Ich könnte in den Swimmingpool der Gesellschaft eintauchen und die Zeit mit Dingen vertreiben, die man im Gesellschaftswasser macht, nach diesen schwimmenden bunten Gummiringen fischen, sie mit dem Arm auffädeln. Sicher würde ich sieben Ringe auf einmal schaffen, meine gesellige Natur.
Oder ich kann weiterhin am Poolrand stehen und zusehen, wie sieben Leute für mich in den Pool springen, die Luft anhalten, und nach den Ringen fischen und sie mir stolz aus dem Wasser entgegenstrecken.
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05.08.12
06.12.10
Seifenhalbiererin
Ich schneide die Seife entzwei um das Gewicht zu minimieren. Die halbe Seife ist Duschmittel, Haarshampoo und Waschmittel in einem und reicht für fünf Wochen. Mit einer halben Seife, einer Zahnbürste, einer Minizahnpasta, einem Schlafsack, einer Regenjacke, zwei Ersatzunterhosen und Ersatzsocken im Rucksack mache ich mich auf den Weg. Fünfhundert Kilometer entlang der türkischen Südküste. Zu Fuss. Vielleicht nehme ich die leichten Ersatzschuhe auch noch mit. Danach eine Woche Istanbul. Mit allem Drum und Dran. Märkte, Teegärten, Konzerte, Feste. Zurück über Sofia, Budapest, Wien. Mit dem Zug. Mitte Januar bin ich wieder in Bern. Inschallah.
24.08.10
Sprechstunde
Sein Blick wanderte über mein Gesicht, suchte Halt mit aller Kraft. Aber dann stürzte er immer wieder in meinen Auschnitt ab.
03.12.09
06.11.09
Nicht ganz unten
Wenn einem an einem gewöhnlichen, regnerischen Vormittag unerwartet viele Leute nachschauen, dann liegt das nicht unbedingt an den neuen Schuhen oder dem raffinierten Kleid, wie man beschwingten Herzens vermutet.
Die Frau, die mich darauf hinwies, dass das Kleid hinten nicht ganz unten ist, soll in den Himmel kommen. Und bis dahin mit Glück und Gesundheit und vielen Kindern, Schmuck und Blumen, Männern, Sex, Mix-CDs und Diamanten beschenkt werden.
Nicht ganz unten, soviel müssen Sie wissen, ist Ausdruck höflich schweizerischer Zurückhaltung und Verniedlichungsmanie. Es bedeutet nämlich komplett oben.
Alle anderen Frauen, die es sahen und nichts sagten, sollen Autopannen und hysterische Anfälle und Sonnenbrände kriegen.
Die Frau, die mich darauf hinwies, dass das Kleid hinten nicht ganz unten ist, soll in den Himmel kommen. Und bis dahin mit Glück und Gesundheit und vielen Kindern, Schmuck und Blumen, Männern, Sex, Mix-CDs und Diamanten beschenkt werden.
Nicht ganz unten, soviel müssen Sie wissen, ist Ausdruck höflich schweizerischer Zurückhaltung und Verniedlichungsmanie. Es bedeutet nämlich komplett oben.
Alle anderen Frauen, die es sahen und nichts sagten, sollen Autopannen und hysterische Anfälle und Sonnenbrände kriegen.
22.04.09
Meine Gutenachtgeschichte
Obwohl ich ja eine alte, runzlige Dame bin, mit dickem Krötenbauch und knorrigen Händen, gibt es immer noch Männer, die sich wie Eidechsen entzückt zu meinen Füssen kringeln. Heute zum Beispiel der Steuerberater, der praktisch nichts für seine Arbeit wollte und sagte: "Ich mache das doch gern."
Wenn ich die Eidechsen frage, was sie sich wünschen, dann züngeln sie ganz aufgeregt, schliessen ihre Augen zu einem schmalen Schlitz. Sie züngeln nachdenklich, weil Eidechsen mit der Zunge denken, tapsen mit ihren Echsenfüssen auf der Stelle und überlegen so, was sie denn wollen.
"Wollt ihr Ameiseneier?", sage ich dann, und die Eidechsen züngeln und rufen:
"Ja! Ameiseneier, woher weisst du eigentlich so genau, was wir uns wünschen?"
Dann nehme ich meine geheime Schachtel mit den Ameiseneiern hervor und werfe ein paar Handvoll Ameiseneier auf den Boden. Dann flitzen die Echsen von Ei zu Ei, wuseln durcheinander, fressen alles auf und kräuseln sich vor Glück.
Wenn ich die Eidechsen frage, was sie sich wünschen, dann züngeln sie ganz aufgeregt, schliessen ihre Augen zu einem schmalen Schlitz. Sie züngeln nachdenklich, weil Eidechsen mit der Zunge denken, tapsen mit ihren Echsenfüssen auf der Stelle und überlegen so, was sie denn wollen.
"Wollt ihr Ameiseneier?", sage ich dann, und die Eidechsen züngeln und rufen:
"Ja! Ameiseneier, woher weisst du eigentlich so genau, was wir uns wünschen?"
Dann nehme ich meine geheime Schachtel mit den Ameiseneiern hervor und werfe ein paar Handvoll Ameiseneier auf den Boden. Dann flitzen die Echsen von Ei zu Ei, wuseln durcheinander, fressen alles auf und kräuseln sich vor Glück.
15.12.08
c'est chic le fric
Erst als ich an der Kasse die drei Einkaufstüten voll gepackt hatte, realisierte ich, dass ich die gar nicht tragen konnte. Draussen vor dem Laden überlegte ich, was nun. Vor allem im Hinblick auf die nächsten fünfzig Jahre, das Alter. Die Einkaufstüten werden immer schwerer, so ist das nun mal. Ich dachte nach und beobachtete Frauen mit Einkaufswägelchen. Einen Einkaufswagen anschaffen kommt mir nicht in die Tüte, dachte ich. Auch keinen Trendigen, mit rosafarbenen Blumen auf orangenem Hintergrund. Auch keinen Korb auf Rädern, wie diese naturkostende Frau einen hatte. Ich hasse Einkaufswagen noch mehr als Rollkoffer.
Schliesslich habe ich einen Teenager angequatscht und ihm einen Batzen versprochen, wenn er mir meine Einkaufstaschen nach Hause trägt. 5 Fr. um genau zu sein. Er nahm die Tüten und stapfte neben mir her, die gute Tat in seinen Händen, sein Tempo auf mich abgestimmt. Ich trug meine Handtasche und ein schickes Lächeln. Ich habe mich noch nie so glücklich alt gefühlt wie in diesem Moment.
Schliesslich habe ich einen Teenager angequatscht und ihm einen Batzen versprochen, wenn er mir meine Einkaufstaschen nach Hause trägt. 5 Fr. um genau zu sein. Er nahm die Tüten und stapfte neben mir her, die gute Tat in seinen Händen, sein Tempo auf mich abgestimmt. Ich trug meine Handtasche und ein schickes Lächeln. Ich habe mich noch nie so glücklich alt gefühlt wie in diesem Moment.
24.11.08
16.11.08
Egodokument
Mein Patensohn ruft an und erinnert mich daran, dass er vor zwei Tagen Geburtstag hatte.
Ich hätte schon längstens einen Geburtstagskalender, wenn die nicht so hässlich wären.
!
Ich bastle mir jetzt einen Geburtstagskalender. Mit vielen ausgeschnittenen und eigenen Bildern. Ein Zeitdokument. Ein Ego-Dokument. Und in vierzig Jahren wird mein Patensohn den Kalender aus einer verstaubten Kiste herausheben und sagen: Sieh mal, das ist der selbstgebastelte Geburtstagskalender meiner irren Tante Minka, als sie noch jung war und umgarnt von lauter hübschen Kerlen. Und wer waren all diese tätowierten Frauen hier? Und was bedeutet diese Gloriette? ... Und da bin ich, da hat sie meinen Geburtstag eingetragen und ein Foto von mir daneben geklebt, als Junge mit hiphoper Hosen. Und all die seltsamen Texte da, aus Zeitungen ausgeschnitten. Und Rätsel. Was für eine rätselhafte Zeit...
Ich hätte schon längstens einen Geburtstagskalender, wenn die nicht so hässlich wären.
!
Ich bastle mir jetzt einen Geburtstagskalender. Mit vielen ausgeschnittenen und eigenen Bildern. Ein Zeitdokument. Ein Ego-Dokument. Und in vierzig Jahren wird mein Patensohn den Kalender aus einer verstaubten Kiste herausheben und sagen: Sieh mal, das ist der selbstgebastelte Geburtstagskalender meiner irren Tante Minka, als sie noch jung war und umgarnt von lauter hübschen Kerlen. Und wer waren all diese tätowierten Frauen hier? Und was bedeutet diese Gloriette? ... Und da bin ich, da hat sie meinen Geburtstag eingetragen und ein Foto von mir daneben geklebt, als Junge mit hiphoper Hosen. Und all die seltsamen Texte da, aus Zeitungen ausgeschnitten. Und Rätsel. Was für eine rätselhafte Zeit...
14.11.08
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