16.01.10
Parfait Amour
Frage mich, wie 'Parfait Amour' schmeckt. Dieser Veilchenlikör aus Montpellier mit so einem schönen Namen.
15.01.10
Vormittagsklasse
Wir üben Ratschläge geben.
Die Klasse döst, wie jeden Morgen, erstmal still vor sich hin.
Ich teile Kärtchen mit Problemstichworten aus.
"Nun, ich habe Kopfschmerzen," sage ich, "was kann ich tun?"
"Essen Sie ein Aspirin."
"Gut. Noch eine Idee?"
Stille.
"Nelson, was hast du?"
Er liest sein Kärtchen: "Stress. Ich habe Stress."
"Und?"
Dösende Stille.
"Gebt ihm einen Ratschlag, Leute!"
"Du musst mehr schlafen."
"Geh an die frische Luft spazieren."
Stille.
"Sehr gut. Was hilft auch noch?", frage ich aufmunternd.
Rosalie spricht pragmatisch und ganz ohne zu erröten: "Sex."
Kichern.
"Sex ist auch Stress," sagt Nelson schmunzelnd.
Lachendes Durcheinanderreden.
"Ruhe!"
Olga zeigt auf ihr Kärtchen: "Ich habe Halsschmerzen, aber ich will lieber Stress mit Nelson haben."
Wenigstens ist die Klasse jetzt hellwach.
Die Klasse döst, wie jeden Morgen, erstmal still vor sich hin.
Ich teile Kärtchen mit Problemstichworten aus.
"Nun, ich habe Kopfschmerzen," sage ich, "was kann ich tun?"
"Essen Sie ein Aspirin."
"Gut. Noch eine Idee?"
Stille.
"Nelson, was hast du?"
Er liest sein Kärtchen: "Stress. Ich habe Stress."
"Und?"
Dösende Stille.
"Gebt ihm einen Ratschlag, Leute!"
"Du musst mehr schlafen."
"Geh an die frische Luft spazieren."
Stille.
"Sehr gut. Was hilft auch noch?", frage ich aufmunternd.
Rosalie spricht pragmatisch und ganz ohne zu erröten: "Sex."
Kichern.
"Sex ist auch Stress," sagt Nelson schmunzelnd.
Lachendes Durcheinanderreden.
"Ruhe!"
Olga zeigt auf ihr Kärtchen: "Ich habe Halsschmerzen, aber ich will lieber Stress mit Nelson haben."
Wenigstens ist die Klasse jetzt hellwach.
12.01.10
Es bessert gut
Gestern habe ich den ganzen Tag nur geschlafen und gelesen. Hielt mich mit Zwieback und Tee bei Kräften. Alles andere wollte einfach nicht im Magen bleiben.
Tatsächlich liege ich seit Sonntag wieder flach. Diesmal ist es eine Darmgrippe. Ich mache mir schon gar keine Sorgen mehr darüber, dass ich schon wieder krank bin. Es musste so kommen. Mein Körper hat sich für die einfachste Lösung entschieden.
Auch heute steht auf meinem beneidenswerten Tagesprogramm: Schlafen und Lesen.
Ich lese Louise Erdrich. Gerade bin ich an 'Liebeszauber'. Ich tauche in die Geschichte ein und liege da, halb ertrunken in ihrer schönen und bildhaften Sprache, schlafe ein und kann es im Schlaf schon nicht mehr erwarten, weiter zu lesen.
Tatsächlich liege ich seit Sonntag wieder flach. Diesmal ist es eine Darmgrippe. Ich mache mir schon gar keine Sorgen mehr darüber, dass ich schon wieder krank bin. Es musste so kommen. Mein Körper hat sich für die einfachste Lösung entschieden.
Auch heute steht auf meinem beneidenswerten Tagesprogramm: Schlafen und Lesen.
Ich lese Louise Erdrich. Gerade bin ich an 'Liebeszauber'. Ich tauche in die Geschichte ein und liege da, halb ertrunken in ihrer schönen und bildhaften Sprache, schlafe ein und kann es im Schlaf schon nicht mehr erwarten, weiter zu lesen.
06.01.10
04.01.10
Brachliegen
Ab und an gehe ich zu meiner alten Nachbarin gegenüber, erkundige mich nach ihrem Befinden, und dann sitzen wir eine Weile zusammen auf dem Sofa und sehen uns die Tagesschau an. Ich selbst habe noch immer keinen Fernseher. Heute hat sie mir eine Schachtel assortierte Baron Pralinen aus Polen geschenkt, weil ich neulich ihr Telefon reparierte. Sie schmecken leider furchtbar. Wie dubios aromatisierte, braunlackierte Zuckerwürfel.
Ich kann nicht in die Berge fahren, das Wetter ist zu schlecht.
Bin untröstlich!
Muss mir einen feinen Plan ausdenken für die nächsten Tage, damit ich mich nicht hinter den Ofen verkrieche und demoralisiere.
Ich kann nicht in die Berge fahren, das Wetter ist zu schlecht.
Bin untröstlich!
Muss mir einen feinen Plan ausdenken für die nächsten Tage, damit ich mich nicht hinter den Ofen verkrieche und demoralisiere.
Eintrag
Es gibt keinen Eintrag von Berlin. Habe nichts geschrieben, nicht fotografiert.
Es gab diesmal nur viel Zeit und viele viele Gespräche mit guten Freunden in Mitte, Friedrichshain und Neukölln.
Es gab auch drei hübsche Kleider, zwei Hosen und Stiefeletten, einen Spaziergang im Treptower Park, in Kreuzberg und irgendwo beim Viktoriapark, wo ich mich verlaufen hatte und beim Mehringdamm nach der nächsten U-Bahn Station fragen musste, Weihnachten mit iranischen Filmemachern und österreichischen Kunstsammlern, einen Notfall Zahnarztbesuch an der Berliner Strasse, der mich vierhundert Euro kostete, Nüsse und Süssigkeiten am Schlesischen Tor, Gözleme in der Sonnenallee, jeden Abend Vietnamesich, Sri Lankisch, Libanesisch oder Persisches Essen und fast jeden Abend Kino und Cocktailbars.
Es gab diesmal nur viel Zeit und viele viele Gespräche mit guten Freunden in Mitte, Friedrichshain und Neukölln.
Es gab auch drei hübsche Kleider, zwei Hosen und Stiefeletten, einen Spaziergang im Treptower Park, in Kreuzberg und irgendwo beim Viktoriapark, wo ich mich verlaufen hatte und beim Mehringdamm nach der nächsten U-Bahn Station fragen musste, Weihnachten mit iranischen Filmemachern und österreichischen Kunstsammlern, einen Notfall Zahnarztbesuch an der Berliner Strasse, der mich vierhundert Euro kostete, Nüsse und Süssigkeiten am Schlesischen Tor, Gözleme in der Sonnenallee, jeden Abend Vietnamesich, Sri Lankisch, Libanesisch oder Persisches Essen und fast jeden Abend Kino und Cocktailbars.
19.12.09
15.12.09
13.12.09
11.12.09
Milchglas Augen
Der in den Gesichtern aller Mütter mit Säuglingen ähnliche, tranceartige Ausdruck chronischer Übermüdung. Dieser trübe, abwesende Blick aus dem Busfenster in die Leere hinaus.
09.12.09
Zurück im Alltag
Es heisst snowboarden. Ich kann nächste Woche gar nicht snowboarden lernen, weil ich noch keine Ferien habe.
Ein Türchen öffnen im Terminkalender bringt auch täglich irgend eine Überraschung.
Ein Türchen öffnen im Terminkalender bringt auch täglich irgend eine Überraschung.
08.12.09
Lebkuchen
Trete auf die Strasse und bin überrascht mit welcher Präzision ich auf einmal alles wahrnehme. Ein nahrhafter Spaziergang, wie ein Stück Lebkuchen.
07.12.09
Leben
Heute ist mein erster Tag ausserhalb des Bettes. Gleich werde ich mich wieder hinlegen. Es macht noch keinen Spass, etwas zu tun. Habe noch immer Mühe mit klarem Denken.
Draussen regnet es, und ich muss mich zusammenreissen, dass ich mein Leben nicht unnütz, langweilig und sinnlos finde. Es ist nicht schlimm. Es ist einfach gerade nicht lustig.
Möchte nächste Woche in die Berge fahren und Snowboard fahren lernen. Das ist dann lustig. Hoffentlich schneit es bald.
Draussen regnet es, und ich muss mich zusammenreissen, dass ich mein Leben nicht unnütz, langweilig und sinnlos finde. Es ist nicht schlimm. Es ist einfach gerade nicht lustig.
Möchte nächste Woche in die Berge fahren und Snowboard fahren lernen. Das ist dann lustig. Hoffentlich schneit es bald.
06.12.09
Schmutzli heisst der Knecht Ruprecht in der Schweiz
Meine Gedanken reissen ständig ab. Wie Kalenderblätter. Die abgerissenen Gedankenblätter schweben die ganze Zeit in meinem Gehirn herum. Das Fiese ist, dass zwar eine Menge auf diesen Kalenderblättern steht, ich aber nicht in der Lage bin es zu lesen.
Natürlich denke ich auch an nackte Männer. Aber selbst der Gedanke an nackte Männer ist zu materiell für meinen deliriösen Zustand. Zu meiner Überraschung kommen sie als gehörnte Teufelsmänner in Fellkleidern über den Schnee gestampft. Haben dicke Glocken um die Lenden gebunden. Schleppen mich in den Wald ab.
Oh, Hörner und Felle sind manchmal gut um die Phantasie zu transportieren.
Natürlich denke ich auch an nackte Männer. Aber selbst der Gedanke an nackte Männer ist zu materiell für meinen deliriösen Zustand. Zu meiner Überraschung kommen sie als gehörnte Teufelsmänner in Fellkleidern über den Schnee gestampft. Haben dicke Glocken um die Lenden gebunden. Schleppen mich in den Wald ab.
Oh, Hörner und Felle sind manchmal gut um die Phantasie zu transportieren.
04.12.09
Linsensuppe
Meine Nachbarin kocht mir drei Mal am Tag etwas zu essen. Sie ist Iranerin und vor vier Monaten mit ihrem Mann, einem Tierarzt, in die Schweiz gekommen. Er arbeitet an einem Forschungsprojekt an der Uni und sie lernt Deutsch.
Sie klopft an die Tür, wartet zwanzig Sekunden, egal ob ich 'herein' oder 'jaja' oder schlafe und nichts rufe, dann klopft sie noch einmal und tritt vorsichtig ein. Sie legt das Silbertablett mit dem warmen Essen auf den Küchentisch und zieht ihr Kopftuch ab. Dann kommt sie ins Schlafzimmer, räumt meinen Müll weg, die Taschentücher und Orangenschalen und Dattelkerne, und stellt das Tablett ans Bett. Ich beschwere mich, sie soll nicht aufräumen, aber sie sieht mich nur mit einem Blick an, der sagt: Ich weiss. Sie fragt immer, was ich zu Essen wünsche, und ich versichere ihr, dass ich nichts brauche. Ich habe den Kühlschrank voller Suppen. Meine Freundinnen haben mir auch diesmal Suppen und Einkaufstüten voller Überlebenslebensmittel für Grippeopfer auf die Türschwelle gelegt. Sie faltet die Hände vor ihrem Schoss und lächelt.
Gestern Abend kochte sie mir eine Gemüsesuppe, weil ich Gemüsesuppe wünschte. Es war eine vorzügliche Fleischsuppe mit vielen frischen Kräutern, Koriander, Petersilie und Pfefferminze. Heute gab es eine Linsensuppe. Eine traditionell zubereitete iranische Linsensuppe. Die beste Linsensuppe meines Lebens. Es war so köstlich, dass mir die Tränen kamen.
Sie wartet immer, bis ich einen Löffel probiert habe und sieht mich dabei lächelnd an. Dann zieht sie sich rückwärts zurück, geht freundlich nickend rückwärts aus dem Zimmer und vollständig rückwärts zur Wohnungstür raus.
Sie klopft an die Tür, wartet zwanzig Sekunden, egal ob ich 'herein' oder 'jaja' oder schlafe und nichts rufe, dann klopft sie noch einmal und tritt vorsichtig ein. Sie legt das Silbertablett mit dem warmen Essen auf den Küchentisch und zieht ihr Kopftuch ab. Dann kommt sie ins Schlafzimmer, räumt meinen Müll weg, die Taschentücher und Orangenschalen und Dattelkerne, und stellt das Tablett ans Bett. Ich beschwere mich, sie soll nicht aufräumen, aber sie sieht mich nur mit einem Blick an, der sagt: Ich weiss. Sie fragt immer, was ich zu Essen wünsche, und ich versichere ihr, dass ich nichts brauche. Ich habe den Kühlschrank voller Suppen. Meine Freundinnen haben mir auch diesmal Suppen und Einkaufstüten voller Überlebenslebensmittel für Grippeopfer auf die Türschwelle gelegt. Sie faltet die Hände vor ihrem Schoss und lächelt.
Gestern Abend kochte sie mir eine Gemüsesuppe, weil ich Gemüsesuppe wünschte. Es war eine vorzügliche Fleischsuppe mit vielen frischen Kräutern, Koriander, Petersilie und Pfefferminze. Heute gab es eine Linsensuppe. Eine traditionell zubereitete iranische Linsensuppe. Die beste Linsensuppe meines Lebens. Es war so köstlich, dass mir die Tränen kamen.
Sie wartet immer, bis ich einen Löffel probiert habe und sieht mich dabei lächelnd an. Dann zieht sie sich rückwärts zurück, geht freundlich nickend rückwärts aus dem Zimmer und vollständig rückwärts zur Wohnungstür raus.
03.12.09
02.12.09
30.11.09
Liebesblick
Zwanzig Jahre habe ich gewartet um Ghedalia Tazartes live sehen zu können.
Ich stand im Foyer zwischen zwei Konzerten, als eine ältere Dame sich zu mir gesellte. Sie trug nur Schwarz, Weiss und Knallrot, sehr adrett. Sie sah inmitten all dieser Experimentalmusikliebhaber eigenartig gutbürgerlich aus. Ich fragte sie, für welches Konzert sie gekommen sei. Ihr Mann habe sie mitgeschleppt, antwortete sie, er höre nur solche schräge Musik. Ich suchte in der Menge einen Mann, der den Ihren hätte sein können. Sie merkte es, und deutete auf einen ziemlich jüngeren Mann, der genau so skurril aussah, wie die Musik, die er gerne hörte. Seine Haltung war etwas schief, die Strickjacke sah aus wie falsch zugeknöpft. Auch sein Hut sass schief. (Ich muss bei Menschen mit Hüten immer an diese Geschichte denken, die mein frommer Grossvater mir einst vorlas, in der Kinder 'behütet' waren, und ich mir stattdessen Kinder mit Hüten vorstellte.) Er stand inmitten der Wartenden ohne sich mit etwas beschäftigen zu müssen, ohne Drink, Gesprächspartner oder Hosentaschen für die Hände. Seine Frau betrachtete ihn liebevoll und ich spürte, dass sie sich spätestens nach dem zweiten Campari Orange zusammenreissen musste, dass sie ihn nicht für einen Helden hielt, wenn sie vom anderen Ende des Foyers zuschaute, wie seine Augen unter dem Hut hervorleuchteten und die ganze vor sich hin brabbelnde Menge zwischen ihnen in ein erträgliches Licht stellten.
Sie erzählte mir, wie er ihr zu Beginn ihrer Bekanntschaft diese Musik vorspielte, und sie skeptisch wurde, einen Moment lang abwog, ob sie ihn wirklich lieben könnte, mit all seinen Absonderlichkeiten. Aber sie mochte all das an ihm und verliebte sich.
Seit fünfzehn Jahren sind sie ein Paar.
Ich stand im Foyer zwischen zwei Konzerten, als eine ältere Dame sich zu mir gesellte. Sie trug nur Schwarz, Weiss und Knallrot, sehr adrett. Sie sah inmitten all dieser Experimentalmusikliebhaber eigenartig gutbürgerlich aus. Ich fragte sie, für welches Konzert sie gekommen sei. Ihr Mann habe sie mitgeschleppt, antwortete sie, er höre nur solche schräge Musik. Ich suchte in der Menge einen Mann, der den Ihren hätte sein können. Sie merkte es, und deutete auf einen ziemlich jüngeren Mann, der genau so skurril aussah, wie die Musik, die er gerne hörte. Seine Haltung war etwas schief, die Strickjacke sah aus wie falsch zugeknöpft. Auch sein Hut sass schief. (Ich muss bei Menschen mit Hüten immer an diese Geschichte denken, die mein frommer Grossvater mir einst vorlas, in der Kinder 'behütet' waren, und ich mir stattdessen Kinder mit Hüten vorstellte.) Er stand inmitten der Wartenden ohne sich mit etwas beschäftigen zu müssen, ohne Drink, Gesprächspartner oder Hosentaschen für die Hände. Seine Frau betrachtete ihn liebevoll und ich spürte, dass sie sich spätestens nach dem zweiten Campari Orange zusammenreissen musste, dass sie ihn nicht für einen Helden hielt, wenn sie vom anderen Ende des Foyers zuschaute, wie seine Augen unter dem Hut hervorleuchteten und die ganze vor sich hin brabbelnde Menge zwischen ihnen in ein erträgliches Licht stellten.
Sie erzählte mir, wie er ihr zu Beginn ihrer Bekanntschaft diese Musik vorspielte, und sie skeptisch wurde, einen Moment lang abwog, ob sie ihn wirklich lieben könnte, mit all seinen Absonderlichkeiten. Aber sie mochte all das an ihm und verliebte sich.
Seit fünfzehn Jahren sind sie ein Paar.
27.11.09
24.11.09
23.11.09
Arztroman 5
Nic hat eine neue Idee.
Neulich waren wir zusammen etwas trinken. Sie ist die einzige Frau, die ich kenne, dich sich gerne an die Bar setzt.
"Warum" sagte sie, während sie mir das Bier reichte, "schreibst du nicht dem anderen Arzt, dem Honigmundmann, die ganze Geschichte, wie du sein Foto im Internet fandest, und dass du dich auf Anhieb in ihn verliebt hast. So könntest du ihn kennen lernen."
"Ein Mann wie der ist garantiert verheiratet," sagte ich.
"Dann wird es ihm schmeicheln und du hast dein Glück versucht," zwinkerte sie mir zu.
Nic ist manchmal erfrischend unkompliziert in diesen Dingen. Und sie hat scheinbar eine Schwäche für Verkuppelungen entwickelt. Nach zwei Stunden und zwei weiteren Bieren fragte sie mich:
- "Welcher Mann gefällt dir hier am besten?"
- "Keiner."
- "Und der da?"
- "Hmnja."
Sie ging auf ihn zu und wechselte ein paar Worte mit ihm. Kurz darauf stellte sie ihn mir vor. Aber mir fielen nur komische Fragen ein und der Hmnjamann verzog sich wieder.
Nic gab, wie immer, nicht so schnell auf:
- "Mit welchem Mann könntest du dir vorstellen Sex zu haben?"
Ich schaute mich noch einmal um.
- "Mit der Dunkelhaarigen da drüben zusammen mit dem mit der Brille dort," sagte ich.
- "Die Dunkelhaarige kann ich ja verstehen, aber warum der mit der Brille?"
- "Er erinnert mich an einen Mann, den ich begehrte, aber mit dem ich nie Sex hatte."
- "Verstehe. Und die Dunkelhaarige wäre gewissermassen ein Trost Supplement?"
- "Nur eine gute Kombination."
- "Das wird zu kompliziert," winkte sie ab.
Später spendierte sie heimlich einem wildfremden Mann einen Zwetschgenschnaps von mir. Ich merkte es erst, als der Barmann auf mich deutete, und der Wildfremdemann verwundert schaute. Dann lächelte der Wildfremdemann, prostete mir mit dem Zwetschgengeist zu und so nahm der Abend an der Bar seinen Lauf, mit komischen Fragen und Nics Augen, die sich verdrehten.
Schliesslich kehrten wir heim in unsere Betten. Ganz ohne Kombinationen und Supplements.
Neulich waren wir zusammen etwas trinken. Sie ist die einzige Frau, die ich kenne, dich sich gerne an die Bar setzt.
"Warum" sagte sie, während sie mir das Bier reichte, "schreibst du nicht dem anderen Arzt, dem Honigmundmann, die ganze Geschichte, wie du sein Foto im Internet fandest, und dass du dich auf Anhieb in ihn verliebt hast. So könntest du ihn kennen lernen."
"Ein Mann wie der ist garantiert verheiratet," sagte ich.
"Dann wird es ihm schmeicheln und du hast dein Glück versucht," zwinkerte sie mir zu.
Nic ist manchmal erfrischend unkompliziert in diesen Dingen. Und sie hat scheinbar eine Schwäche für Verkuppelungen entwickelt. Nach zwei Stunden und zwei weiteren Bieren fragte sie mich:
- "Welcher Mann gefällt dir hier am besten?"
- "Keiner."
- "Und der da?"
- "Hmnja."
Sie ging auf ihn zu und wechselte ein paar Worte mit ihm. Kurz darauf stellte sie ihn mir vor. Aber mir fielen nur komische Fragen ein und der Hmnjamann verzog sich wieder.
Nic gab, wie immer, nicht so schnell auf:
- "Mit welchem Mann könntest du dir vorstellen Sex zu haben?"
Ich schaute mich noch einmal um.
- "Mit der Dunkelhaarigen da drüben zusammen mit dem mit der Brille dort," sagte ich.
- "Die Dunkelhaarige kann ich ja verstehen, aber warum der mit der Brille?"
- "Er erinnert mich an einen Mann, den ich begehrte, aber mit dem ich nie Sex hatte."
- "Verstehe. Und die Dunkelhaarige wäre gewissermassen ein Trost Supplement?"
- "Nur eine gute Kombination."
- "Das wird zu kompliziert," winkte sie ab.
Später spendierte sie heimlich einem wildfremden Mann einen Zwetschgenschnaps von mir. Ich merkte es erst, als der Barmann auf mich deutete, und der Wildfremdemann verwundert schaute. Dann lächelte der Wildfremdemann, prostete mir mit dem Zwetschgengeist zu und so nahm der Abend an der Bar seinen Lauf, mit komischen Fragen und Nics Augen, die sich verdrehten.
Schliesslich kehrten wir heim in unsere Betten. Ganz ohne Kombinationen und Supplements.
22.11.09
Ich war jung und brauchte das Geld 2
Habe die hälfte meiner Kurzgeschichte fertig. Und nur noch eine Woche Zeit. Ich werde vermutlich nicht fertig. Dabei habe ich schon begonnen das Geld auszugeben, das ich gar nicht mehr gewinnen werde.
Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten den ganzen Tag nichts anderes tun, als Kurzgeschichten schreiben, über Menschen, die Ingo heissen oder meinetwegen Bernd, und sich verlieben, eine Weile sehr glücklich sind und dann verlassen werden. Und immer Sehnsucht haben. Dann tun sie verrückte Dinge, um ihre Sehnsucht zu stillen und es wird richtig spannend. Irgendwo würde eine Stelle mit heissem Sex vorkommen, die man immer wieder aufschlagen und nachlesen würde, weil sie so gelungen ist.
Wenn es nach mir ginge, würde ich am liebsten den ganzen Tag nichts anderes tun, als Kurzgeschichten schreiben, über Menschen, die Ingo heissen oder meinetwegen Bernd, und sich verlieben, eine Weile sehr glücklich sind und dann verlassen werden. Und immer Sehnsucht haben. Dann tun sie verrückte Dinge, um ihre Sehnsucht zu stillen und es wird richtig spannend. Irgendwo würde eine Stelle mit heissem Sex vorkommen, die man immer wieder aufschlagen und nachlesen würde, weil sie so gelungen ist.
21.11.09
Terminschwäche
Es war früh morgens. Ich war spät dran und rannte auf den Zug. Ich rannte und rannte und erwischte ihn in allerletzter Sekunde. Setzte mich ausser Atem in den Speisewagen. Mir war schwindlig. Ich hatte nicht genug geschlafen und noch nichts im Magen. Ich bestellte ein Wellness-Frühstück. Wellness bedeutet zusätzlich ein Glas Orangensaft und ein Müesli. Der Kondukteur kam und ich hatte kein Billett. Es kostete mich zehn Franken Zuschlag. Mir war noch immer heiss und meine Bluse war nassgeschwitzt. Auf der Toilette zog ich sie aus und ein Strickjäckchen an. Ich betrachtete mein vibrierendes Spiegelbild. Man konnte den BH durch den hellen Strick sehen. Ich sah aus wie eine Emmentaler Serviertochter. Lächelte mich an. Es half nicht. Schminkte schliesslich die Wimpern mit brauner Tusche. Setzte mich zurück an mein Wellnessfrühstück. Bestellte einen weiteren Tee. War noch so müde. Als ich ausstieg, sah ich auf die Uhr.
Ich war eine Stunde zu früh.
Ich war eine Stunde zu früh.
20.11.09
18.11.09
16.11.09
Arztroman 4
Ich war gestern nicht am Konzert.
Stattdessen bin ich krank geworden. Nic kam vorbei, ich hatte ihr das Ticket vor die Wohnungstür gelegt, damit ich sie nicht anstecke. Sie hinterliess ihrerseits Obst, Sanddornsaft, Kürbissuppe und einen Umschlag auf der Türschwelle. Im Umschlag war ein USB Stick. Darauf war ein kleiner Videofilm.
Das Filmchen ist ein Interview mit dem Arzt, den Nick mit mir verkuppeln will, in seiner Neuköllner Wohnung. Er hat in Berlin, Frankfurt und Zürich eine Wohnung. Nics Freundin, die ursprünglich aus Berlin kommt, hatte vor einiger Zeit spontan das Interview mit ihm gefilmt. Man sieht eine schöne Wohnung, Parkettböden, viele Bücher, viele CDs, eine Tuschzeichnung an der Wand, Dinge, die auf einen kultivierten Mann deuten. Süssigkeiten, Pralinen und Prosecco auf dem Sofatisch lassen einen Mann vermuten, der gerne verwöhnt. Er steht diesmal zum Glück ohne Schnauzbart aber immer noch wie zurechtgestutzt im Wohnzimmer und bügelt gerade ein Hemd (echt jetzt). Er ist ein bisschen nervös, weil er gefilmt wird. Nics Freundin fragt ihn unter anderem über seinen Frauengeschmack aus, was er gut findet und was ihn ärgert an Frauen, und was denn so seine eigenen Vorzüge sind. Ein sehr amüsantes Video. Wenn man ihn so reden sieht, wirkt er ganz sympathisch. Was er sagt ist interessant. Das Video rührt mich irgendwie. Wenn ich krank bin, werde ich immer rührselig und anhänglich. Ich finde auch rührend, dass Nic sich so ins Zeug legt für mich und dafür sorgt, dass ich nicht verhungere und Unterhaltung habe und endlich einsehe, dass der Mann zu mir passt.
Stattdessen bin ich krank geworden. Nic kam vorbei, ich hatte ihr das Ticket vor die Wohnungstür gelegt, damit ich sie nicht anstecke. Sie hinterliess ihrerseits Obst, Sanddornsaft, Kürbissuppe und einen Umschlag auf der Türschwelle. Im Umschlag war ein USB Stick. Darauf war ein kleiner Videofilm.
Das Filmchen ist ein Interview mit dem Arzt, den Nick mit mir verkuppeln will, in seiner Neuköllner Wohnung. Er hat in Berlin, Frankfurt und Zürich eine Wohnung. Nics Freundin, die ursprünglich aus Berlin kommt, hatte vor einiger Zeit spontan das Interview mit ihm gefilmt. Man sieht eine schöne Wohnung, Parkettböden, viele Bücher, viele CDs, eine Tuschzeichnung an der Wand, Dinge, die auf einen kultivierten Mann deuten. Süssigkeiten, Pralinen und Prosecco auf dem Sofatisch lassen einen Mann vermuten, der gerne verwöhnt. Er steht diesmal zum Glück ohne Schnauzbart aber immer noch wie zurechtgestutzt im Wohnzimmer und bügelt gerade ein Hemd (echt jetzt). Er ist ein bisschen nervös, weil er gefilmt wird. Nics Freundin fragt ihn unter anderem über seinen Frauengeschmack aus, was er gut findet und was ihn ärgert an Frauen, und was denn so seine eigenen Vorzüge sind. Ein sehr amüsantes Video. Wenn man ihn so reden sieht, wirkt er ganz sympathisch. Was er sagt ist interessant. Das Video rührt mich irgendwie. Wenn ich krank bin, werde ich immer rührselig und anhänglich. Ich finde auch rührend, dass Nic sich so ins Zeug legt für mich und dafür sorgt, dass ich nicht verhungere und Unterhaltung habe und endlich einsehe, dass der Mann zu mir passt.
Abonnieren
Posts (Atom)




