30.08.10

Artichokes und Anchovis

Habe bis jetzt geschrieben. Den Leistungsnachweis für meine Weiterbildung. Es ist halb neun und ich habe Hunger. Setze mich in die Küche und schenke mir ein Glas Rotwein ein. Habe Hunger und keine Lust zu kochen. Nur Kartoffeln im Haus. Öffne den Kühlschrank, um ein Menu mit Kartoffeln zusammen zu stellen. Der Kühlschrank ist leer. Setze mich wieder an den Tisch und denke ans Essen. Öffne den Kühlschrank noch fünf Mal. Irgendetwas wird sich doch im Kühlschrank zu den Kartoffeln finden. Er ist jedes Mal leer. Bestelle eine Pizza. Bei MPK. Mega Pizza Kurier. Eine Quattro Stagioni ohne Pilze, bitte. Dafür mehr Artischocken, wenn’s geht. Warte am Küchentisch bei Rotwein und denke an die Weiterbildung. Habe den zweiten Weiterbildungstag bereits geschwänzt. Meine Mutter wird eben im Leben nur einmal 70 und ich hatte die Gelegenheit, ihren Freund kennen zu lernen. Samt Kind und Kegel. Ein Wittwer, fast zehn Jahre jünger als meine Mutter. Wenn sie heiraten, wird er mein Stiefvater. Und seine drei Söhne meine Stiefbrüder. Meine zukünftigen Stiefbrüder sehen aus wie Schwingerkönige. Berner Oberländer mit rosig glühenden Wangen und bergsonnenstrahlenden Augen. Sie arbeiten bei der Jungfrau Bergbahn und haben Ehegattinnen, die alle exakt den gleichen Haarschnitt haben. Stirnfransen und die schulterlangen blondierten Haare grob gestuft. Entweder gehen sie zum gleichen Frisör im Dorf, oder die zukünftigen Stiefbrüder haben den gleichen Frauen mit Ponyschnitt Geschmack. Wie sah wohl die Mutter meiner zukünftigen Stiefbrüder aus?  Ich fragte, wie sie die Liaison ihres Vaters mit meiner Mutter empfinden. Sie antworteten, dass meine Mutter ihre Mutter nie ersetzen wird. Ich frug nicht weiter. Obwohl ich gerne nach einem Foto der Mutter gefragt hätte.
Ali bringt meine Pizza. Er gibt mir zuerst die Hand. Stellt sich vor. Dann steckt er mein Geld ein, reicht mir die Pizza und gibt mir zum Abschied wieder die Hand. Renne mit der Pizza die Treppe hoch, weil das Telefon klingelt. Meine Mutter ist am Apparat. Sie bedankt sich für das Geburtstagsfest und wünscht mir auch einen Freund. Auf meiner vier Jahreszeiten Pizza wird der Herbst frischfröhlich mit Pilzen zelebriert. Wenigstens sind es frische Champignons. Frage mich, ob Artischocken, Schinken oder die bunten Peperonis den Frühling symbolisieren. Und was Sommer sein könnte. Das Telefon klingelt. Meine Schwester ist am Apparat. Sie sagt, dass der Computer für meine Mutter noch immer nicht geliefert wurde. Es wäre das Überraschungsgeschenk für meine Mutter gewesen. Ich habe ihn gekauft und zu meiner Mutter schicken lassen. Einen Mac. Habe insgesamt mehr Zeit gebraucht, eine passende Geburtstagskarte zu finden, als das passende Geburtstagsgeschenk. Leider ist auf die Schweizer Post auch kein Verlass mehr. Sage meiner Schwester, dass ich gerade Pizza esse, die kalt wird. Was für eine, will sie wissen. Eine Quattro Stagioni mit Pilzen, obwohl ich anstatt Pilzen Artischocken bestellt hatte. Sie erzählt mir, dass sie in Amerika einmal eine Pizza nur mit Artischocken bestellt hatte, und eine Pizza mit Sardellen bekam, weil sie das englische Wort für Artischocken nicht kannte.

26.08.10

Er suchte meine Nähe und fand sie nicht

"Möchtest du ein Glas Wein. Oder noch einen Kaffee?"
"Nein, ich möchte gehen."

24.08.10

Sprechstunde

Sein Blick wanderte über mein Gesicht, suchte Halt mit aller Kraft. Aber dann stürzte er immer wieder in meinen Auschnitt ab.

23.08.10

Ich verstehe die Menschen nicht

Wenn ich aufhöre, Erwartungen an die Menschen zu haben, an ihre Wahrhaftigkeit, ihren Mut, ihre Fähigkeit zu reflektieren, dann gelingt es mir, gesellig zu sein.
Wenn ich beginne, die Menschen zu verstehen, wie sie leben und warum sie so leben, dann beginne ich sie gern zu haben.
Auf der Lauer.

21.08.10

Meine strahlende, frisch verliebte Mutter

20.08.10

Abends in der Wohnung herumtigern

01.07.10

Oh my

so I slipped some love dust in your Martini, girl

29.06.10

Glücksrollen


Ich verbringe die Tage mit Unterrichten, Kochen und im Garten. Es gibt so viel zu tun. Koche Stachelbeeren zu Gelee, setze Holunderwein an, ernte die Erdbeeren im Garten und mache Erdbeereis daraus. Ernte Hornveilchen und setze Veilchenessig an.
Ich gehe früh ins Bett. Kann aber nicht einschlafen. Ich könnte noch so viel tun. Der alte Martin hat mir einen Eimer voll Johannisbeeren überlassen. Die müssen auch noch verwertet werden. Erhebe mich wieder und gehe in die Küche. Koche die Johannisbeeren in einem grossen Messingtopf auf. Setze einen Hocker verkehrtrum auf den Küchentisch und binde ein Tuch an den vier Beinen fest. Stelle eine grosse Schüssel darunter. Schütte die heissen Beeren in das Tuch und beobachte, wie der Saft durch das Tuch in die Schüssel rinnt. Dann lege ich mich schlafen.
In aller Frühe erwache ich, unruhig, weil ich das Johannisbeergelee kochen und noch vor dem Mittag vietnamesische Frühlingsrollen machen möchte. Mit Houttuynia, diesem vietnamesischen Koriander, der im Garten so hübsch aussieht, und auch vorzüglich in Frühlingsrollen passt. Leider besteht seine geheime Mission darin, im Untergrund den gesamten Garten zu erobern. Seine Nachbarn Mädesüss und Borretsch beschweren sich schon. Dabei gibt Houttunynia immer den Anschein, mit allen gut auszukommen.
Nach der zehnten Frühlingsrolle habe ich es raus mit dem Rollen, gebe mal mehr Glasnudeln, mal weniger Sprossen hinein und packe alle zwanzig Frühlingsrollen mit zur Arbeit ein. Meine Arbeitskolleginnen müssen sie probieren. Die perfekte Frühlingsrolle kommt in mein Kochbuch.
Nach der Arbeit gehe ich in den Garten und jäte Beet für Beet durch. Jeden Tag ein Stückchen weiter. Nach zwei Wochen bin ich am anderen Ende des Gartens angelangt und beginne wieder von vorne.

24.06.10

Endlich Licht und Luft, rufen meine Füsse, und klatschen vor Freude in die Hände.

21.06.10

Velohelm, oder wie trainiert man Spiessigkeit

Heute Morgen fahre ich in die Stadt, nur um einen Velohelm zu kaufen.
Komme mit einem Stabmixer nach Hause.

Was Sie nicht wissen, ist, dass ich seit Jahren versuche einen Velohelm zu kaufen. Und jedes Mal komme ich mit einem anderen Gegenstand nach Hause.
Ich habe es ernsthaft und oft versucht: Habe in Sportgeschäften Velohelme aufgesetzt und mich beraten lassen. Ich habe alle Spiegel gemieden. Nicht auf den Preis geschaut. Und doch schaffte ich es nie. Es war jedes Mal ein Schock. Dann kam Panik. Flucht. Inzwischen traue ich mich schon gar nicht mehr in ein Sportgeschäft. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Es kostet mich so viel Überwindung, dass ich mich vorher darauf einstimmen muss. Also gehe ich in irgendein Geschäft zum Trainieren. BHs oder Staubsauger, Diktiergeräte oder Nagellack, wenn man etwas braucht, dann kauft man es. Brauche ich einen Velohelm? Ja. Bei meinem nächsten Velounfall falle ich bestimmt auf den Kopf. Ich hatte bisher immer Glück. Aber ich will keinen Velohelm tragen. Ich sehe damit bescheuert aus. Und nicht nur das. Es ist nicht mein Stil. Ich hasse Velohelme. Ich bleibe bei den Stabmixern stehen. Ich brauche auch schon lange einen Stabmixer. Wenn ich mir einen Stabmixer kaufen kann, dann schaffe ich das auch mit einem Velohelm, sage ich mir, und schreite mit dem Übungsgegenstand an die Kasse.
"Da haben Sie ja den Rolls Royce unter den Stabmixern ausgesucht“, sagt die Verkäuferin und zwinkert mir zu.
Ich zahle und fahre mit meinem Rolls Royce nach Hause.

18.06.10

Männer, die Bier aus der Dose trinken.

Männer, die Bier aus dem Glas trinken.

Männer, die Bier aus der Flasche trinken.

Frauen, die Männer dabei beobachten, wie sie Bier trinken. 

16.06.10

Selbstbildnis als indefiniter Artikel im Plural.

15.06.10

Lebewohl

Nun stand der Taugenichts vor einem Rätsel. Das Rätsel hieß Christine und war ein Mädchen.
"Ich liebe dich", sagte der Friedrich zu der Christine.
"Haha", lachte das Mä
dchen, "das kann jeder sagen!"
"Ach", rief der Taugenichts, "wenn du mich nicht verstehst, dann wird es eben jeder sagen!" Und er sagte zu ihr: "Lebewohl!" 
(Günter Bruno Fuchs)

Die Nacht des Erbrechens.

Eine schlaflose Nacht beschreiben.

08.06.10

Liebe

Vorstellungen funktionieren im Leben fast nie.
Und es ist eine der vermutlich schwierigsten Aufgaben im Leben, von den Vorstellungen abzuweichen.
Mit den Männern meiner Vorstellung kann ich nicht leben. Ich kann mein ganzes Leben daran festhalten, es immer wieder versuchen und immer wieder feststellen, dass ich diese Männer gar nicht aushalte. Keinen Tag.
So ist es auch mit der Vorstellung von einem Leben, das man leben möchte, zum Beispiel von einem Haus auf dem Land, mit einem Mann, einem Garten, einem Hund und einem Truthahn. Man stellt sich ein unbeschwertes Leben vor und hat nur Arbeit am Hals.
Oder die Vorstellungen in jungen Jahren, von einem Leben in Hausgemeinschaften, alles zu teilen, zusammen ein Geschäft zu gründen, es funktionierte alles nicht. Man muss die Dinge selber machen.
Das einzige, was funktioniert, ist Liebe.
Auf der anderen Ebene der Vorstellungen.

06.06.10

Regenerationen

Ferien und keinen Plan

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Ich fahre an den Doubs. Der Doubs ist ein Fluss an der französischen Grenze. Zeitweise fliesst er in einer tiefen, wilden Schlucht und man kann tagelang in dieser gottverlassenen Gegend den Fluss entlang wandern. 

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Als Gymnasiastin hatte ich einen Tag, der mir gehörte. Mein Tag. Es war der dritte Mai. Ich weiss nicht, warum es der dritte Mai war. Aber das ist nebensächlich. Hauptsächlich war es mein Geheimnis. An diesem Tag schwänzte ich die Schule und unternahm etwas für mich. Niemand wusste davon. Niemand wusste, was ich machte oder wo ich war. Ich fuhr meistens an den Doubs. Ich wanderte, picknickte und fuhr gut drei Stunden wieder mit dem Zug zurück nach Zürich. 

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Es regnet. Ich wandere trotzdem los. Nach ein paar Stunden sind die Schuhe nass, die Hose, die Regenjacke, alles ist nass. Ich stapfe weiter und meine Gedanken stapfen auch: Sie streiten mit der Chefin, schreiben ihr Briefe, schreiben immer wieder Kündigungen, diskutieren stapfend und bringen alles auf den Punkt. Dann bin ich erschöpft, durchnässt und treffe auf ein kleines Hotel.Meine Rettung.

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Bis zum Abendessen in einem Palmen-Strand-Motiv Bett regenerieren. Als hätte die Tochter des Hauses die Bettwäsche ausgesucht.

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Ein dicker Amerikaner bestellt etwas umständlich Fondue. Er spricht kein Französisch. Die Kellnerin muss zuerst in der Küche nachfragen, ob es auch Fondue für nur eine Person gibt. Gibt es.
Ich bestelle Forelle Blau, dazu wird Buttersauce und eine Kartoffel serviert. Weisswein.

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Der Weg am Fluss. Den Blick auf meine Schritte gerichtet. Die Gedanken bei mir.
Wer bin ich. Wer war ich.
Lauter Erinnerungen.
Gehen und erinnern. Hier und da anhalten und gucken.
Fliegenfischer stehen mit ihren schenkelhohen Gummistiefeln im Wasser. Ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Pêche a la mouche.
Später ein Wanderfalke.
Weitergehen und nachdenken.

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Das kleine Hotel an der Grenzbrücke.

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Das Hotelbett zerwühlen. Den anspruchsvollen beanspruchten Körper bis zum Abendessen regenerieren.

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Zwei Forellen und eine Kartoffel. Bier. Danach Rotwein.

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Vom dritten Tag an bin ich endlich eingelaufen. Jetzt laufe ich. Zügig und leichtfüssig. Sicher.  Acht Stunden. Ich weiss nicht, wie es Ihnen in so Situationen geht, aber wenn ich den Alltagsstress hinter mir gelassen habe, über mich und das Leben nachgedacht habe und mich ausreichend erinnert habe, dann gibt es nur noch Wahrnehmen. Nur noch Lauschen. Nichts als Vogelgesang.
Wenn Zwitschern auf einmal einen weiten Raum bildet.  Architektur des Vogelgesangs.
Oder das Rauschen des Wassers. Wenn der Fluss zum Begleiter wird.
Nur noch riechen. Blüten, Düfte und würzige Luft. Den Schatten riechen. Die Kälte. Die Dunkelheit der Schlucht riechen.

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Stehen bleiben, besessen vom genau diesem feuchten, moosigen Geruch. 

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Alles ist mit Moos bedeckt, die Bäume sind in Moos gewickelt, in saftig, leuchtendes Grün getaucht, ein unheimlicher Wald, geisterhaft.

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Lege mich ins Moos. Es ist feucht. Weich. Duftend. Wenn jetzt der dicke Amerikaner vorbei käme würde ich ihn ohne Vorwarnung zu mir runter ins Moos ziehen.

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Ach ja, der dicke Amerikaner. Warum ausgerechnet der. Er sah etwas spiessig aus. Fantasien sind sonderbar. Sie ankern sich irgendetwas Reales und die Imagination führt es durch alle denkbaren Variationen. Eigentlich fast jede Person, die mir begegnet ist, wurde für früher oder später geankert. Und in der Phantasie kann auch etwas Unattraktives wie ein dicker Amerikaner auf einmal reizvoll sein. Wenn ich mir Sex mit dem biederen innerschweizer Paar vorstelle, das am anderen Tisch sass und Saftschinken bestellte... Nein, das führt jetzt zu weit.
Ich weiss nicht, wie es Ihnen dabei geht, aber wenn ich beim Wandern sozusagen das Wahrnehmungs-Level erreicht habe, und acht Stunden lang nur laufe, laufe und laufe, dann denke ich acht Stunden lang nur an Sex. Wenn der dicke Amerikaner wüsste, dass ich ihn an dem Tag vier Mal verführt habe. Meine Fantasie ankerte sich auf einmal die Situation im Hotel, wie ich ihn anspreche, kokett, was ich sage, was er sagt, Wort für Wort, seine Verlegenheit, er ist gar nicht Amerikaner, sondern Finne, so sexy, und wir tête à tête Fondue essen,  mit den Variationen: Wir gehen in sein Zimmer - er ist steinreich und hat die Deluxe Suite, mit Champagnerbad und Seidenbett - nächste Variation, wir gehen in mein Zimmer - das Licht bleibt aus, wegen der Palmenstrand Bettwäsche, es ist stockdunkel und er leckt mich bis ich drei Mal komme.  Später muss meine Fantasie sich unbedingt noch die zufällige Begegnung im moosigen Wald ausdenken, auch in zwei Vernaschungsvarianten.
Die Fantasien sind so schön, dass ich sie gleich noch ein paar Mal mit weiteren zufälligen Begegnungen halluziniere. 

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Das Hotel in der Moosschlucht. Ein rothaariger, junger Mann empfängt mich träge. Er kann nicht sagen, ob noch ein Zimmer frei ist. Ich sehe nirgends Gäste. Er ist irgendwie ratlos. Habe unwillkürlich das Gefühl, ihn beim Gameboyspielen gestört zu haben. Oder beim Masturbieren. Vielleicht ist das gar kein Hotel mehr, sondern eine Wohngemeinschaft. Würde mich nicht wundern, wenn er mir das frische Bettzeug gleich in die Hand drückt, ich soll mir oben selber ein Zimmer suchen.
Ich setze mich erstmal hin und warte. Er bringt mir ein Leffe.

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Das wohlverdiente Bier.

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Warte und lösche aus Versehen all meine Fotos.

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Später kommen die Eltern des Rothaarigen. Es ist also ein Familienhotel.
Bekomme ein schönes Zimmer. Gebe bis zum Abendessen meinen Körper dem Bett zur Regeneration hin.

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Ich wähle das Menu du Chef. Natürlich Forelle. Es ist die beste bisher. Vielleicht sogar die beste Forelle meines Lebens. Ich sage es ihm. Er ist geschmeichelt. Er lächelt. Es ist ein schöner Mann. Und er kann vorzüglich kochen. Ich lächle zurück.

29.05.10

Tage, die das Leben verändern

Es war einer dieser Tage. Tage, die schonungslos mit einem umgehen. Tage voller Fallgruben.
In der Agenda war ein Fisch gekritzelt. Mein geheimes Zeichen für Periode. Nic sagt Periode. Ich mag, wenn sie es sagt. Es klingt ein bisschen altmodisch. Ich sage Mens. Ich sollte an diesem Tag also meine Periode bekommen, was immer ein Grund zum Jubeln ist. 
Ich unterrichtete vormittags. In der Mittagspause kam meine Mens. Festgestellt, dass der erste Tag auch nicht besser als die Tage zuvor war. Nachmittags unterrichtete ich eine andere Gruppe. Mitten im Unterricht kam der Ehemann einer Kursteilnehmerin zu Besuch, setzte sich in die Klasse hinein. Er war stark alkoholisiert. Ich bat ihn, nach Hause zu gehen. Er wollte bleiben. Ich ging mit ihm vor die Tür und sprach mit ihm. Ich hasse meine Funktion als Lehrerin manchmal. Er war ein netter Kerl, leider sehr betrunken. Ich musste ihn überzeugen, dass er wieder ging. Er wurde ausfällig. Beschimpfte mich. Er reklamierte laut, breit und schwankend. Er jammerte. Er beleidigte. Es war enorm anstrengend. Ich blieb ruhig. Überzeugte ihn einfach. Er ging.
Nach dem Unterricht wollte meine Chefin mich noch sprechen. Ich sehe sie sozusagen nie. Ich war erschöpft und neugierig. Und pauschal empfänglich für ein kleines Lob. Stattdessen schrie sie mich an. Ich schrie zurück. Ich wollte nicht schreien. Aber sie war ungerecht.
Ich bekam eine Abmahnung.
Meine Freundin Lou sagt, ich hätte das Monatshoroskop lesen sollen. Dort steht, dass mich irgendeine Planetenkonstellation streitsüchtig macht und ich mich diplomatisch verhalten sollte.
Ich hätte auf der Stelle kündigen sollen.
Inzwischen haben wir uns ausgesprochen und versöhnt. Die Abmahnung war ein Fehler und wird zurückgezogen. Natürlich will sie mich behalten.
Der Gedanke einfach zu kündigen macht mich zuweilen froh. Ich hätte grosse Lust auf eine Veränderung. Veränderungen machen mich lebendig. Sie machen mir auch ein bisschen Angst.
Ich werde jetzt erstmal Ferien machen. Zwei Wochen. Die Planeten bewegen sich ja auch.

28.05.10

Eine Wegwarte wächst im Garten. Ein seltenes Glück. Die Nachbarin denkt, es sei Unkraut, und jätet sie weg.

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Die Feuerstelle

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Die Sitzung mit Minimars und Minitwix und Minimilkyways

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Die erste Holunderblüte

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Der Zahnarzt, der über meinen aufgesperrten Mund hinweg mit der Assistentin Belanglosigkeiten austauscht.

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Laster

27.05.10

Eine schlaflose Nacht beschreiben.
Ein Wort aufschreiben. Nur ein Wort. Immerhin ein Wort.
Mille Plateaux

09.04.10

Eh, der Frühling.

Ich bin zu sehr mit meinem Kram beschäftigt um zu schreiben. Gerade habe ich eine Darmgrippe überstanden. Ich lag zwei Tage harrend im Bett. Wagte nicht mich zu bewegen. Die kleinste Bewegung - ohjemineh.  Also wartete ich regungslos und tapfer, bis das ganze Übel vorüber war. Ich starrte an die Decke oder hielt die Augen geschlossen. Darüber hinaus sammelte ich keine Eindrücke, keine Gedanken. Die Zeit blieb stehen und der Schlaf war traumlos.
Heute geht es mir besser.
Als erstes saugte ich die alten Spinnennetzfäden von den Zimmerecken. Dann hängte ich zwei Bilder von der Schlafzimmerwand ab. 

Eben habe ich mir eine feine, klare Brühe gekocht und kleingehackte Gänseblümchen beigegeben. Eine Gänseblümchensuppe. Mit gerösteten Brotstückchen. Genau das Richtige für meinen Magen.


Ich habe die letzten Wochen viel gearbeitet. Aber auch viel verdient. Vielleicht bin ich krank geworden, weil ich mich überarbeitet habe. Ich muss wirklich lernen, besser auf mich zu achten.

***

Über Ostern war ich bei meiner Mutter für den Umzug packen helfen. Sie hat ihr Haus verkauft und zieht in eine Wohnung. Wir haben das ganze Haus in Schachteln verpackt. Natürlich mussten wir das meiste weggeben, so ein Haus hat ja kaum Platz in einer kleinen Wohnung.
Ich bekomme auch ein paar Sachen. Die Papierschneidemaschine von meinem Vater zum Beispiel. Die Motorsäge, samt Schutzanzug, Helm und Kettenöl. Und einen kleinen Hocker, den meine Mutter in jungen Jahren mit einem selbst gemachten Plüschkissen bezogen hatte. Sie erzählte mir auch die Geschichte zu dem Hocker, die mit einem Verehrer zu tun hatte. Es war ein freundlicher, junger Mann, der ihr mit schüchterner Aufrichtigkeit den Hof machte, aber meine Mutter hatte sich eigentlich in seinen Bruder verliebt, der leider schon eine Freundin hatte. Die Rolle des Hockers in der Geschichte ist mir leider entgangen. Es war eine traurige und schöne Geschichte. Voller unerfüllter Sehnsucht.

***

Inzwischen ist hier der Frühling eingezogen, die Sonne wärmt, die Menschen sind bereit. Die Natur ist erregt. Die Blicke der Männer sind es auch. Eh, der Frühling.
Ich bin guten Mutes.

***

Lese jeden Tag ein paar Seiten in dicken, uralten Kräuterbüchern, die leider auf Englisch geschrieben sind, und darum komme ich nur langsam voran. Schreibe hier und da etwas heraus. Freue mich auf all die Rezepte, die ich noch ausprobieren werde.
Als nächstes werde ich Veilchen verzuckern. Habe jetzt ein altes, noch besseres Rezept gefunden.

***

Und morgen werde ich mit Nic einen Spaziergang in den Bergen unternehmen.

25.03.10

Der erste Veilchensalat dieses Jahr

Liebesduft

Die Luft ist belebt von Veilchenduft. Noch bevor man die Veilchen entdeckt, nimmt man bereits ihren Duft wahr. Veilchengeruch ist leidenschaftlich. Ursprung aller Düfte. Denkt man an ihn, meint man ihn schon zu riechen. Er dringt zum Herzen. Er erweckt Erinnerungen an Melodien, Träume und die erste Liebe.
Die Veilchen duften so stark und süss, weil sie so begeistert und erregt vom Frühling sind, dass sie die ganze Welt an ihrem Glück teilhaben lassen. Sie verschwenden sich aus Leidenschaft.

24.03.10

Mittagspause

Die Maler auf der Parkbank mit weissen Farbflecken auf ihren weissen Latzhosen. Als ich vorbeiradle, riecht es nach frisch gekifft.

23.03.10

Bikini intensiv mit weiblichem Dreieck

Es heisse Bikini intensiv, belehrt mich die Kosmetikerin und fragt, ob ich Bikini intensiv total wünsche.
"Nein, nur intensiv", sage ich.
"Strip oder triangle?"
"Ein Dreieck wäre schön."
"Kleines?"
"Nein, so normal."
"Ein weibliches Dreieck also."