31.05.06

24.05.06

Fussball

Ich mochte noch nie Fussball. Und ich mag Männer nicht, die Fussball mögen. Ich ging ihnen bisher vermutlich unbewusst aus dem Weg. Natürlich machte ich Ausnahmen, weil die meisten Männer - auch wenn sie keinen Hut tragen - irgendwo doch etwas mit Fussball am Hut haben. Und ich mag schliesslich Männer. Einmal war ich sogar bereit mich mit einem Mann einzulassen, der in seiner Küche eine St.Pauli Fahne an der Wand hängen hatte. Aber es wurde doch nichts mit uns, weil er Beatles hörte. Nichts gegen die Beatles jetzt. Aber irgendwann ist die Toleranzgrenze überschritten... Ach, was ich eigentlich erzählen will, hat sowieso nichts damit zu tun.
Der Grund, warum ich keinen Fussball mag ist nicht etwa, weil ich eine Frau bin. So einfach ist das mit der Genderfrage auch hier nicht. Aber ich schweife jetzt besser nicht schon wieder ab.
Es hat mit einer Fussballverletzung zu tun.
Es war so:
Ich war acht und er hiess Didier.
Ich fand ihn nett und wollte mit ihm am See Schwäne füttern. Ich zeigte ihm meine Tüte mit getrocknetem Brot für die Schwäne, was ihn aber nicht beeindruckte. Er fand mich doof und wollte Fussball spielen. Dann wollte ich eben auch mitspielen. Die anderen Jungs nahmen mich in die Mannschaft auf. Ich rannte die ganze Zeit mit meiner erwartungsvoll knisternden Tüte voll Brot für die Schwäne in der Hand hinter dem Ball her. Didier versuchte mir den Ball wegzunehmen. Wir bückten uns beide über den Ball, als er plötzlich hochschnellte und mir mit seinem Kopf einen Kinnhaken verpasste. Versehentlich. Ich fiel in Ohnmacht. Als ich zu mir kam blutete ich aus dem Mund. Ich dachte ich würde vielleicht sterben, weil ich von irgendwoher wusste, dass man aus dem Mund blutet, wenn man stirbt.
Zum Glück war nur ein Schneidezahn gestorben. Aber je pupertierender ich wurde, desto dunkler wurde der tote Zahn. Ich hasste meinen schwarzen Schneidezahn. Wobei ich ja noch Glück hatte: Mein Nachbar Raoul hatte vorne einen Silberzahn. Ich fand, dass es bescheuert aussah. Aber Raoul war immer guter Laune und lachte die ganze Zeit. Mit seinem Silberzahn.
Ich jedenfalls beschloss nicht mehr zu lachen, bis ich zwanzig würde. So würde niemand meinen schwarzen Zahn sehen. Mit zwanzig Jahren, versprach man mir, würde ich einen neuen, ganz weissen Zahn bekommen. Dann würde ich wieder lachen können.
Aber eigentlich wollte ich etwas ganz anderes erzählen. Worauf ich nämlich hinaus will ist folgendes:

Ich spiele neuerdings Fussball.
Meine Nachbarin hat mich dazu gebracht. Es sind Leute aus ihrem Bekanntenkreis, eine gemischte Gruppe, Männer und Frauen, was mir am Anfang etwas problematisch vorkam. Ich befürchtete, die Männer würden uns Frauen keine Chancen lassen, oder aus übermässiger Rücksicht nicht richtig spielen. Aber am meisten fürchtete ich mich vor Verletzungen. Nicht blaue Flecken am Schienbein, ich spreche von zertrümmerten Knien, Bänderrissen, von meinem gestorbenen Schneidezahn, solchen Geschichten.
Oder noch schlimmer: Von inneren Verletzungen, wie Eifersucht und solchen Szenen.
Die Männer in der Gruppe spielen aber sehr fair. Gerade so brutal, dass wir Frauen sie noch für richtige Fussball Helden halten, und so zuvorkommend und verständnisvoll, dass wir sie nicht als Weicheier einstufen. Ihr Spiel ist eine Gradwanderung zwischen Egoismus und Anerkennung.
Wie im richtigen Leben.
Gefährlich sind eher die Frauen.
Die Frauen in der Mannschaft spielen den Ball grundsätzlich in die Luft hinauf und schwingen dabei den Fuss so hoch wie möglich hinterher. Dabei geraten sie schon auch mal versehentlich an ein Schienbein oder an eine Rippe. Es spielt eigentlich gar keine Rolle, wohin sie den Ball schiessen. Hauptsache weg. Ich bekam einmal den Ball mit voller Wucht in den Bauch, aber man lernt schnell, sich reflexartig geduckt abzuwenden sobald eine Frau am Ball ist, dann bleibt auch der Kopf verschont.

Es macht trotzdem Spass Fussball zu spielen. Wirklich. Einigermassen bedenklich finde ich den Spass aber seit heute, als mir meine Nachbarin ihre neu gekauften Fussballschuhe gezeigt hat, mit Noppen.
Ja. Noppen.
Sie kennen doch die Bilder von Egon Schiele. Ich fand immer, dass Schieles Frauen so grün und blau geschlagen aussehen.
Das fällt mir gerade ein, wenn ich meinen grünblau gefleckten Körper betrachte.
Ich wage es gar nicht mir auszumalen, wie meine blaugrünen Flecken mit zusätzlich dunkelrot genoppten Blutergüssen aussehen.
Schielesk.

23.05.06

Déjà-vu-Gefühl

Das kommt mir bekannt vor. Vom Gefühl her. Möchte die Ausstellung unbedingt sehen.

22.05.06

Marillenlikör

Samstag:
im Dialekt des Alkoholgeistes gesungen:

Heut sammer blau
und morgen, wer weiss das genau
wie d’Vögel so leicht
oder im Grab drunten vielleicht

du bist der Prinz von Sansibar
und ich die Mauretanierin an der Bar

Wie’n Drosselei sammer so blau
und morgen, wer weiss das genau
von’nem radioaktiven Regen ’bleicht
oder vom Intercity den Schienen an’gleicht

du bist der Prinz von Sansibar
und ich die Mauretanierin an der Bar

...


Sonntag:
leicht angegleicht
Der Kater vom Likör ist nichts dagegen. Ich hab einen ganzen Streichelzoo im Kopf.

19.05.06

Der Reiz des Aufsparens

Meine Freundin Zhu sagte noch: Minka, du musst den Braten essen, wenn er heiss ist.
Man kann sich aber auch die Zunge verbrennen, wenn man zu gierig isst, dachte ich.
Ich wollte ihn mir lieber für später aufsparen. Für nachher. Wenn es mit dem jungen Liebhaber zu Ende ist.
Doch manchmal, wenn man sich zu lange etwas aufspart, verschwindet es plötzlich. Oder man verliert es. Es kann auch bedeutungslos werden. Oder völlig aus der Mode kommen, wie das seidene Kleid, das ich vor zwanzig Jahren in Paris gekauft hatte. Ich nannte es mein Chagall-Kleid, weil es wie das Blau der Chagall-Fenster im Zürcher Fraumünster leuchtete. Ich sparte es für eine ganz besondere Gelegenheit auf, die aber nie kam. Dann, als es plötzlich besondere Gelegenheiten gab, war es démodé.
Ich sparte mir als Kind auch das Ei auf dem Teller bis zuletzt auf, und ass zuerst tapfer die Kartoffeln und den Spinat. Dann kam immer das beste am Schluss. Damit kann man erstmal weiterleben. Aufsparen hat eben schon seinen Reiz. Ich könnte sogar ganz genau sagen, was für ein herrlicher Reiz im Aufsparen liegt. Aber der Reiz hat es gerade mit mir verspielt. Es kann eben auch daneben gehen.
Und nun ist er weg, er, den ich mir für später aufsparen wollte. Verschwunden.

Garcia Marquez schreibt irgendwo - wenn ich mich recht erinnere - dass es im Leben nur eine begrenzte Anzahl an Fickmöglichkeiten gibt. Nimmt man sie nicht wahr, gehen sie unwiederbringlich verloren.
Wobei ich unwiederbringlich in diesem Zusammenhang weder bedrohlich noch traurig finde. Eher die begrenzte Anzahl beunruhigt mich ein wenig.

17.05.06

...

Der tranceartige Zustand von Schlafmangel. Seit zwei Tagen.

16.05.06

Wie alles anfing

Houellebecq, bei dem ich jedes Mal nachsehen muss, wie man ihn schreibt, hat mich quasi auf mein erstes Weblog gebracht. Ich suchte damals im Internet, wie man den Namen ausspricht. Ich behauptete nämlich (und tu es immer noch), dass man ihn französisch aussprechen muss: ’oulle-bek. Meine Arbeitskollegen meinten dagegen, es müsse englisch klingen: wel-bek. Wikipedia gibt ihnen dummerweise Recht. Aber ich googelte so lange weiter, bis ich eine Seite finden würde, die ihn französisch ausspräche. Doch unterwegs verlor ich meine anfängliche Absicht schnell und verfolgte bereits eine andere Spur - ich glaube es war die Buchmesse in Frankfurt – als ich unverhofft auf dem ... is a blog landete. Ich war völlig begeistert von dem, was ich da entdeckt hatte. Ich las Einträge und Kommentare und ältere Einträge, und die Frau, die das schrieb, wurde mir immer sympathischer. Ein paar Wochen lang besuchte ich täglich ihren Blog und ich las ihre vielfältigen, kleinen, schönen und liebevoll erzählten Geschichten des Alltags mit grossem Genuss. Bald entdeckte ich auch weitere Blogs, entwickelte meine persönlichen Vorlieben und merkte auch, dass ich mit dem ...is a blog eine der wenigen Perlen im Saufutter gefunden hatte. Das ist vermutlich ungeschickt ausgedrückt jetzt. Aber‚Nadel im Misthaufen’ ist wohl auch nicht besser.
Bleiben wir also bei den Perlen, die vor die Säue geworfen werden.
Ich stosse natürlich, wenn ich ab und zu durch das knietiefe Schweinefutter wate, immer wieder auf kostbare Perlen. Dann ziehe ich sie zu meiner Kette auf, und rolle fast täglich, wie ein Rosenkranz, Perle für Perle ab, was jedes Mal kleine Seufzer des Staunens, der Bewunderung und Dankbarkeit in mir hervorruft.

14.05.06

...


Ein Mann lebt sein Leben geistreich und voller Frauenbilder.


13.05.06

Trouvaille

Wenn du, werte Leserin, zum Wochenende einen Pornofilm ganz nach deinem Geschmack sehen willst, dann habe ich bei .txt (tausend Dank) diesen Frauenporno für dich gefunden.
Die sympathische Erika Lust hat den zwanzigminutigen Film produziert und er kann kostenlos bei ihrem Blog runtergeladen werden.
Der Kerl im Film ist wirklich lecker und seine zurückhaltende und doch aufmerksame Art ist unwiderstehlich. Du möchtest am liebsten rausfinden, wie er riecht, und sobald die Darstellerin seinen Schwanz im Mund hat, willst du nur eines: Auch wissen wie er schmeckt.
Du wirst erleichtert sein, dass die zwei Frauen keine Silikonbrüste und keine braun umrandeten Lippen haben, und du wirst dich auf anhieb in ihren süssen Akzent verlieben.
Du wirst bestimmt deine Lieblingsstellung wiederfinden und spätestens in dem Moment wird sich alles an dir daran erinnern,
und du wirst komplett in die Handlung eintauchen...

Und werte Alle: Ich möchte mich jetzt nicht über Gender- oder Genrefragen auslassen.
Vielmehr scheine ich etwas entdeckt zu haben, was mir gut gefällt und falls Jemand noch so eine Trouvaille für mich hat: Her damit!
hehehe

10.05.06

Schafskälte

Heute Morgen geisterten die Eisheiligen in ihren Nebelgewändern und Dunstschleiern durch die Gassen...

Rücken oder Arsch, oder wie Bezeichnungen für Brotformen bei meiner Lieblingsbäckereiverkäuferin ganz einfach auf der Hand liegen

Arsch oder Rücken? fragt mich jeden Morgen die Bäckerei Verkäuferin, während sie die zwei aneinander geklebten Sankt-Galler Brote mit ihren mehlbestäubten, unglaublich muskulösen Händen voneinander trennt. Sie schaut mich fragend an und präsentiert mir auf Busenhöhe die zwei ungleich runden Brote. Ich sage jedes Mal: „Den Arsch natürlich!“
Sie weiss es. Und trotzdem fragt sie mich jeden Morgen.
Mir gefällt es, wie sie die zwei Brote in den Händen wiegt, während ihre Worte noch wie ein Hauptgewinn im Raume schweben. Und ich mag es, morgens um halb sieben „Geben Sie mir ruhig den Arsch!“ zu antworten ohne rot zu werden.
Dann packt sie mir das rundere der beiden Brotteile ein und lächelt wie ein Engel.

09.05.06

Blue Hole
Selten solch berauschende Sogwirkung beim Lesen verspürt.

08.05.06

Coupe Dänemark

Warum heisst die Kombination von Vanilleglace mit heisser Schokoladensauce eigentlich Coupe Dänemark?

05.05.06

Bagger



Heute zum ersten Mal begriffen, dass Männer mit der gleichen Faszination einer Frau beim Tanzen zusehen, wie Buben einem Bagger auf der Baustelle.

04.05.06

Veränderung und Kontinuität

Täglich neue 'Zumerstenmale':

Heute: Zum ersten Mal nervös geworden bei dem Gedanken Chefin zu werden.
Es wird ernst.

Und auch: Zum ersten Mal Minigolf gespielt.

03.05.06

Sportsgeister

Ich jogge jetzt.
Zum ersten Mal im Leben.
Das stimmt wirklich. Das mit dem ersten Mal.
Ich hätte es niemals geschafft alleine joggen zu gehen.
Nach drei Minuten hätte ich aufgegeben.
Darum bin ich zum Turnverein Bern gegangen und habe gesagt:
Guten Tag, ich möchte joggen.
Der Verein war hocherfreut und hat mir eine Trainerin zugeteilt.
Eine junge, super sportliche Leichtathletikerin mit Pferdeschwanz und sportlichem Lachen und mit einem Sportsblick, der mich zum auf der Stelle Trippeln bringt.
Ich bin wie gesagt nach drei Minuten joggen fix und fertig und möchte aufgeben. Möchte lieber gar nie mit Joggen angefangen haben. Aber meine Trainerin zieht mich weiter mit ihrem Sportsgeist, der uns wie ein geisterhaftes Band verbindet, ich schaue von der Seite auf ihren wedelnden Rossschwanz und ihre kleinen, sportlichen Brüste und denke: Alles an ihr freut sich. Lacht. Wie schön. Ich gebe nicht auf.
Ich habe all meinen Freundinnen gesagt, dass sie mit uns joggen kommen können. (Ich habe meiner Trainerin bereits beim ersten Mal mein ganzes Leben und was ich über Sport denke erzählt, und wir brauchen neuen Gesprächsstoff.) Aber sie hassen joggen. Ich habe es nicht anders erwartet. Es sind ja schliesslich meine Freundinnen. „Warum joggst du, Minka,“ fragen sie mich, „das ist das doofste, was man machen kann. Bist du auf Glückshormone aus? Hast du dir mal die Jogger angesehen, wie die aussehen? Willst du so werden wie die?“ drohen sie mir.
Ich sehe hunderte von Joggern, wenn ich jogge. Tausende. Sie rennen alle an der Aare entlang zwischen sechs und acht Uhr, mit engen oder kurzen Sportshosen. Überholen mich. Sprinten mir entgegen, kreuzen mich, atmen mit offenen Mündern geräuschvoll aus und hinterlassen sportliche Gerüche. Ich traue mich nie so richtig hinzuschauen.
Ich überlege mir, ob ich mit Volleyball oder Pingpong anfangen soll.
Aber das Joggen gebe ich nicht so schnell auf.
Mein Körper lacht.

24.04.06

Alles ist Wurst, oder an manchen Tagen ist es zum aus der Haut fahren

Seit einer Weile beschäftigt mich dieser Aphorismus, den ich letztens las: “Vegetarier werden nicht älter, sie sehen nur so aus!” Irgendwie hübsch der Spruch.
Vielleicht geht mir dieser Satz auch nicht aus dem Kopf weil ich ihn beim Autofahren an der Rückseite des vor mir fahrenden Metzgereifachbedarfs-Lieferanten las. Als ich ihn überholte zwinkerte er mir mit seinen listigen kleinen Äuglein zu.
So und was kommt jetzt?
Ich kann nicht verstehen, wie man es geniessen kann, Kadaver zu essen? oder: All diä Tierlifrässer, wo diä armä Tierli tödäd wo doch nüt defür chönnd? Oder:
Wie erlebe ich Vegetarierinnen?

Nun es gibt ganz Verschiedene. Zum Beispiel solche, die ständig Früchte essen. Eigentlich würden sie am liebsten alles auffressen: Mich, Dich, Alle. So sieht es jedenfalls aus wenn sie sich ihre Früchteschalen zubereiten. Aber sie würden es niemals zugeben. Vielleicht wissen sie es nicht einmal. Vegetarierinnen sind gut im Verdrängen. Und was mich etwas beunruhigt: Früchte-Vegetarierinnen wirken blass. Und sauer. So, als müssten sie ständig in den sauren Apfel des Lebens beissen.
Sie sind saurer und blasser als Salat-Vegetarierinnen, deren Körper mit den Jahren durchsichtig und sehnig wie Blattfasern erscheinen. Salat-Vegetarierinnen wirken wie phantomhafte Gestalten die alle Lebenden durch ein ereignisloses, blutleeres Innenleben zu überzeugen versuchen. Die Gewissheit der überlegenen Bescheidenheit treibt sie an: Ein Salat der blüht hat doch sein Ziel verfehlt.

Unerträglich milde und nett, und dennoch von einem beängstigenden missionarischen Eifer getrieben sind Körner-Vegetarierinnen. Aber leider kriegen sie auch durch strengste Kontrollen nicht alles auf dieser Welt in den Griff. Immer bleibt noch was zum schrotten übrig. Doch der innere General liegt ständig auf der Lauer. Besonders wenn sie noch nicht Marathonläuferinnen geworden sind und noch keiner militärischen Eliteeinheit angehören.
Apropos General: Spätestens seit der Mann mit dem kleinen Schnäuzchen Europa im letzten Jahrhundert besucht hat, könnten wir wissen, dass Vegetarier nicht unbedingt die friedfertigeren Menschen sind.

Dann die Schokolade-Vegetarierinnen. Irgendwie brauchen sie schon noch so einen Kick, dass etwas geht im Leben. Doch die Nasenscheidewand ist bei ihnen meist schon zu sehr ruiniert. Schoggi muss reichen. Eigentlich würden sie schon Fleisch essen, aber das holt sie einfach zu sehr runter. Und mit Schoggi bleibt man echt schlank, zumindest solange man nicht wirklich was anderes dazu isst.

Gut sind auch die Soja-Vegetarierinnen. Ich meine diese ernährungsbewussten Business-Ladies bei denen in der Küche das ganze Sideboard voll Fleischimitat-Konservendosen steht. Garantiert fleischfreie Grillbratwurst aus 100% Vollwertweizen-Pilz. Ja super. Wer die Imitation kennt verzichtet gerne auf sein Leben.

Nun meine werten vollwertigen Vegetarierinnen, ist es wohl Zeit euch zu sagen, dass ihr nicht gemeint seid. Ich meine natürlich die anderen. Ich will auch niemanden persönlich beleidigen. Mir geht es mehr ums Ganze. Sozusagen die innere, spirituelle Wirklichkeit. Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ehrenwort.
Und warum schreibe ich eigentlich nur immer von Frauen. Nun ja Mädels, wäre ich ein Mann ginge das nicht; - sexistisch und so, ihr wisst schon. Aber da ich nun mal eine Frau bin..... - Hey, gewisse Dinge müssen wir einfach unter uns klären. Findet ihr nicht auch?

Was ist das leibhaftige Gegenteil einer Vegetarierin?
Eine Fleischesserin? Nein so einfach ist das Leben nicht.

Tja, wenn ich mal mit solchen Überlegungen anfange, kann ich fast nicht mehr damit
aufhören. Ich könnte mich genauso über Fleischesser auslassen. Deshalb gehts jetzt noch ein bisschen weiter. Obwohl bei diesem Thema die Gefahr besteht ins Fleischliche abzugleiten. Also seid nachsichtig, denn wenn ihr mir bis hierher gefolgt seid wisst ihr, ich habe es verdient. An manchen Tagen ist mir alles Wurst. Es ist einfach zum aus der Haut fahren. Mit Senf bitte, denn ich mag es scharf!


Zum Beispiel:
Schweinefleischesser: Dumpfbacken mit einem Hang in der Sonne zu schmelzen. Frivole Spasssäue. Sie “haben” Geschlechtsverkehr, besitzen ihn sozusagen. Sie haben “Titten” und öffnen bei der Grillparty den obersten Knopf ihrer Jeans auch wenn alle hinschauen.

Lammfleischesser: Geniesserische Lustmenschen mit einem Hang zur Hysterie. Sie können blitzschnell zu toben beginnen und schmeissen im Streit das Geschirr an die Wand. Aber sie besitzen auch die Fähigkeit ihre fleischliche Aggression in feurige Liebesspiele und phantasieanregende Masturbation umzusetzen.
Was glaubst Du, werte Leserin, bist Du eine Lammfleischesserin? Eindeutig?

Und die Fischesser? Vielleicht sind die Fischesser die Oralbefriediger. Fische sind stumm obwohl sie einen grossen Mund haben. Fische wissen alles. Sie sagen nichts. Sie machen Blasen. Da haben wir's: blasen. Passt doch!
Fische rutschen am liebsten gleich zwischen die Beine, weil es da schön feucht ist.
Hilfe ich bin am abrutschen. Madonna der Pflanzenfasern steh mir bei!! Ich habe nichts gesagt.
Sojetzt ist aber Schluss!


Nachtrag:
Natürlich weiss ich, dass ich Rindsaftsteakesser und Hähnchenschenkelknabberer nicht erwähnt habe. Ich erhebe aber auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es reicht.

22.04.06

Relaxieren Sie bitte! (Teil 2)

Wenn du, werte Leserin, seit drei Monaten nicht mehr rauchst und es für dich inzwischen supersuperleicht sein sollte, du dich aber immer noch wie Laika in der Sputnik fühlst, und diese Panik, nie mehr Boden unter die Füsse zu kriegen dich beinahe wahnsinnig macht, dann weiss ich dir einen guten Rat:
Gönn dir eine Massage, das entspannt, das holt dich aus deiner Weltraumkapsel raus.
Nimm einfach das Telefonbuch und such einen Masseur. Es muss ein Masseur sein und keine Masseurin, weil... Du fragst nicht warum, das ist einfach so. Und abgesehen davon ist es spannender ein Masseur zu suchen. Schau auf die Namen. Calmaccico. Der Vorname dazu: Ivan. Ivan! Oj oj, das klingt doch sehr sehr gut. Und ein Name mit vier Cs, das ist genau das Richtige für dich! Ruf an! Sofort! Und du wirst einen Termin bekommen, auch wenn du aus dummer Angewohnheit beim Telefonieren mit dem Stuhl schaukelst, und diesmal, etwas nervöser als sonst, prompt mitsamt Stuhl nach hinten auf den Boden kippst, aus Schreck einen Todesschrei in den Hörer kreischst... Masseure wissen, dass Sputnikinsasinnen ein Leben voller Sturzflüge haben.
Du wirst also dort hingehen und hin und weg sein! Der Masseur wird zu deiner grossen Überraschung ein Prachtskerl von Mann sein. Einer dieser seltenen Italiener mit langen, sagenhaft blonden Haaren. Einer dieser starken und doch weichen Männer, na du weißt schon, genau nach deinem Geschmack.
Natürlich wirst du dich nicht verlieben und du wirst auch nichts von ihm wollen. Wer denkt so was! Nein nein nein, es ist zufällig ein schöner Mann, der dich massiert, und das ist ein de luxe Genuss, und im Vertrauen: Du wirst dich fragen, warum du nicht schon längst auf die Idee gekommen bist, mit dem Rauchen aufzuhören und dir dafür eine Massage zu gönnen.

12.04.06

11.04.06

Bin auf Reisen.
Nach Ostern wieder da.

05.04.06

Vom Glück im Abspann zum eigenen Film erwähnt zu werden...

Vielleicht gehe ich darum lieber alleine ins Kino, weil ich mir die sagenhaft dummen
Kommentare der BegleiterInnen danach nicht anhören will.
All die Menschen, die nach einem Film reden, weil sie denken, man müsse nach einem Film etwas zum Film sagen. Ich wundere mich, wie Menschen auf die Idee kommen mir zu erzählen, was sie in dem Film, den wir gerade zusammen gesehen haben, gesehen haben. Ich wundere mich sowieso, was die Leute sehen.

Ich bin immer etwas enttäuscht, wenn ein Film zu Ende ist. Enttäuscht ist das falsche Wort. Entsetzt auch und verwundert ist zu lange her. Ich möchte einfach, dass all diese lichtgefüllten Bilder immer weiter ihre Geschichten erzählen. Das Ende eines Filmes ist immer ein kleiner Schock: Irgendwann wird mir unwiederbringlich klar, dass dies nun eindeutig der Abspann ist, ganz unvermittelt gehen die Lichter an, all die schemenhaften Figuren um mich her erheben sich, sammeln ihren Kram ein, schon gehen die Vorsorglichsten noch schnell auf die Toilette vor dem Nachhauseweg. Da hilft wohl alles nichts. Das eigene Leben geht weiter.

Zum Glück gibt es den Abspann. Der Abspann macht das Zurückkehren leichter. Er gibt mir wenigstens die Möglichkeit, noch eine Weile in einer Zwischenwelt versunken zu bleiben, wie morgens im Bett, wenn ich mich noch einmal umdrehe und den Komplikationen etwas Aufschub gewähre. Ich kann mich aber nach einem bewegenden Film auch entscheiden, möglichst lange nicht in die Realität zurück zu kommen. Dies gelingt mir besser alleine. Dann versinke ich noch tiefer unter der Decke meiner Wünsche und möchte nie, nie mehr aufwachen.

Den Wiedereintritt in die eigene ereignislose Alltäglichkeit halten wohl die wenigsten Menschen aus und so beginnen sie wild drauflos zu reden. Bloss jetzt nicht die Erbärmlichkeit der eigenen Geschichte fühlen, scheinen sie mir sagen zu wollen. Am besten Gemütlichkeit vortäuschen: „Sollen wir noch etwas trinken gehen?“
Das ist als ob der leuchtende Hase in meinem Traum kurz bevor wir fliegen, sagen würde: „Oh, ich kann jetzt nicht, ich muss erst am Automaten ein Ticket lösen.“
Weiss der Schinder, weshalb so viele Menschen es vorziehen, sich der alles übertünchenden Gemütlichkeit der Automaten anzuvertrauen. Da halte ich noch lieber mein eigenes Leben aus, das einfach ganz unerwartet und beinahe unbemerkt weiter geht.

31.03.06

Sexistischieren Sie bitte!

Wenn du, werte Leserin, etwas dazu beitragen möchtest, dass die Strassenputzkolonne vor deinem Wohnhaus etwas gründlicher putzt als gewöhnlich, dann ist das ganz einfach. Einzige Bedingung dafür ist, dass du nicht höher als im zweiten Stock wohnst. Du brauchst auch weiter nichts zu tun, als dich in den Fensterrahmen zu stellen und die Fenster zu putzen. Wahrscheinlich glaubst du jetzt, du solltest dafür, wie sonst üblich dein hübsches Viva-Maria-Negligee anziehen. Aber nein, weit gefehlt, eine Turnhose mit weissen Streifen tut es auch. Vielleicht hat sie zwei Streifen und nicht drei (irgendwie muss man schon etwas auf sich halten, nicht wahr). Aber nicht dass du jetzt glaubst, du müsstest dich waghalsig auf den Sims schwingen, um dort in der Hocke das Fenster, welches zwischen deinen Schenkeln ruht auf Hochglanz zu polieren. Nein, die Helden der Stadtreinigung werden sich auch so richtig ins Zeug legen, für dich. Dein Anblick wird sie dazu verleiten, selbst in den unzugänglichsten Gebüschen vor deinem Haus nach Sugus-Papierchen zu suchen und den alten, verbeulten Robbi-Dog-Behälter an der Ecke auf Hochglanz zu bringen. Von dem ausserplanmässigen Einsatz etwas erschöpft, werden sie, wenn kein Stäubchen mehr auf der Strasse liegt, noch etwas rumlungern und sich Zigaretten anzünden. Doch wenn sie in deine Richtung schauen, dann so vorsichtig und verschämt, dass Du dich keine Sekunde lang beobachtet fühlst. Für einen Moment wird über den Männern, der glänzenden, lachenden Strasse und Dir das feierliche Gefühl liegen, etwas sehr Besonderes erlebt zu haben.

30.03.06

Was mich erregt (Teil 23)

Wenn er mich zum Lachen bringt.

Die Stadt frisst mich auf

Ich schliddere langsam in eine eigenartig geschäftige, urbane Gleichgültigkeit ab. Es wird Zeit, dass ich wieder raus komme.

28.03.06

2 Monate (Teil 5)

Es kommt in letzter Zeit öfter vor, dass ich Musik höre und gerührt weinen muss, weil
sie so überwältigend ist.

Manchmal weine ich aber auch aus Nostalgie, weil die Musik mich an eine Zeit erinnert, in der ich unglaublich glücklich war.

Aber nicht selten ist es ganz einfach so, dass ich beim Musikhören immer noch dieses zerreissende Verlangen nach Nikotin habe und ich pauschal weine. Um nicht wütend zu werden.

26.03.06

Raffinesse des Alters

Eine Studie aus Texas besagt, dass man länger jung bleibt, wenn man kein Problem mit dem Älterwerden hat. Der Grund: Zufriedenheit und positive Gefühle halten jung und gesund.
Ich wollte etwas für meine positiven Gefühle tun und habe am Samstag einen Schminkkurs besucht. Für die Reife Dame. Wehe jemand lacht jetzt. Der Kurs für die Unreifen war schon voll. Die Demoiselle am Empfang meinte, es passt schon, mit vierzig sei man reif.
Wenn ich nicht mehr mit Jugend blühen kann, dann zumindest mit makellos geschminkten Lippen und perfekt aufgetragenem Rouge, dachte ich mir. Das hinzukriegen ist eine Kunst, wie ich erfahren sollte.

Ich hatte einen Kater und kam zwei Stunden zu spät. Der Visagist schaute mir als erstes auf die Schuhe (Ausgelatschte Puma Turnschuh Kopie, die ich vor drei Jahren auf dem Chinesischen Markt in Budapest erstanden hatte) und bebte mit den Nasenflügel. Dann sah er mir ins Gesicht und fragte, wie viele Stunden ich geschlafen hatte. Ich atmete tief durch. Ich mochte ihn auch nicht. Er redete die ganze Zeit und beschwerte sich über ungepflegte Frauen und solche, die keinen Geschmack haben. Sprich: Frauen, die sich nicht schminken. Wie ich.
Ich lernte also, wie man im Alter mit ein wenig Raffinesse und einem perfekten Make-up die Schönheit der Jugend wettmachen, und das Alter ganz einfach übertuschen kann.
Ich gebe zu: ich sah beeindruckend aus, mit meinem Abend Make-up. Der Visagist war auch zufrieden. Er sagte: „Wenn du so daher kommst kannst du alle Männer um den Finger wickeln.“ Er lächelte sogar dabei.

Mitten in der Nacht

„Ich habe gesehen, dass bei dir das Licht noch brennt.“
„Ja. Komm rein.“