27.07.06

Gewitter

Ich liege auf dem Sofa und bin unschlüssig. Gleich wird es ein Gewitter geben und es lohnt sich nicht mehr baden zu gehen. Alle sind draussen, liegen in den Freibädern auf ihren Frotteetüchern mit Delfin- oder Wellenmotiven und langweilen sich vermutlich. Sie tun etwas gegen die Langeweile indem sie zum Kiosk gehen. Dort kaufen sie ein Eis und packen es gleich aus. Wenn sie auf ihren Frotteetuchplätzchen zurück sind, ist das Eis schon halb gegessen. Dann sitzen sie da und überlegen, was sie nach dem Eisessen tun könnten. Die Frauen schauen, was die anderen Leute für Figuren haben und fühlen sich dicker oder weniger dick als sie. Dann richten sie ihr Oberteil zurecht oder fahren mit der Hand über das Schienbein und prüfen, ob schon Stoppeln zu spüren sind. Dann ist es wieder langweilig und sie gehen ins Wasser. Beim Aufstehen ziehen sie mit den Fingern die verrutschte Badehose über die Arschbacken. Wie jammerschade.
Ich liege auf dem Sofa und bin immer noch unschlüssig. Die Hitze ist lähmend und das Gewitter kommt nicht. Ich stehe auf und schaue in der Küche nach, ob ich dort vielleicht eine Idee finde. Das unabgewaschene Geschirr ist eine Idee, aber ich habe keine Lust etwas zu tun. Essen wäre was. Im Kühlschrank ist Gemüse, Salat, Pouletbrüstchen. Ich habe keine Lust zu kochen. Ich lege mich im Schlafzimmer quer aufs Bett und sehe alles von einer anderen Perspektive. Staub liegt in der Ecke. Ich könnte staubsaugen. Ich sollte wenigstens duschen. Die Zähne putzen hilft manchmal auch. Wie kann man nur so träge sein!
Ich überprüfe meine Möse, nur so. Sie ist nass. Die einzige hier, die weiss, was sie will. „Wenn du mich fragst...“ sagt sie, „...ich habe Lust!“
„Echt?“
Ich unterhalte mich gerne mit ihr.
„Und worauf hättest du jetzt Lust?“
„Auf den kleinen Durchsichtigen“ sagt sie. Es ist ihr Lieblingsdildo, weil er so wunderbar passt. Für mich ist es der unbekannte Schöngeist, der zu meiner Verblüffung all meine Vorlieben kennt und immer schon ahnte, was ich gerade will.
„Und was hältst du vom Neuen?“ frage ich um zu schauen, ob sie sich noch erinnert.
„Oh jajaja!“, sabbert sie. Mösen haben ein pawlowsches Gedächtnis.
Der Neue ist ganz anders. Er macht nämlich nichts so, wie ich es will und muss zu allem verführt werden, aber dann wird er ganz wild und ist nicht mehr zu bremsen. Ich stelle mir vor, dass er nach Urwald riecht. Dicht, schwer, einnehmend, verschlingend.
Das Gewitter bricht aus. Das ist gut, dann hören mich die Nachbarn nicht, bei offenem Fenster. Als ich komme, blitzt es. Ein beeindruckender Effekt. Bin ehrlich überrascht über diese Zeitgleichheit. Es tost und braust im Himmel als würden die Engel applaudieren.

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