augenblicke im Leben, in denen eine ersehnte Chance unerwartet wie ein Wirbelsturm durch den Körper saust, ein riesen Durcheinander im Herzen anrichtet und Gänsehaut hinterlässt. Wie schön, dachte ich. 
"Und was sagst du", meinte meine Freundin, "darf ich ihm deine Nummer geben?"
"Wie schön", sagte ich benommen, und etwas anderes fiel mich nicht ein. 
"Du kannst es dir ja überlegen", sagte sie rücksichtsvoll. Ich kann nicht überlegen. Auch in meinem Kopf ist nichts mehr an seinem Platz. Jetzt liege ich im Bett und denke an diesen Mann. Hilfe schreit es in mir.
Stehe auf und hänge die Bettdecke zum Lüften über den Fenstersims. Dann gehe ich auf den Markt und kaufe vier Tomaten Pflänzchen und ein Tränendes Frauenherz. Zu Hause pflanze ich das Frauenherz in den Garten. Die Nachbarin kommt dazu und erzählt, dass sie von ihrer Mutter ein Tränendes Herz zur Hochzeit bekommen hatte. Nach ihrer Scheidung sei die Pflanze eingegangen. Das ist Zufall, sage ich. Aber das Tränende Frauenherz sah das sicher anders.
Oben im Schlafzimmer ist das Fenster noch immer offen. Die Bettdecke riecht jetzt nach Frühlingssonne. Ich breite sie über das Bett aus und freue mich schon jetzt auf sie.

26.01.11

Geschichten ohne Ende

Ich setzte mich im Speisewagen zu einem Mann, der ein Buch vor sich aufgeschlagen hatte. Ich fragte ihn, was für ein Buch er lese, wenn ich fragen dürfe. Er zeigte mir den Titel. Ein religionswissenschaftliches Buch. Aufgeschlagene Bücher eignen sich immer gut, um eine Speisewagenkonversation zu eröffnen. Wir unterhielten uns also über Religionen. Er hatte Philosophie und Informatik studiert, war in meinem Alter. Ein Amerikaner mit libanesischen Wurzeln. Ein attraktiver Mann. Und voller Witz, wie ich im Laufe des Gesprächs feststellte. Er war auf einer Geschäftsreise, befand sich eben noch in Kairo und fuhr nach Thun zu einer Besprechung. Unsere Unterhaltung sprudelte nur so aus sich heraus, dass ich nicht dazu kam ihn zu fragen, was er geschäftlich denn machte. Er fragte, ob er mich zum Abendessen einladen dürfe, in Thun, er kenne die Stadt nicht und möge nicht alleine essen. Ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen, als die gediegene Unterhaltung in einem schicken Restaurant fortzusetzen. Kurz vor dem Aussteigen fragte ich ihn was er beruflich mache.
Er arbeite für eine Firma, die Waffen produziere, sagte er. Waffen, Kanonen, Panzergranaten.
Das Ende der Geschichte ist traurig.

11.01.11

Ich frühstückte in einem Café in der Stadt.  Als ich hinaustrat, war es Abend.

26.08.10

Er suchte meine Nähe und fand sie nicht

"Möchtest du ein Glas Wein. Oder noch einen Kaffee?"
"Nein, ich möchte gehen."

21.02.10

Blut: Arztroman letzte Folge

Lassen wir es dabei bewenden, schreibe ich dem Arzt. Nur dies, und mit freundlichen Grüssen. Auf kurz und bündige Art, weil Bedenken und Begründungen auch nicht weiterhelfen.
Am nächsten Morgen wache ich in einer Blutlache auf. Und ich bin froh, dass ich keine langen Erklärungen geschrieben hatte. Es gibt nämlich nur eine Plausible: PMS. Aber das konnte ich ja nicht ahnen. Meine Tage kommen diesmal unerwartet früh. Und immer ausgerechnet dann auch viel zu stark. Eine Regel meiner Regel. Der Überraschungseffekt und die Sauerei sind alte Blutsgeschwister. Ich ziehe das Leintuch ab und weiche es in kaltes Wasser ein. Wasche mich. Ziehe das Bett frisch an und lege mich wieder hin. Denke an den Arzt und insgesamt an Blut. Ein Lied fällt mir ein, ich war damals 14 und durfte mit meinem grossen Bruder in den Übungskeller gehen, seine Band spielte Punkrock, er war 18 und ich bewunderte ihn wie einen Halbgott. Er spielte Gitarre und sang, ich erinnere mich nur noch an den Refrain: Blut fliesst - bei der Geburt, Blut fliesst - beim ersten  Beischlaf, Blut fliesst - beim Verrecken. Es musste verrecken heissen, weil es 1980 war, Zürich, autonomes Jugendzentrum, Opernhauskrawalle, und junge Wut spuckt grosse Wörter aus. Mein Bruder hatte ein schweres Schicksal mit vier kleinen Schwestern. Wir liessen ihn nie mitspielen aber machten ihm jeden Unfug nach. Er war unser grosses Vorbild. Ich wusste nicht, was Beischlaf genau bedeutete. Es hatte sicher etwas mit Sex zu tun. Alle Wörter, die ich verdächtig fand, hatten mit Sex zu tun. Er sang von Blut und ich traute mich noch nicht einmal an schlimme Wörter zu denken. Blut war schlimm. Blut, Blut, Blut, dachte ich mutig. Seit ein paar Monaten bekam ich meine Blutungen und schämte mich dafür. Ich war verwirrt und bemüht, es mir nicht anmerken zu lassen. Warum fällt mir das alles ein? Ach ja, mein grosser Bruder vergass das Menstruationsblut in seinem Lied, welches bei unbegründet bewendeten Beziehungen fliesst.
Ich habe Durst. Gehe in die Küche und setze Teewasser auf. Presse eine Zitronen aus und lege zwei Teebeutel Hagebutten in den Teekrug. Nehme die Flasche Holundersirup aus dem Kühlschrank zum Süssen, da rutscht sie mir aus der Hand. Fällt auf den Küchenboden, der, passend zu diesem Komplott, ein Steinboden ist.  Die Flasche zersplittert und der rote Saft breitet sich aus, rinnt in die alten Steinfugen und läuft unter den Kühlschrank. Eine weitere Blutlache, aus Sirup. Alles ist voller Scherben. Ich wische vorsichtig auf und lege mich wieder ins Bett. Heute wollte er mit mir einen Spaziergang unternehmen. Zum Glück habe ich es dabei bewenden lassen.

06.02.10

Arztroman 7

Er findet eine reine Fotokorrespondenz nur bedingt hilfreich um sich kennen zu lernen. Er schlägt einen kleinen Spaziergang vor, demnächst.

Im Keller meines Herzens spielen Panik und Freude Ping Pong.

01.02.10

Arztroman 6

Der Arzt schreibt schöne Briefe. Unsere Korrespondenz ähnelt bis jetzt einem höflichen Vorstellungsgespräch für eine Stelle, die zwar vielversprechend aber illusionär ist.

"Ich mag nicht hin und her schreiben", sage ich zu Nic, die sich nach dem neusten Stand ihrer Einfädelung erkundigt. Wir sitzen im Kornhauskeller, der schönsten Bar Berns, und trinken Rotwein. "Warum nicht? Das ist doch sicher spannend", sagt sie.
"Schreiben ist so verfänglich", sage ich nachdenklich. "Dann verliebe ich mich vielleicht in seine Worte und nicht in ihn. Ich habe bereits vergessen, wie er aussieht".
Nic überlegt: "Sag ihm, er soll dir ein Foto schicken".
"Wir können uns so nicht kennen lernen", sage ich. "Er hat schon jetzt ein ganz falsches Bild von mir. Er schreibt, dass er meine wilde Art ungewöhnlich aber reizvoll findet".
"Deine wilde Art?"
"Ich habe den Eindruck, dass er mich für eine Sportskanone und Naturfanatikerin hält".
"Eine Sportskanone?"
"Auf dem Foto, das ich ihm geschickt habe, sieht man meine muskulösen Arme."
"Aber das passt doch. Er ist auch sehr sportlich", sagt sie.
"Ich habe noch nie Sport getrieben, Nic. Ich weiss nicht, wie man Sport treibt. Ich habe Muskeln, weil ich mein halbes Leben lang zentnerschwere Lämmer herumgewuchtet habe. Und ich mag keine sportlichen Männer."
"Aber er schreibt schön", sagt sie, den Stil ihres Glases zwischen Daumen und Zeigefinger drehend, als würde sie ihr Argument festschrauben wollen.
"Ich sehe zwei Möglichkeiten", sage ich: "Entweder wir schreiben uns nur, aber dann will ich ihn lieber nie treffen. Oder wir sehen uns sofort und lassen die Schreiberei".
"Ich habe eine bessere Idee", strahlt Nic: "Ihr schickt euch nur Fotos ohne zu schreiben. Ihr schickt euch Bilder hin und her ohne Worte. Zum Beispiel jetzt könntest du ein Foto machen, wie du in der schönsten Bar der Welt sitzt. So müsst ihr euch nicht schreiben, aber ihr lernt euch trotzdem kennen".
"Das würde er sicher nur wieder ungewöhnlich aber reizvoll finden", sage ich.

13.12.09

Magnet


Endlich das Bild zur Geschichte gefunden.

23.11.09

Arztroman 5

Nic hat eine neue Idee.
Neulich waren wir zusammen etwas trinken. Sie ist die einzige Frau, die ich kenne, dich sich gerne an die Bar setzt.
"Warum" sagte sie, während sie mir das Bier reichte, "schreibst du nicht dem anderen Arzt, dem Honigmundmann, die ganze Geschichte, wie du sein Foto im Internet fandest, und dass du dich auf Anhieb in ihn verliebt hast. So könntest du ihn kennen lernen."
"Ein Mann wie der ist garantiert verheiratet," sagte ich.
"Dann wird es ihm schmeicheln und du hast dein Glück versucht," zwinkerte sie mir zu.
Nic ist manchmal erfrischend unkompliziert in diesen Dingen. Und sie hat scheinbar eine Schwäche für Verkuppelungen entwickelt. Nach zwei Stunden und zwei weiteren Bieren fragte sie mich:
- "Welcher Mann gefällt dir hier am besten?"
- "Keiner."
- "Und der da?"
- "Hmnja."
Sie ging auf ihn zu und wechselte ein paar Worte mit ihm. Kurz darauf stellte sie ihn mir vor. Aber mir fielen nur komische Fragen ein und der Hmnjamann verzog sich wieder.
Nic gab, wie immer, nicht so schnell auf:
- "Mit welchem Mann könntest du dir vorstellen Sex zu haben?"
Ich schaute mich noch einmal um.
- "Mit der Dunkelhaarigen da drüben zusammen mit dem mit der Brille dort," sagte ich.
- "Die Dunkelhaarige kann ich ja verstehen, aber warum der mit der Brille?"
- "Er erinnert mich an einen Mann, den ich begehrte, aber mit dem ich nie Sex hatte."
- "Verstehe. Und die Dunkelhaarige wäre gewissermassen ein Trost Supplement?"
- "Nur eine gute Kombination."
- "Das wird zu kompliziert," winkte sie ab.
Später spendierte sie heimlich einem wildfremden Mann einen Zwetschgenschnaps von mir. Ich merkte es erst, als der Barmann auf mich deutete, und der Wildfremdemann verwundert schaute. Dann lächelte der Wildfremdemann, prostete mir mit dem Zwetschgengeist zu und so nahm der Abend an der Bar seinen Lauf, mit komischen Fragen und Nics Augen, die sich verdrehten.
Schliesslich kehrten wir heim in unsere Betten. Ganz ohne Kombinationen und Supplements.

16.11.09

Arztroman 4

Ich war gestern nicht am Konzert.
Stattdessen bin ich krank geworden. Nic kam vorbei, ich hatte ihr das Ticket vor die Wohnungstür gelegt, damit ich sie nicht anstecke. Sie hinterliess ihrerseits Obst, Sanddornsaft, Kürbissuppe und einen Umschlag auf der Türschwelle. Im Umschlag war ein USB Stick. Darauf war ein kleiner Videofilm.
Das Filmchen ist ein Interview mit dem Arzt, den Nick mit mir verkuppeln will, in seiner Neuköllner Wohnung. Er hat in Berlin, Frankfurt und Zürich eine Wohnung. Nics Freundin, die ursprünglich aus Berlin kommt, hatte vor einiger Zeit spontan das Interview mit ihm gefilmt. Man sieht eine schöne Wohnung, Parkettböden, viele Bücher, viele CDs, eine Tuschzeichnung an der Wand, Dinge, die auf einen kultivierten Mann deuten. Süssigkeiten, Pralinen und Prosecco auf dem Sofatisch lassen einen Mann vermuten, der gerne verwöhnt. Er steht diesmal zum Glück ohne Schnauzbart aber immer noch wie zurechtgestutzt im Wohnzimmer und bügelt gerade ein Hemd (echt jetzt). Er ist ein bisschen nervös, weil er gefilmt wird. Nics Freundin fragt ihn unter anderem über seinen Frauengeschmack aus, was er gut findet und was ihn ärgert an Frauen, und was denn so seine eigenen Vorzüge sind. Ein sehr amüsantes Video. Wenn man ihn so reden sieht, wirkt er ganz sympathisch. Was er sagt ist interessant. Das Video rührt mich irgendwie. Wenn ich krank bin, werde ich immer rührselig und anhänglich. Ich finde auch rührend, dass Nic sich so ins Zeug legt für mich und dafür sorgt, dass ich nicht verhungere und Unterhaltung habe und endlich einsehe, dass der Mann zu mir passt.

10.11.09

Abwechslung im Arztroman

Der Mann neben mir im Adrianos redet wie ein Besessener auf mich ein. Viel zu laut, ich kann gar nicht zuhören. Er trägt eine teure schwarze Hose und ein feines, anthrazitfarbenes Hemd. Einen aparten Ring. Imponierend. Er referiert noch immer. Vermutlich ist er in der Werbung tätig. Kreiert Bedürfnisse. Liefert Lösungen. Im Moment produziert er vor allem Lärm. Sein Badge klemmt noch am Hosenbund. Inselspital. Ein Arzt. Ich trinke rasch aus, zahle und gehe.

05.11.09

Arztroman 3

Natürlich schaue ich dann doch. Das war jetzt allen klar. Natürlich bin ich neugierig.

Es gibt genau zwei Doktoren mit diesem Namen. Bei Facebook finde ich die Bilder. Der eine ist ein schöner Mann ganz nach meinem Geschmack. Es ist ein fülliger, entspannt zurücklehnender Mittvierziger mit schwarzem Hemd, Fünftagebart, glänzenden, genussfreudigen Augen und einem klugen Mund. Wenn er spricht, so stelle ich mir vor, dann mit Worten, die man immerzu wie Honig von den Lippen lecken möchte.
Der andere trägt einen blonden, perfekt gestutzten Schnauzbart. Seine Züge sind klar und wohlgeordnet. Sein Mund ist ein dünner Strich, der sich verlegen kräuselt. Ich frage mich, ob in diesem Gesicht jemals eine unkontrollierte Regung zu sehen ist. Natürlich frage ich mich auch, was man tun müsste, um diesem Mann unbeherrschte Laute zu entlocken. Er sieht nett aus. Aber insgesamt unglücklich und etwas geniert.

Ich habe Pech. Es ist der andere.

04.11.09

Arztroman 2

Nic gibt nicht auf: "Im Internet gibt es ein Foto von deinem Traumarzt, du kannst einfach seinen Namen googeln."
Ich google nicht.

02.11.09

Arztroman

Meine lesbische Freundin Nic kennt einen Arzt, mit dem sie mich verkuppeln will.
"Es ist genau so wie bei dir", sagt sie, "unbegreiflich, warum er noch immer alleine ist."
Sie denkt, dass wir gut zusammen passen. Er sei wirklich ein toller Mann, der was im Kopf hat.
"Er ist ein richtiger Mann", fügt sie etwas unbeholfen hinzu, weil sie meinen Geschmack treffen will.
"Du meinst also ein grosser, gelassener, geniesserischer, stattlicher, ekstatischer Mann?", frage ich nach, um sicher zu gehen, was ein Richtiger ist.
"Ich weiss nicht, was für einen Schwanz er hat", antwortet sie meine Befürchtungen ahnend, "aber es ist auch spannend sich mit ihm zu unterhalten."
Nic mag mich. Sie möchte, dass ich glücklich bin. Sie weiss, dass ich ohne Mann nicht glücklich sein kann. Und sie kann nicht glücklich sein, wenn ich es nicht bin. Sie denkt an mich, wenn sie einen tollen Mann trifft. Das ist Freundschaft.
Aber ich traue ihrem Männergefühl nicht.
Lesben (Nic mag das Wort Lesben nicht. Sie nennt sich selber eine Lese. Ich bin eine Hete, was, wenn sie es ausspricht, auch nicht besonders schmeichelnd klingt), also Lesen finden manchmal heterosexuelle Männer toll, die hauptsächlich beste Kumpel sind. Beste Kumpel sind unterdrückt übersexualisiert oder gehemmt. Es sind Männer, die viele beste Freundinnen haben, sich regelmässig mit ihnen zum Teetrinken verabreden, natürlich bei sich zu Hause, und während sie sorgfältig ihre Hemden bügeln, von ihren Reisen in die Sumpfgebiete Südirans berichten, über die Konflikte der Touareg Nomaden in Algerien oder first und second flushs indischer Teesorten reden. Männer, die nie ficken sagen und hohe Plateauschuhe unbegreiflich und hässlich finden. Ich mag solche Männer auch. Das meine ich nicht. Mein Mitbewohner war ein bester Kumpel. Aber ich fand ihn nicht sexy.

17.05.09

Aussichtspunkte




Eine Wanderung zu zweit ist etwas Neues für mich. Es hat aber viele Vorteile. Ich kann sagen: Guck mal hier oder schau mal da, und nicht immer alleine alles sehen und schön finden. Ich kann mich über Lehrtöchter unterhalten, die ein Teilstück des Weges befestigt hatten. Das stand auf einer Tafel. Ein Umweltprojekt mit der Schule. Wie motiviert die wohl waren. Man kann sich auch zu zweit prima Lehrtöchter vorstellen, die den Weg ausbessern, über den man leichtfertig schlendert.
Der andere kann mich testen, wie belastbar ich bin, und Stress produzieren. Ich kann etwas Witziges sagen und muss nicht still für mich lachen. Man kann zu zweit auf der ganzen Wanderung keiner Menschenseele begegnen und auf allen Aussichtspunkten ein bisschen vögeln.
Ich kann meinen Gedanken nachgehen und gemeinsam nichts sagen. Ich kann fragen. Ich kann mich irren. Mich entschuldigen. Ich kann das Gefühl für einen Mann bekommen. Ein Gefühl, das ich fast vergessen hatte.
Man kann auch gut Fotos vom anderen vor dem überwältigenden Panorama machen. Gesichter im Bergglück.

19.04.09

gier

ein drum träumt von einem dran
ein wo träumt von einem wann
ich träume von dir